„Mit-Menschen im Dialog“

Unter dem Motto „Mit-Menschen im Dialog“ fand das jährliche „Feste der Begegnung“ am 12. Juni am Rathausplatz von St. Pölten statt. Die Betriebsseelsorge St. Pölten organisiert seit 18 Jahren gemeinsam mit anderen Organisationen und Initiativen das „Fest der Begegnung zwischen Menschen verschiedener Herkunft in St. Pölten“, wie Initiator und Leiter Sepp Gruber erklärte. Das Fest soll dem besseren Verständnis und dem Kennenlernen unterschiedlicher Kulturen und Religionen dienen durch die Vorstellung kultureller Eigenheiten in Musik, Tanz, Literatur, Handwerk, Film, Kulinarik und im Gespräch. „Es geht um das Verständnis, dass alle Menschen die gleichen Rechte und die gleiche Würde haben“, betonte Sepp Gruber bei der Eröffnungsveranstaltung. „Es soll erfahrbar werden, dass wir alle in einer Welt leben.“ Gruber entzündete eine Kerze im Gedenken an den Nigerianer Kelly Iyenkepolor, einem langjährigen Mitarbeiter des „Festes der Begegnung“, der bei der katastrophalen Gasexplosion in St. Pölten ums Leben gekommen war.


Fremdenfeindlichkeit habe vor allem zwei Ursachen, erklärte Betriebsseelsorger Gruber: die irrationale Angst vor allem Fremden und die „Angst vor Armut“. Viele Menschen wollten sich gegen eine „Invasion der Armen“ schützen, um ihren Reichtum nicht mit anderen teilen zu müssen. Seit zwei Jahren haben die Organisatoren des Festes „Bleiberecht jetzt!“ gefordert. Seit einigen Monaten gebe es ein neues Gesetz, das jedoch „viele Schlingen und Fallen“ aufweise und so „nur wenigen hilft“, kritisierte Gruber. Es gelte daher „Druck auszuüben, dass die Gründe für einen humanitären Aufenthalt großzügig ausgelegt werden“.


Bei einer Matinee am 13. Juni zeigte das Cinema Paradiso den Film „Little Alien“ von Nina Kusturica über die Situation jugendlicher Flüchtlinge. „Sie sind Teenager, die allein und unter größter Gefahr aus den Krisengebieten der Welt nach Europa flüchten in der Hoffnung, hier endliche leben zu können“, erklärte Kusturica. Hier angekommen kämpfen sie für ein normales Leben und „gegen ein System, das von ihnen verlangt, ihre Jugend einer ungewissen Zukunft zu opfern“. Die Protagonisten dieses Filmes waren auch beim Fest am Rathausplatz für Gespräche und Diskussionen anwesend.


Fotos:
Bosnische Kindertanzgruppe (2)
Kosovarische Kindertanzgruppe
Bürgermeister Mag. Matthias Stadler unter den Gästen