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Leben bis 120 – Lebenszyklus im Judentum

„Ich mache deine Nachkommen zahlreich wie die Sterne des Himmels“ – Diese Verheißung Gottes an Isaak nehmen auch heute viele Juden zum Anlass, unter freiem Himmel zu heiraten. So die jüdische Religionslehrerin Mag. Ruth Winkler zum Tag des Judentums am 18. Jänner im Bildungshaus St. Hippolyt in St. Pölten über Bräuche und Vorschriften im heutigen Leben der Juden. Auf den Lebenszyklus und die Höhepunkte eines religiösen Juden ging Ruth Winkler näher ein. „Bis 120“ - so auch das Thema – „kann ein Mensch nach biblischem Befund alt werden“, sagt sie. Das religiöse Leben beginnt mit der Brit Mila, der Beschneidung des männlichen Kindes am 8. Tag nach der Geburt. Bei Mädchen ist es heute üblich, so Winkler, dass der Vater zur Thora-Lesung aufgerufen wird. Vergleichbar mit der christlichen Taufe wird erstmals auch der Name des Kindes genannt.


Weitere „Stufen“ im religiösen Leben sind die Schule mit dem Erlernen der Thora und der jüdischen Vorschriften, die Bar Mitzwa bei Buben und die Bat Mitzwa bei Mädchen. Sie bedeuten – ähnlich der Firmung – die Volljährigkeit in religiösen Dingen und verlangen das Einhalten der religiösen Vorschriften, Gebote und Verbote.


Die Option einer Partnerschaft ohne Ehe sei im Talmud gegeben und wurde nie abgeschafft. Die Ehe selbst sei aus der Thora aber nicht ableitbar, doch habe sie hohen Wert und gehöre zum Mainstream im heutigen Judentum, wies Winkler hin. Hochzeiten werden meist nicht in der Synagoge gehalten, vielmehr an anderen Orten oder unter freiem Himmel im Gedenken an die Verheißung Gottes an Isaak: „Ich mache deine Nachkommen zahlreich wie die Sterne des Himmels“. Zur Diskussion stehen allerdings die verbrieften Rechte bei einer Scheidung, die vom Rabbinatsgericht behandelt werden.
Nach dem Tod eines Juden wird eine Bestattung schnell vollzogen, meist innerhalb eines Tages, da es nach jüdischer Sicht die Würde des Menschen verletzt, ihn nicht zu beerdigen.


Auch nichtreligiöse Juden halten an verschiedenen Bräuchen fest, um ihre jüdische Identität zu zeigen, so etwa am Jom Kippur-Fest, dem wichtigsten Feiertag im Judentum oder am Pessach-Fest. Zur Messiaserwartung meinte Ruth Winkler, dass mit dem Jahr 5600 nach jüdischem Kalender (1840 n. Chr.) der Beginn der Endzeit begonnen haben. Es sei aber „eindeutig, dass die messianische Zeit noch nicht angebrochen ist“, betonte sie.


Beschneidung und Taufe


Auf die Bedeutung von Beschneidung und Taufe bei Paulus wies der neutestamentliche Bibelwissenschaftler Dr. Josef Pichler hin. Die Beschneidung sei für die Juden ein „identitätsstiftendes Zeichen“. Für Paulus hebt sich die jüdische Gemeinde damit von der profanen Gesellschaft ab. Für Jesus selbstverständlich und fraglos akzeptiert, sei die Beschneidung in der Gemeinde von Antiochien zum Diskussionspunkt geworden wie diese Gemeinde überhaupt „Nährboden für die paulinische Theologie“ gewesen sei, sagte Pichler.
Die Beschneidung wird bei Paulus nicht negiert, die Taufe aber als weiterer und neuer Weg gesehen. Das gemeinsame dahinter ist, dass beide Zeichen zu einem Leben in Heiligkeit anregen wollen, weist der Exeget hin.


Seit 2000 wird in Österreich jedes Jahr am 17. Jänner der „Tag des Judentums“ begangen. Seit vier Jahren gibt es in der Diözese St. Pölten dazu Veranstaltungen. „Es ist ein Tag gegen das Vergessen einer fast 2000-jährigen Geschichte“ wies der alttestamentliche Bibelwissenschaftler P. Dr. Gottfried Glaßner hin. Auch der jüngste Besuch des Papstes in der großen jüdischen Synagoge in Rom sei ein Zeichen der Bereitschaft, aufeinander zuzugehen, unterstrich er.