Küng: Rossell-Ausstellung kann religiöse Gefühle verletzen

Der St. Pöltner Bischof Klaus Küng hat sich kritisch zu einer Ausstellung des in Australien geborenen und in Niederösterreich lebenden Künstlers Mark Rossell (50) im Landhaus St. Pölten geäußert. Die Schau "Generator of the Heart - ein Märchen" im Rahmen der aktuellen "Ausstellungsbrücke" im Landhaus beinhalte zwei Objekte, die für Aufregung sorgen: Bischof Küng nannte die sogenannten "Madonnaspuckflaschen", vor allem aber die zentrale Installation "Die Begegnung", in welcher der Künstler auf ziemlich plakative Weise seine Erfahrungen mit Kitsch und Kommerz in Lourdes 2002 verarbeitet.
Stellungnahme im Wortlaut
Rossell weist selber in einem Begleitblatt darauf hin, er habe bei dieser in einen - an ein Kondom erinnenden - Plastiküberzug gehüllte Madonnenstatue das "pubertäre Bedürfnis" gehabt, "sie zu beschmutzen". Dazu Küng: "Wer sein eigenes Werk so beschreibt, darf sich nicht wundern, wenn es in den Medien zu sexuellen Interpretationen kommt." Der Bischof erklärte, eine solche Darstellung der Muttergottes sei geeignet, "die religiösen Gefühle vieler Menschen in unserem Land, für die Maria der Inbegriff der Reinheit ist, schwer zu verletzen - unter anderem meine eigenen". Küng betonte, er äußere diese Kritik in "Respekt vor der spirituellen Erfahrung eines Künstlers und seinem Bedürfnis, diese auch provokativ darzustellen". Rossells jetzige Darstellung der Muttergottes "tut mir deshalb besonders Leid", so Bischof Küng, "weil derselbe Künstler z. B. mit seiner "Madonna mit Rosen" im kirchlichen Bildungshaus St. Hippolyt bewiesen habe, "wie sensibel er religiöse Themen einfangen kann".


Die "Ausstellungsbrücke" im Niederösterreichischen Landhaus bietet heimischen Künstlerinnen und Künstlern eine Plattform für zeitgenössische Kunst. Hoch oben verbindet sie als gläserne Galerie das Amtsgebäude mit dem Regierungsgebäude. Sie soll einen Brückenschlag leisten, der neben Baublöcken auch "die Kunst mit den Menschen verbindet", informiert das Landhaus. "Schwellenangst" solle dabei abgebaut werden. Die aktuelle Ausstellung von Marc Rossell dauert bis 25. November 2010.


Stellungnahme im Wortlaut