Küng: „Grundlegende Neubesinnung wichtig“

Die Notwendigkeit eine „grundlegenden Neubesinnung“ unterstrich Bischof Klaus Küng am Mittwoch bei der Chrisammesse im Dom zu St. Pölten vor zahlreichen Priestern der Diözese. Ein „entschlossenes Vorgehen zur Klärung, zur Sühne, zur Vermeidung von Kindesmissbrauch und zur Hilfestellung für die Opfer“ sei unerlässlich, so Küng. Dies allein sei jedoch noch keine adäquate Reaktion der Kirche auf die beklagenswerten Vorkommnisse.
Predigt im Wortlaut Küng wiederholte die Weisung des Papstes aus dessen Brief an die Kirche in Irland, wonach die Priester zu einem tieferen Verständnis ihrer Berufung kommen müssten, „um so die Wurzel ihres Glaubens in Jesus Christus wieder zu entdecken.“ In der aktuellen Kirchenkrise sei es „ohne Zweifel das Wichtigste, unsere Augen auf den Herrn zu richten“, betonte der Bischof.


Jesus hätte, so Küng, „ein liebes Wort für alle jene, die um seinetwillen alles verlassen, ihr Leben in den Dienst des Reiches Gottes gestellt, sogar auf eine eigene Familie verzichtet haben“. Der Bischof zeigte sich davon überzeugt, dass Jesus heute „auf jene zugehen würde, die zurzeit vielfach im Staub liegen, er würde sie in seine Arme schließen, sie aufrichten, ihnen ihre Würde zurückgeben“.


„Probleme mutig in den Blick nehmen“


Jesus würde uns jedoch auch ermahnen „gerade in dieser jetzigen Situation unbedingt eins zu sein, mit ihm aber auch untereinander“, so Küng. Es gelte, die Probleme ohne falsche Furchtsamkeit mutig in den Blick zu nehmen.


In der Gesellschaft herrsche große Not, erklärte Küng, weniger in materieller als in seelischer Hinsicht. „Verblendung“ und ein falscher Freiheitsbegriff seien weit verbreitet. „Viele, die sich bisher jede Freiheit genommen haben, sind heute ganz unfrei und viele geraten in eine Sackgasse, sind isoliert, nicht selten abhängig und süchtig in vielfältiger Art“, so Küng wörtlich. Jesus sei jedoch gekommen, um „den Gefangenen die Entlassung zu verkünden und den Blinden das Augenlicht“.


Weiters sei Jesus gekommen, um „die Zerschlagenen in Freiheit zu setzen“. Gemeint sei die Freiheit der Kinder Gottes, die er vermittelt, erklärte Küng. Es sei eine große Aufgabe der christlichen Familien, der Jugendarbeit und der Seelsorge, die Kinder und Jugendlichen zu einer bewusst christlichen Lebensgestaltung zu führen“, ohne von den gängigen Trends oder von der Umgebung abhängig zu sein“.


Bei der „missa chrismatis“ weiht der Bischof die heiligen Öle, die in der ganzen Diözese in einem Jahr für die Sakramente der Taufe, der Firmung und der Krankensalbung benötigt werden. Traditionell erneuern dabei alle Priester ihr Weiheversprechen.


Predigt im Wortlaut