Küng: Erfolgreicher Kampf gegen Aids nur durch Verhaltensänderung möglich

Wo die Aids-Bekämpfung nur darauf abzielt, Kondome zu verteilen, breitet sich die Krankheit noch stärker aus. Das hat Bischof Klaus Küng in einem Interview für die neue Ausgabe katholischen Zeitung "Tagespost" betont. Küng bezog sich in seinen Ausführungen, die zum Weltaidstag (1. Dezember) erschienen sind, auf das neue Papstbuch "Licht der Welt", in dem Papst Benedikt XVI. auch zu Kondomen Stellung nimmt.
Interview im Wortlaut
(KAP) Die Äußerung des Papstes bedeuteten keine Änderung der Lehre der Kirche, stellte der Bischof fest: In der Interview-Passage, die zur Diskussion steht, hat Benedikt XVI. nicht über Empfängnisverhütung, sondern über Aids-Bekämpfung gesprochen. Der Papst habe betont, dass der Kampf gegen Aids dann besonders erfolgreich sei, wenn Menschen ihr Verhalten ändern; weg von Promiskuität und einer "Banalisierung der Sexualität", hin zu Verantwortung, Treue und Enthaltsamkeit.


Wenn aber Personen infiziert sind, "die absolut nicht empfänglich sind für die Aufforderung zu Verantwortung, zu ehelicher Treue und Enthaltsamkeit", könne es Situationen geben, "in denen es besser ist, zur Vermeidung von Ansteckung ein Kondom zu verwenden". Küng verwies auf das Drogen- und Prostituiertenmilieu, führte zugleich aber auch ein anderes Beispiel an: "Wenn zum Beispiel ein an Aids erkrankter Mann in keiner Weise einsichtig ist und ein Nichtentsprechen seiner Forderung Gewalt nach sich ziehen würde, könnte die Frau in einer solchen Situation berechtigterweise verlangen, dass er ein Kondom verwendet, weil das eine Verminderung der Infektionsgefahr bedeutet." Das stehe seines Erachtens, so Küng, nicht im Widerspruch zur Enzyklika "Humanae vitae", in der die künstliche Empfängnisregelung generell abgelehnt wird. In einer solchen Situation sei nicht Empfängnisverhütung das Ziel der Verwendung des Kondoms, sondern der Schutz vor Ansteckung.


Küng: "Neu ist, dass der Papst die Verwendung eines Kondoms in diesen Fällen als einen ersten Schritt der Wahrnehmung von Verantwortung bezeichnet. Das ändert nichts daran, dass das grundsätzliche Ziel immer darin besteht, falsche Verhaltensweisen zu ändern."


Die Äußerung des Papstes sei ein Beitrag zu einer notwendigen Klärung, so der Bischof: "Es geht nicht darum, die Lehre der Kirche zu ändern, sondern um eine wichtige Differenzierung." Auch Papst Paul VI. habe kurz nach Veröffentlichung von "Humanae vitae" (1968) einer Schwesterngemeinschaft in Afrika, die ständig in der Bedrohung lebte, überfallen zu werden, auf Anfrage den Hinweis gegeben, dass sie sich durch die Einnahme der Pille schützen dürften, sofern sie das wollen. Das zeige: "In begründeten Einzelfällen hat es schon immer solch eine differenzierte Beurteilung gegeben."


Der St. Pöltner Bischof zeigte sich überzeugt, dass die Lehre der Kirche über die menschliche Sexualität vertieft und verdeutlicht werden müsse "und in einem umfassenden Sinn so übersetzt werden muss, dass sie jedem gut verständlich ist". Dabei sei eine differenzierte Beurteilung bestimmter Einzelfälle wichtig.


Küng: "Sexualität hat ein doppelte Grundbedeutung. Sie ist Ausdruck der Liebe zwischen Mann und Frau, aber es geht dabei eben auch um die Weitergabe des menschlichen Lebens." Diese doppelte Bedeutung mache menschliche Sexualität in besonderer Weise wertvoll. Die Kirche habe die Aufgabe, "für Jung und Alt von Neuem darzulegen, dass die wahre Liebe etwas ganz Großes ist, ja den Menschen Gott ähnlich macht". Gerade deshalb lohne es sich, an den Grundsätzen von "Humanae vitae" festzuhalten.
(Kathpress)


Interview im Wortlaut