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Kirchenrecht noch verbesserungswürdig

Das geltende Kirchenrecht sei in Hinblick auf sexuellen Missbrauch verbesserungswürdig, stellte der Wiener Kirchenrechtsexperte Univ. Prof. DDr. Ludger Müller bei einem Vortrag des Forum XXIII in St. Pölten fest. Die Bestimmungen müssen noch deutlicher auf den Missbrauch als solchen sensibilisiert werden und zudem alle Katholiken, nicht nur Kleriker und kirchlich Bedienstete, mit einbeziehen. Das geltende Kirchenrecht ahndet sexuellen Missbrauch von Kindern unter dem Gesichtspunkt eines Verstoßes gegen den Zölibat, so Müller. Dass ein derartiger Missbrauch auch ein schweres Unrecht den Betroffenen gegenüber mit gravierenden Folgen darstelle, bleibe im geltenden Kirchenrecht bislang unbeachtet.
Dennoch räumte der Kirchenrechtler ein, dass auch ein „noch so verfeinertes Kirchenrecht“ nur einen bescheidenen Beitrag leisten könne, dem Missbrauch zu begegnen. Müller sprach sich aber für eine „klarere Umschreibung des sexuellen Missbrauchs gegenüber Kindern“ im Kirchenrecht aus. Damit könne die Kirche ein deutliches Zeichen setzen, meint Müller.
Das geltende Kirchenrecht beinhalte zwar Normen, die in Fällen des Missbrauchs angewandt werden können und müssen, biete aber allein gesehen noch keinen sicheren Schutz vor derartigen Straftaten. Die Bischöfe sind angehalten – wie auch die neu erschienenen vatikanischen Richtlinien betonen – dafür zu sorgen, dass, soweit wie möglich, auch eine Strafverfolgung der weltlichen Behörden erfolgt.


Gegenüber dem weltlichen Strafrecht hat das Kirchenrecht eine schärfere Verjährungsregelung. Demnach tritt die Verjährung zehn Jahre nach der Vollendung des 18. Lebensjahres ein, von der aber im Nachhinein suspendiert werden könne, was immer wieder auch geschehe. Die Rechtssicherheit des Täters werde dabei hintangestellt, wies Müller hin. Im Kirchenrecht stehe bei allen Sanktionen der Sühnegedanke im Vordergrund, betonte der Experte. Letztlich gehe es dem kirchlichen Recht „um das Heil der Seelen“, wie es der Kanon 1752 des kirchlichen Gesetzbuches ausdrücke. So gelte im Kirchenrecht auch die Sorge um den Täter, damit er „zur Einsicht in sein Fehlverhalten komme und zur Besserung gebracht werden kann“.
Jeder Täter sei für sein Tun selbst verantwortlich, betonte der Wiener Kirchenrechtlicher. Ein von einem Kleriker verübter Missbrauch sei dennoch keine Privatsache, sondern werde vielmehr der gesamten Kirche angerechnet. Verantwortung treffe die Kirche dann, wenn sie nicht das Gebotene tue, die Taten in Zukunft soweit wie möglich zu verhindern. Eine Kollektivschuld der Kirche könne es allerdings nicht geben, so Müller.