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Katastrophenmeldungen rund um Familie hinterfragen

Die verbreiteten Katastrophenmeldungen rund um Ehe und Familie müssen auf ideologische Voreingenommenheit hinterfragt werden: Das betonte die Linzer Soziologin Martina Beham-Rabanser bei der Pastoraltagung im Salzburger kirchlichen Bildungszentrum St. Virgil. In den Ausprägungen von Ehe und Familie habe sich zwar vieles verändert, doch sei dieser Bereich soziologisch stabiler als kolportiert und von gleichgebliebenen Sehnsüchten gespeist.
Schlagzeilen wie "Die Hälfte aller Ehen in Österreich wird geschieden" kämen dann zustande, wenn die Zahl der Eheschließungen und der Scheidungen in einem Kalenderjahr miteinander verglichen werden. Tatsächlich seien aber nur acht Prozent der österreichischen Bevölkerung über 15 Jahren geschieden, so die Soziologin.


Mit Vorsicht zu genießen seien auch Meldungen über rasant sinkende Geburtenzahlen und steigende Singlehaushalte, führte Beham-Rabanser weiter aus: Nur 17 Prozent der Österreicher würden als Einzelkinder aufwachsen, und bei den Einpersonenhaushalten bildeten verwitwete alte Menschen die bei weitem größte Gruppe.


Die Mehrheit der Österreicher halte die Ehe nicht für überholt, auch wenn das Zusammenleben vor und ohne Trauung mittlerweile breit akzeptiert sei. Jedenfalls würden Partnerschaften bunter und seien oft übergroßen Erwartungen ausgesetzt, was ihnen einen "Balanceakt zwischen Anforderung und Überforderung" abverlange, sagte Beham-Rabanser.


Geschlechterrollen ausverhandeln


Moderne Paarbeziehungen seien "Aushandlungsbeziehungen", d.h. die Partner müssten sich über vieles, was althergebrachte Geschlechterrollenmodelle früher einfach vorgaben, nun erst einigen. Umfragen belegten, dass es hier bei Frauen und Männern unterschiedliche Geschwindigkeiten bei der Verabschiedung von alten Mustern gibt. Die hohen Anforderungen an die Vereinbarkeit von Beruf und Familie stelle ebenso einen hohen Stressfaktor dar wie Verunsicherungen bei der Kindererziehung oder die auch das Familienleben erfassende "Rush hour of life" - also das Problem, angesichts dichter Zeitvorgaben noch "Gemeinsamzeiten" zu finden.


Diese gemeinsam verbrachte Zeit sei aber ein ganz wichtiger Faktor für das Gelingen von Beziehungen - erst recht, wenn Kinder beteiligt sind, unterstrich Beham-Rabanser. Sie ermutigte in diesem Zusammenhang die Tagungsteilnehmer zum Lobbying für den arbeitsfreien Sonntag und generell zum Widerstand gegen den immer stärkeren Zugriff der Wirtschaft auf das Familienleben.


Schutz davor, ständig an den Grenzen der Belastbarkeit entlangzuschrammen, bieten laut der Soziologin auch ein Mindestmaß an materieller Sicherheit, eine familienstützende Infrastruktur wie ausreichende Kinderbetreuungseinrichtungen sowie ein gesellschaftlich familienfreundliches Umfeld.


300 Teilnehmer aus dem In- und Ausland


"Beziehung leben zwischen Ideal und Wirklichkeit" lautet das Thema der diesjährigen Österreichischen Pastoraltagung, zu der am Donnerstag rund 300 Teilnehmer aus dem In- und Ausland angereist sind. Unter ihnen begrüßte Prälat Balthasar Sieberer als Vorsitzender des veranstaltenden Österreichischen Pastoralinstituts (ÖPI) auch einige Bischöfe: den für das ÖPI in der Bischofskonferenz zuständigen Klagenfurter Bischof Alois Schwarz, der auch den Eröffnungsgottesdienst leitete, "Familienbischof" Klaus Küng, weiters Ludwig Schwarz (Linz), Manfred Scheuer (Innsbruck), die Weihbischöfe Andreas Laun (Salzburg) und Franz Scharl (Wien) und den ungarischen "Familienbischof" Laszlo Biro. Der Salzburger Erzbischof Alois Kothgasser wird noch im weiteren Verlauf der Tagung zu den Teilnehmenden stoßen. Gemeinsam widmet man sich noch bis 9. Jänner der heutigen Beziehungsvielfalt und deren Folgen für die kirchliche Seelsorge.


Die zum bereits 70. Mal durchgeführte Österreichische Pastoraltagung ist die größte Bildungsveranstaltung der katholischen Kirche in Österreich.


(KAP)


Foto: (c) stock