Jugendwallfahrt: „Voll Leben!“

Drei Tage lang herrschte das „volle Leben“ in Mariazell. Hunderte Jugendliche aus ganz Österreich trafen sich auf Einladung der Bischöfe, um unter dem Motto „Voll Leben!“ Gemeinschaft zu erleben, ihre Lebensrealität zur Sprache zu bringen und sich mit ihrem Glauben auseinander zu setzen. Bischof Klaus Küng und Weihbischof Anton Leichtfried hielten Katechesen zu den Themen „Ja zum Leben“ und „Christ & Humor“.
„Das Leben ist der höchste Wert, den der Mensch besitzt“, sagte Bischof Küng bei seiner Katechese im Seminarzentrum „Europeum“ in Mariazell. „Es ist ein Geschenk, das er von Gott empfangen hat und am Ende des Lebens von neuem in Gottes Hand gibt.“ Jeder Mensch habe seine tiefste Begründung in Gott und sei zum ewigen Leben berufen. Aus dieser „hohen Würde“ und „Heiligkeit“ seines Lebens leite sich die „Unantastbarkeit“ des Lebens ab, betonte Küng.


Abtreibung: wichtig, Vergebung zu erlangen


Auch die moderne Forschung bestätige die Lehre der Kirche, das ab dem Augenblick der Befruchtung ein eigenständiges menschliches Lebewesen bestehe, das sich „kontinuierlich bis zur Geburt entwickelt und derselbe Mensch bleibt bis zu seinem natürlichen Tod“, erklärte der promovierte Mediziner Küng. In der heutigen Zeit stelle die pränatale Diagnostik „ein großes“ Problem dar, da es in 90% der Fälle bereits bei bloßem Verdacht auf Behinderung zu einer Abtreibung komme. „Unsere Aufgabe als Christen ist es zu helfen“, appellierte der Bischof an das Engagement der Jugendlichen. Eine große Aufgabe der Kirche sei auch bekannt zu machen, „dass es Vergebung gibt und es wichtig ist, Vergebung zu erlangen“.


Zum Thema „Euthanasie“ unterstrich Bischof Küng, dass es niemals Sterbe-„Hilfe“ geben könne: „Euthanasie ist nicht Sterbehilfe, sondern Tötung.“ Zu unterscheiden seien dabei jedoch Selbstmord, bei dem oft Panik, Verzweiflung oder auch psychische Verwirrung eine große Rolle spielen könnten, und die Beihilfe zum Selbstmord. Küng: „Beihilfe zum Selbstmord kann niemals ein Liebesdienst sein.“ Oft werde diese als Mitleid deklariert. Wahres Barmherzigkeit bewirke jedoch verstärkte Zuwendung, möglichst ununterbrochene Begleitung bei Tag und Nacht, und den „Ruf nach dem Priester, damit er mit dem Kranken betet und ihm die Sakramente spendet“.


Auf die Frage Jugendlicher nach dem „Kondomverbot der Kirche“, betonte Küng, dass mit der Freigabe der Verhütung das Gegenteil erreicht werde: Die Folge eines sorglosen Umgangs mit der Sexualität seien mehr Schwangerschaften und auch mehr Abtreibungen. Es gelte „mehr Verantwortungsbewusstsein und mehr Respekt vor dem Partner“ zu entwickeln, so Küng: „Die Liebe muss auch wachsen können.“


Realismus und Glauben als Fundament für Humor


Um „christlichen Humor“ ging es in der Katechese von Weihbischof Leichtfried, die mit 64 Teilnehmerinnen und Teilnehmern großen Zuspruch fand. „Humor heißt nicht, dass alles lustig ist“, sagte Leichtfried: „Es ist nicht alles lustig, im Gegenteil: Es gibt so viel himmelschreiendes Unrecht auf der Welt.“ Christlicher Humor sei demnach „keine Eintrittskarte in die Spaßgesellschaft“. Alles „wegzulächeln sei „naiv, aber nicht christlich“. Auch Alkohol und Drogen könnten nicht das Fundament sein, dass es lustig ist, betonte der Weihbischof gegenüber den Jugendlichen.


Christen seien weder Pessimisten noch Optimisten, sondern „die größten Realisten“. Aus dem Glauben heraus könnten die Christen auf die Welt schauen „wie sie ist“ und dabei das Leben „mit einer gewissen Leichtigkeit nehmen“, so Leichtfried, „weil ich weiß, dass Gott mich ernst nimmt.“ Realismus gepaart mit Glauben sei das Fundament für christlichen Humor. Als mitten unter der Katechese das Mobiltelefon des Weihbischofs läutete und alle Teilnehmenden lachten, stellte Leichtfried fest: „Christlicher Humor ist, wenn alle mitlachen können.“ Und: „Wer über sich selbst lachen kann, hat sein Leben lang für Unterhaltung gesorgt.“