Jede Krise hat auch Hoffnung

Zu einer Adventfeier anderer Art haben Katholischer Akademikerverband und das Forum XXIII am 29. November geladen. Nach dem Isaiaswort „das Volk, das im Dunkeln wandelt, sieht ein großes Licht“ reflektierten die Teilnehmer mit der Wiener Pastoraltheologin Dr. Regina Polak über die Kirchensituation in Europa und stellten die Frage: „Worauf dürfen wir hoffen?“. Paulus hat in seinem Brief an die Römer in Kapitel 8 die Krisensituation der damaligen Zeit beim Namen genannt. Auch heute leiden die Christen an einer zu Ende gehenden Epoche. Polak bezeichnete diese als Ende der „konstantinischen Kirchenära“. Kirche und politische Macht waren in den vergangenen Jahrhunderten oft eng miteinander verbunden, was bei nicht wenigen tiefe Wunden geschlagen hat. Doch dem Leiden von heute, wie der Finanzkrise, der ökologische Krise, der Migration mit Fremdenfeindlichkeit, steht auch die Sehnsucht nach Freiheit, Liebe Gerechtigkeit und Wahrheit gegenüber.
Bereits Paulus habe die damalige Krisensituation „in prophetischer Rede“ nicht als Katastrophe bezeichnet, sondern als „Geburtswehen“, als eine Hoffnung, aus der neues Leben entspringt, wie die Wiener Pastoraltheologin hinwies. Doch diese Hoffnung sei keine Garantie auf ein „Happy-End“, sondern vielmehr eine Hoffnung, die eine neue Perspektive ermögliche.


Christsein wird nicht bequemer werden


Auch heute werde die Situation der Kirche von vielen als Schmerz erlebt. Geduld zeigen, ertragen und aushalten, seien auch die Kategorien, die Paulus nennt. Denn, so Polak „Christsein wird nicht bequemer werden, sondern wird immer einen Preis haben“. Die Hoffnung sei mehr als nur „positives Denken“. Sie bedeute auch, die Situation so anzunehmen wie sie ist. Es brauche dazu Kritik und Mut, auch die unangenehmen Wahrheiten anzunehmen. Doch bei allem, so die Pastoraltheologin, dürfe man die Orientierung und die Beziehung zu Gott nicht verlieren.
Für Paulus sei das Leben in Krisen Normalzustand, gleichsam eine Pilgerschaft. Polak wies dabei auf die verschiedenen „Lebenszeichen und Todeszeichen“ hin, die jede Krise begleite. Die derzeitige Krise der Kirche sei aber eine Krise, die vor ganz neue Herausforderungen stelle.
Doch auch heute gebe es Grund zur Hoffnung, betonte die Referentin. Es gelte nur wahrzunehmen, welche Aufbrüche es schon gebe und diese „Lebenszeichen“ zu suchen und zu fördern. Den Todeszeichen müsse pastoraler Widerstand durch eine alternative Praxis entgegen gestellt werden.


Im Anschluss an diese Überlegungen feierten die teilnehmen an diesem Abend einen Gottesdienst mit dem geistlichen Assistenten des Kath. Akademikerverbandes, H. Mag. Mauritius Lenz.