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Interview in der Tagespost über Erotisierung der Gesellschaft

Die Erotisierung unserer Gesellschaft ist auch in die Kirche hereingeschwappt, meint Österreichs Familien-Bischof Klaus Küng im „Tagespost“-Interview
- Von Stephan Baier/DieTagespost Tagespost: Die Kirche scheint nur mehr mit Missbrauchsfällen und deren Management beschäftigt zu sein. Warum konnte das Thema Missbrauch die Kirche derart in die Defensive treiben?


Küng:Sexueller Missbrauch ist ein sehr großes Problem unserer Gesellschaft. Leider müssen wir feststellen, dass er auch in der Kirche vorkommt. Ich habe den Eindruck, dass diese schrecklichen Vergehen, auch in der Kirche, ab Ende der 60er Jahre häufiger geworden sind. Es lohnt sich darüber nachzudenken, was die Gründe dafür sein könnten. Dass in unserer Gesellschaft eine Erotisierung stattgefunden hat, bestreitet niemand. Dass solche Tendenzen auch in die Kirche hereinschwappen und die Tugend der Keuschheit geradezu verpönt ist und Selbst- und Triebbeherrschung in der Erziehung wie im persönlichen Bemühen des Erwachsenen kaum beachtet werden, verwundert da nicht. Da gehen dann auch andere Vorsichtsmaßnahmen – früher für Priester und Ordensleute selbstverständliche Klugheits- und Verhaltensregeln im Umgang mit Kindern und Erwachsenen – allzu rasch und unbedacht als veraltet und verklemmt über Bord. Das sind Faktoren, die in den Medien nicht genug zu Wort kommen. Ich glaube, dass die gegenwärtige Krise für die Kirche einen Reinigungsvorgang und eine Chance darstellt. Die Frage ist, ob sie erkannt und genützt wird. Andererseits ist nicht zu übersehen, dass bestimmte Kräfte inner- wie außerhalb der Kirche daran interessiert waren und sind, der Berichterstattung über diese Vorfälle breiten Raum zu gewähren. Den einen dient es als Gelegenheit, die Kirche in ihrem gesellschaftlichen Einfluss zurückzustutzen, die anderen erkennen eine Chance, die Hierarchie der Kirche klein zu bekommen und die Forderungen nach Aufhebung des Zölibats und Änderung der Sexualmoral durchzusetzen.


Tagespost: Angesichts der Missbrauchsfälle geraten Kleriker derzeit unter Generalverdacht. Das Zeichenhafte des Zölibats – als Ehelosigkeit und Keuschheit um des Himmelreiches willen – wird kaum noch verstanden. Ist es trotzdem sinnvoll, am Zölibat festzuhalten?


Küng:Sie haben recht: Trotz aller Beteuerungen, dass der Zölibat an sich nicht als Ursache für das Vorkommen solcher Missbrauchsfälle anzusehen ist, und obwohl nur ein kleiner Prozentsatz des Klerus sich des sexuellen Missbrauchs schuldig gemacht hat, hat sich in vielen Köpfen der vermeintliche Zusammenhang, Zölibat führe zu Missbrauch, fest eingenistet. Es kommen noch andere Gründe hinzu, warum Zölibat nicht mehr hochgeschätzt und oft nicht verstanden wird: Die erwähnte Sexualisierungstendenz der Gesellschaft führt so weit, dass jemand, der keine sexuelle Beziehung unterhält, beinahe als nicht ganz normal angesehen wird. Das scheint sich dadurch zu bestätigen, dass manche Priester vereinsamen oder persönlich irgendwie eigenartig werden. Andere schaffen es nicht, konsequent zölibatär zu leben. Zudem ist die Zahl der nachkommenden Priester zu gering. So scheint die Forderung, Zölibat als Voraussetzung für die Priesterweihe aufzuheben, geradezu logisch. Ich halte aber den Zölibat trotzdem weiter für sinnvoll: Es gibt kein stärkeres Zeichen für Gott und für die Liebe zur Kirche als den freiwilligen, bewussten Verzicht auf Ehe und Familie, mit dem Ziel, ganz für Gott und seine große Familie frei zu sein. Zölibat – richtig begründet im Glauben an Gott und das ewige Leben, und bewusst gelebt, verbunden mit einer beharrlichen Pflege der Beziehung zu Gott, und mit Pflege der Gemeinschaft mit den Mitbrüdern – ist eine Triebfeder, die zu einem großzügigen Einsatz ohne einschränkende Abhängigkeiten befähigt. Bewusst gelebte Hingabe an Gott fördert das Vertrauen der Gläubigen. Auch ist die Erfahrung gewachsen, dass sich christliche Familien und die zölibatäre Lebensform des Priesters gegenseitig ergänzen und stützen. Schön hat dieses gegenseitige Sich-Tragen Mutter Teresa beschrieben, als sie forderte, jede christliche Familie solle auf geistige Weise einen Priester „adoptieren“.


Tagespost: Sogar einige Bischöfe hinterfragen derzeit den Zölibat. Warum sollte er verpflichtend bleiben?


Küng:Der Druck ist sehr groß geworden. Meines Erachtens sollte die Kirche trotzdem nicht nachgeben. Es hat im Laufe der Geschichte mehrmals in diesem Zusammenhang große Krisen gegeben. Sie wurden nicht durch Anpassung an die jeweilige gesellschaftliche Situation überwunden, sondern durch Nachfolge Christi. Ich halte es für notwendig, genauer hinzusehen, welches die eigentlichen Gründe sind für die derzeitige Situation der Kirche in vielen Ländern Europas und einigen anderen Teilen der Welt. Warum finden viele Menschen derzeit keinen Zugang zum Glauben der Kirche? Warum gelingt es in anderen Erdteilen besser? Müssen wir nicht zur Kenntnis nehmen, dass bei uns die Krisen in Ehe und Familie und im Priestertum parallel laufen? Müssen nicht sowohl die christlichen Familien als auch jene, die zölibatär leben, lernen, in den heutigen Verhältnissen so zu leben, dass es „gesund“ ist: mit klaren Prioritäten, Bemühungen, vielleicht auch neuen Aufgabenstellungen? Sollten wir nicht dringend unsere gesamte Pastoral grundlegend neu gestalten, sodass sie in einer pluralistischen Gesellschaft bestehen kann, und die starken Veränderungen der Lebensweise berücksichtigt?


Tagespost: Als Verzicht auf die Ehe hat der Zölibat doch nur eine Zeichenhaftigkeit, wenn dieser Verzicht auch Größe besitzt. Was ist mit Kandidaten, für die die Ehe gar nicht interessant ist – und damit die Ehelosigkeit kein Opfer?


Küng:Diese Frage ist von großer Bedeutung. Wenn ein Priesteramtskandidat andeutet, dass er für Ehe und Familie kein Interesse hat, dann ist das für mich immer ein Anlass zum Zweifel an seiner Eignung. Es stellt sich dann die Frage, warum er Priester werden will. Will er Gott und den Menschen dienen oder erhofft er sich Ehre, Anerkennung oder einen sicheren Arbeitsplatz? Oder hat er vielleicht noch nicht ausreichend über seine Berufung reflektiert?


Tagespost: Würden Sie einen Priesteramtskandidaten, der eine homosexuelle Neigung bekennt, diese aber im Griff zu haben beteuert, zum Priester weihen?


Küng:In solchen Fällen ist die Vorgeschichte, aber auch die Ehrlichkeit der Bemühung, priesterlich zu leben, besonders genau und eingehend zu prüfen. Bei allem Respekt vor homosexuell orientierten Personen, die in vieler Hinsicht begabt, kreativ und im Umgang mit anderen einfühlsam sein können, ist zu sagen: Wenn jemand von Jugend auf durch eine homosexuelle Neigung tief in seiner Persönlichkeit geprägt ist, kann er nicht zur Priesterweihe zugelassen werden. Immer – das gilt prinzipiell auch für heterosexuell orientierte Kandidaten mit Schwierigkeiten im sexuellen Bereich – wird es notwendig sein, über eine längere Zeit hindurch zu beobachten, ob eine dauerhafte Stabilität erreicht wurde und ob die Persönlichkeit des Kandidaten ausgeglichen ist. Ein Priester muss fähig sein, für die anderen da zu sein, ohne ständig sich selbst zu suchen.


Tagespost: In einigen westlichen Ländern scheint es homosexuelle Netzwerke in Priesterseminaren und auch in Teilen des Klerus zu geben.


Küng:Diese Gefahr besteht. Wenn in einem Seminar, in einem Kloster solche Netzwerke entstehen, kann das zu einer großen Bedrohung für das Seminar, für das Kloster, für eine Diözese werden, weil sich eine Atmosphäre bildet, die ganz bestimmte Personen anzieht, andere dagegen abstößt zum großen Schaden der Seelsorge. Seminare und Klöster können dadurch geradezu existenziell bedroht werden.


Tagespost: Und wie sollten die Bischöfe damit umgehen?


Küng:Wenn solche Netzwerke überhand nehmen, gibt es meines Erachtens nur eine radikale Lösung: Unter Umständen Schließung solcher Seminare und Klöster mit einem Neubeginn. Besonders Ausbildungs- und Leitungsaufgaben müssen von Personen mit einer ausgewogenen Persönlichkeit, mit lauterer Absicht und mit der nötigen inneren und äußeren Freiheit wahrgenommen werden.


Tagespost: Bei den sexuellen Übergriffen von Klerikern auf Minderjährige handelt es sich offenbar überwiegend um männliche Opfer. Sehen Sie einen Zusammenhang zwischen Homosexualität und Pädophilie?


Küng:Nicht direkt. Generell kann man nicht sagen, dass Homosexuelle stärker zu Pädophilie neigen als Heterosexuelle. In absoluten Zahlen sind Frauen in ihrer Kindheit viel häufiger Opfer von sexuellen Übergriffen als Männer. Bei Klerikern ist es allerdings anders: Laut einer aktuellen Studie handelt es sich beim von Klerikern verübten sexuellen Missbrauch nur in zehn Prozent der Fälle um Pädophilie im eigentlichen Sinn. Bei etwa sechzig Prozent jedoch um homosexuelle Handlungen mit Jugendlichen. Es ist also wahr, dass wir da in der katholischen Kirche ein etwas anders gelagertes Problem haben.


Tagespost: Sind Zölibatäre stärker als andere Männer gefährdet, in Perversionen abzugleiten?


Küng:Das kann man so sicher nicht sagen. Wahr ist vielmehr, dass sowohl Verheiratete als auch zölibatär Lebende für Kinder und Jugendliche zur Gefahr werden können, wenn sie es aus dem einen oder anderen Grund nicht gelernt haben, den Geschlechtstrieb im eigenen Leben richtig zu integrieren und sie immer wieder auf der Suche nach Befriedigung sind. Dagegen entsteht bei einer ausgereiften Persönlichkeit, bei Pflege des geistlichen Lebens und eines entsprechenden asketischen Kampfes, verbunden mit einer gesunden Widmung an die Arbeit und die einem anvertrauten Menschen, eine große Stabilität. So etwas führt zu innerer Ruhe und der Fähigkeit, für die anderen da zu sein. Mit Recht hat man zu einem Menschen, der so lebt, großes Vertrauen.


Tagespost: Umgekehrt gefragt: Könnte es sein, dass die zölibatäre Lebensform Männer mit einer sexuellen Schieflage anzieht?


Küng:Es hat wahrscheinlich zu allen Zeiten Personen mit sexueller Schieflage gegeben, die in einem Seminar oder in einem Kloster um Aufnahme bitten, weil sie meinen, dazu berufen zu sein. Es gehört zu den wichtigsten Aufgaben der Verantwortungsträger, solche Personen nicht aufzunehmen und sie nicht zu einer endgültigen Bindung oder zur Weihe zuzulassen, wenn sich in der Probezeit solche Probleme zeigen. In Zeiten, in denen sich nur wenige Kandidaten melden, ist es sicher noch wichtiger als zuvor, dass die Verantwortungsträger nicht der Versuchung nachgeben, solche Personen aufzunehmen, weil wenig Nachwuchs da ist. Im Gegenteil: Je schwieriger die gesellschaftliche und kirchliche Gesamtsituation und je größer die Herausforderungen für die seelsorgliche Arbeit sind, desto wichtiger sind die psychische und physische Gesundheit sowie die tiefe spirituelle und glaubensmäßige Verwurzelung des Priesters. Bei Nichtbeachtung der Aufnahmekriterien können große Schäden für die ganze Kirche entstehen, wie wir es jetzt miterleben müssen. Das Heilmittel ist nicht die Aufhebung des Zölibats als Voraussetzung für die Priesterweihe, sondern die Qualität der Priesteramtskandidaten und die Qualität der seelsorglichen Arbeit.


Tagespost:Zu den immerwährenden „heißen Eisen“ zählt der pastorale Einsatz von Priestern ohne Amt, also von Geistlichen, die wegen Verehelichung suspendiert wurden. Wie können und sollten die Bischöfe damit umgehen?


Küng:Ich war immer dafür offen, Priestern, die geheiratet haben, nach Abklärung ihrer Situation und Aufarbeitung der entstandenen seelischen Wunden die Einbringung ihrer Talente in bestimmten Aufgaben der Seelsorge zu ermöglichen. Aber eine Rückkehr in das Priesteramt halte ich in der Regel nicht für möglich und auch nicht für angebracht.


Tagespost: Im Umgang mit den zivil wiederverheirateten Geschiedenen wird die Kirche zu einer „barmherzigeren“ Haltung aufgefordert. Warum dürfen diese Katholiken nicht zur Kommunion gehen? Und könnte sich daran etwas ändern?


Küng:Es gibt einen Zusammenhang zwischen Ehesakrament und Eucharistie, der oft übersehen wird: Für kirchlich verheiratete Personen bedeutet jede heilige Kommunion, die sie empfangen, eine Besiegelung der ehelichen Treue, denn sie haben sich mit Blick auf Gott, der seinem Bund treu ist, und mit Blick auf Christus und seine Hilfe das gegenseitige Ja-Wort gegeben, einander treu zu sein, bis der Tod sie scheidet. Christus war treu bis in den Tod. Der Empfang der Eucharistie setzt außerdem immer – nicht nur im Zusammenhang mit der Ehe – die Bemühung voraus, im Einklang mit den Weisungen des Herrn zu leben. Dies ist nicht gegeben, wenn jemand mit einem Partner im Sinne einer intimen sexuellen Beziehung zusammenlebt, der nicht der eigene Ehepartner ist. Um in solchen Situationen die Kommunion empfangen zu können, ist eine Voraussetzung Umkehr oder zumindest der Wunsch danach, und die Erlangung der Vergebung durch das Sakrament der Versöhnung. Wenn die Kirche die Einhaltung dieser Kriterien fordert, ist das nicht ein Mangel an Barmherzigkeit, sondern die Folge einer inneren Logik. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich da in der Zukunft etwas ändern kann.


Tagespost: Gibt es keinen pastoralen Spielraum, der der Würde des Ehesakraments und der Würde der Eucharistie gerecht wird, aber die Barmherzigkeit Jesu spürbarer machte?


Küng: Zunächst möchte ich zu bedenken geben, dass auch wiederverheiratete Geschiedene nicht für immer vom Empfang der heiligen Kommunion ausgeschlossen sind. Dies ist nur der Fall, solange sie in einer Weise leben, die nicht dem Willen des Herrn entspricht. Früher oder später kommt der Augenblick, in dem sie nach entsprechender innerer Umkehr die heilige Kommunion empfangen können, wenn sie ihre sexuelle Gemeinschaft nicht fortführen und wie Bruder und Schwester leben. Das hat nichts mit Leibfeindlichkeit zu tun, oder dass man etwa solchen Paaren den „Spaß an der Ehe“ vermiesen möchte, denn für die Kirche gehören sexuelle Akte eben in die Geborgenheit einer gültigen Ehe. Das mit dem Eucharistieempfang betrifft, nebenbei gesagt, auch Christen, die „einfach nur zusammenleben“. Vielleicht wird das heute zu selten erwähnt.
Auch für wiederverheiratete Geschiedene ist es wirklich möglich, christlich zu leben, und das sollten sie versuchen. Ich halte es für sehr wertvoll und notwendig, dass sie ihr Gebet pflegen, regelmäßig am Sonntagsgottesdienst teilnehmen, auch wenn sie nicht kommunizieren können. Sie sollten, wie jeder Christ, das Wort Gottes lieben und im Herzen tragen. Ich halte gerade auch für sie die eucharistische Anbetung für sehr hilfreich: Sie schenkt die Erkenntnis, dass der Herr nicht weggeht, dass er da ist und bleibt. Er wartet auf uns. Es ist auch gut, die Sehnsucht nach der heiligen Kommunion zu wecken. Als sehr wertvoll für geschiedene und für wiederverheiratete Geschiedene erweisen sich regelmäßige Gebets- und Austauschtreffen, in denen sie Hilfe empfangen, um ihre Lebenskrise besser zu bewältigen, um Mut zu fassen, auch Anregungen und Hilfestellungen für die Erziehung und Begleitung ihrer Kinder zu empfangen. Der Weg der Wahrheit ist manchmal schmerzhaft, aber er bringt am sichersten Heilung für die Wunden, und er befähigt die Eltern, ihren Söhnen und Töchtern ein echtes Vorbild zu sein, auch wenn im Leben nicht alles so gelaufen ist, wie sie es sich gewünscht hätten. Kinder können auf solche Eltern, die konsequent sind, stolz sein, auch wenn diese vielleicht viele Jahre aus Gehorsam zur Kirche nicht zur Kommunion gegangen sind, sich aber sehr wohl um ein christliches Leben bemühen.


Tagespost: Beide von der Kirche angebotenen Lebensformen – Zölibat und Ehe – scheinen heute in einer tiefen Krise. Warum ist das so?


Küng:Das hängt meines Erachtens mit vielen Faktoren zusammen: die Lebensverhältnisse haben sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert. Eine große Rolle spielen bei den Familien die Berufstätigkeit beider Elternteile, die Einflüsse der Leistungs- und Konsumgesellschaft, die Begegnung mit einer weitgehend entchristlichten Welt, das Erfasstwerden von den gängigen Trends unserer Gesellschaft. Die christliche Familie hat in der Schule, manchmal auch in der Pfarre nur mehr wenig Unterstützung in der Wertevermittlung. Auch für Priester hat sich die Situation in vielfacher Hinsicht stark verändert. Die Anforderungen in der Verkündigung und in der gesamten Seelsorge sind viel schwieriger geworden. Auch der Priester wird von der modernen Lebensweise erfasst. Oft fehlt ihm auch die Beheimatung im Pfarrhaus.


Tagespost: Wie können beide Lebensformen wieder an Leuchtkraft und Zeichenhaftigkeit, und damit an gesellschaftlicher Attraktivität, gewinnen?


Küng: Auf dem Pfarrgemeinderatskongress in Mariazell sagte eine Delegierte, wir müssten wieder mehr auf Jesus schauen. Ich glaube, das muss die Lösung sein! Das ist der einzige Ansatz, der Zukunft haben wird: Priester wie Ehepaare, die sich – ihrer Schwäche durchaus bewusst – immer enger an Christus ausrichten. Wer das tut, darf hoffen, auch die größten Schwierigkeiten zu meistern, sei es im Zölibat, sei es in der ehelichen Treue. Und solche Christen, Laien wie Priester, werden auch leuchten und anderen Menschen vermitteln: Da ist etwas, das ich auch haben möchte.