„Gesegnete Mahlzeit“ aus Seitenstetten

„Kostet und seht, wie gut der Herr ist“, zitierte Abt Berthold Heigl den Psalm 33 und meinte damit sowohl die herrlichen Blumen und heilsamen Kräuter im Hofgarten als auch die schmackhaften Klostergerichte in seinem neuen Buch „Gesegnete Mahlzeit“, das er im Rahmen der Gartentage im Stift Seitenstetten präsentierte. „Gesegnete Mahlzeit“ ist ein historisch-kulinarischer Spaziergang durch Küche und Garten des Benediktinerstiftes Seitenstetten, ein Kochbuch der besonderen Art mit alten und auch aktuellen Rezepten, gesammelt und zusammengestellt von der Autorin Irmengard M. Hofmann aus Niederbayern, und illustriert mit Abt Bertholds ausdrucksstarken Fotos. Ein eigenes Kapitel ist darin den Erdäpfeln gewidmet, denn es waren die Seitenstettener Benediktinermönche, die 1621 als erste in Österreich in ihrem Garten diese als Nutzpflanze zogen und in der Stiftsküche daraus köstliche Speisen bereiteten.


Während des Essens herrscht im Refektorium eines Klosters vielfach noch Silentium, also Schweigen. Die Speisen sollen mit Bedacht genossen werden, mit dem Gefühl der Dankbarkeit, die schon im kurzen Gebet zu Beginn angesprochen wird: „Herr Jesus Christus, jeden Tag beschenkst du uns mit deinen Gaben. All dein Wohlwollen an uns hat seinen Grund in der Großmut deines Herzens, das immer für uns geöffnet bleibt, jetzt und in Ewigkeit. Amen.“ Das tägliche Tischgebet der Mönche des Benediktinerstiftes Seitenstetten ist in diesem Fall durchaus der passende Einstieg in ein Kochbuch, das im Untertitel „Gutes und Gesundes aus der Klosterküche“ verspricht.


Von Bärlauchnocken über Mostapfelstrudel bis Herrnlaibl


Gutes und Gesundes aus der Klosterküche kann uns dem Paradies ein wenig näher bringen. In einer Zeit, in der das rechte Maß manchmal abhanden zu kommen scheint, versucht mancher, in der Stille von Klöstern oder Abteien das einfache Leben wiederzuentdecken und sich auf das Wesentliche zu besinnen. Dazu gehört auch vernünftiges Maßhalten im Essen und Trinken sowie die Orientierung am jahreszeitlichen Angebot der Natur. Wir schätzen wieder die einfachen und gesunden Speisen, genießen gute Rezepte und erinnern uns, dass in den Klöstern durchaus genussvoll gespeist wurde.


Bärlauchnocken in Weißweinsoße mit Pinienkernen ist ein authentisches Rezept aus der Klosterküche eines Benediktinerstiftes. Gefülltes Spanferkel oder Gemüsesuppe mit Rosenlikör oder Gefüllte Schweinefilets im Backteig oder Fischröllchen auf Spinatbett oder Hühnerspieße mit Kräutersoße oder Weichselkuchen oder Mostapfelstrudel oder Erdbeerknödel oder Kräuterbrot oder … Man könnte immer so fortfahren mit der Aufzählung und angesichts dieser Köstlichkeiten die Lust auf eine Erkundungstour durch die Klosterküche steigern.


Irmengard Hofmann als Autorin lädt ein zum Riechen, Schmecken, Kochen, Essen und Genießen. Zudem gibt sie raffinierte wie einfache Rezepte preis, die an eine jahrhundertealte Tradition anknüpfen. Ein praktisches Kochbuch mit Neuinterpretationen des Speiseplans der Mönche und viel frischen Produkten wie Obst, Gemüse und Kräutern ist entstanden. Alte Originalrezepte wie Herrenlaibl, die von der Stiftsbäckerei bis noch vor 20 Jahren täglich für die geistlichen Herren gebacken wurden, aber auch Anregungen und Dekorationen für Alltag und Feste runden das Buch ab. Abt Berthold Heigl fotografierte die Gaumenfreuden und wünscht eine gesegnete Mahlzeit.


Die Autoren


Irmengard M. Hofmann, geboren 1954, Hauptschul-, Religions- und Beratungslehrerin, Redakteurin und Moderatorin während der Pionierphase des bayerischen Lokalfunks, Herausgeberin von Kochbüchern seit 1988, Autorin des klösterlichen Koch- und Lesebuchs „Köstlichkeiten aus Klöstern“, ist seit 15 Jahren gemeinsam mit ihrem Mann in Kontakt mit dem Stift Seitenstetten.


Abt Berthold Heigl OSB, geboren 1946 in Ybbsitz, wurde 1972 nach seinem Philosophie- und Theologiestudium in Salzburg und Rom zum Priester geweiht und 1984 zum 62. Abt des zurzeit 35 Mitglieder zählenden Benediktinerstiftes Seitenstetten gewählt.