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Finanzkrise hat Schere zwischen arm und reich vergrößert

Der kapitalistische Markt produziere heute mehr Probleme als er zu lösen fähig sei, erklärte Politikwissenschafter Prof. Emmerich Talos zur gegenwärtigen sozialen Lage nach der Wirtschaftskrise bei der Sommerakademie von Betriebsseelsorge, Katholische Arbeiterbewegung und Gewerkschaft Anfang September in Gaming. Die soziale Schieflage sei in den letzten Jahren größer geworden, müsse er feststellen. Drei Tage lang befassten sich Gewerkschafter, Betriebsratsvorsitzende von Betrieben des Mostviertels und Aktivistinnen und Aktivisten von Katholischer Arbeitnehmerbewegung und Betriebsseelsorge sowie Seelsorger aus der Region mit aktuellen Themen der Arbeitswelt.


Die Finanzkrise habe die Schere zwischen Arm und Reich vergrößert, wies Talos hin. Die Sanierung des Marktes gehe aber zu Lasten des Sozialstaates. Die Betriebe würden die Krise wohl überwinden, doch für die sozial Bedürftigen werde sie noch andauern, meint der Experte. In der Zeit der Krise sei dem Großteil der österreichischen Bevölkerung bewusst geworden, dass an einem gerechteren Wirtschaftssystem weiterhin gearbeitet werden soll und stärkere gesetzliche Regulative einzubauen sind.


Die „bedarfsorientierte Mindestsicherung“ sollte einmal grundsätzlich positiv aufgenommen werden, meinte der St. Pöltner Betriebsseelsorger Kaplan Franz Sieder. Die Kirche könnte und sollte auch dazu beitragen, dass gerechtere Strukturen entstehen und alle Menschen in Würde leben können.


Neben dem Besuch von Betrieben gab es auch eine abschließende Diskussion mit Politikern, an der Landeshauptmann-Stellvertreter Josef Leitner, Nationalratsabgeordneter Karl Öllinger und der Vizepräsident der Arbeiterkammer Michael Fiala teilnahmen.