Festschrift für Bischof Klaus Küng zum 70. Geburtstag

Anlässlich des 70. Geburtstages überreicht die Philosophisch-Theologische Hochschule St. Pölten am Dienstag, dem 12. Oktober um 19.30 Uhr Bischof Klaus Küng in einem Festakt in der Aula der Hochschule die Festschrift „Weg, Wahrheit Leben. Im Dienst der Verkündigung.“

30 Autoren haben der 550 Seiten umfassenden Festschrift mitgewirkt.

Rezension Weg, Wahrheit, Leben

So weit wie das Leben

Vielfältige Zugänge zur Wahrheit in der Festschrift „Weg, Wahrheit, Leben“ zum 70er von Bischof Klaus Küng.

Die Äcker, die ein Bischof bearbeitet, sind weit gestreut; und seine Themen sind vielfältig. Wenn dreißig seiner Freunde vom Professor bis zum Networker, vom Bischof bis zum Kirchenmusiker sich zusammentun, um gemeinsam über „Weg, Wahrheit, Leben“ nachzudenken, was kommt dann heraus? Eine faszinierende, weit gespannte Festschrift für einen immer wieder überraschenden Bischof. Denn die Wahrheit ist zwar eine einzige – doch sie faltete sich in vielerlei Facetten auf und hat so viele Zugänge.

Wer die 550 Seiten starke Festschrift in die Hand nimmt, die von Josef Kreiml, Thomas H. Stark und Michael Stickelbroeck herausgegeben worden ist, taucht in eine Welt von Aufsätzen ein, deren Bogen sich von philosophischen und theologischen Themen über die Welt der Bibel bis hin zum Leben aus dem Glauben, von Fragen der Ethik zu alten und neuen Wegen der Verkündigung spannt. Der Raum dieser Besprechung ist grausam knapp, von den dreißig Aufsätzen können daher nur einige gestreift werden, um Appetit auf die Lektüre zu machen. Und die lohnt sich. Spannend und aktuell ist etwa Josef Kreimls Artikel zu Kardinal Newman und der Stellung des Papsttums; oder auch Berhard Dolnas dramatische, ja poetische Auseinandersetzung mit dem Bösen „Das 'Mysterium Iniquitatis'“ zwischen Judentum und Christentum. Einen fesselnden Blick in die Antike bietet „Paulus als Sklave im Lichte des Philipperbriefes“ von Jan Flis, der von der grausamen Realität des Sklavendaseins zu einem vertieften Verständnis des Paulusbriefes führt. Oder wir begeben uns auf die Spur des geheimnisvollen Lieblingsjüngers Jesu in Josef Pichlers „Glaubensweitergabe im Johannesevangelium“ - ist er nun mit Johannes identisch oder nicht?

In die konkrete Pastorale treten wir mit Hans Gleixners „Lasst euch mit Gott versöhnen“, in welchem er zum heute recht vernachlässigten Sakrament der Buße einlädt; oder mit Pater Karl Wallners Text über die wichtige Rolle der „Familie als Hauskirche“ seit dem II. Vatikanischen Konzil. Familien sei zudem gleich die Lektüre von Prior Pius Maurers „Liturgie und Familie“ empfohlen - mit Ideen, wie man als Familie das Kirchenjahr gemeinsam gestalten kann. Oder man entdeckt den Bereich der Familienkatechese im gleichnamigen Artikel von Reinhard Knittel.

Aber wir können auch sehr menschlich Mutter Theresa erforschen, uns über Lebensschutz und medizinische Grenzfragen Gedanken machen oder über das Buch „Liebe und Verantwortung“ von Papst Johannes Paul II. Besonders interessant zwei sehr konkrete Schlaglichter: Der Networker Günter Danhel vom Institut für Ehe und Familie berichtet lebensnah von gesellschaftlicher Realität in „Kirchliches Engagement für Ehe und Familie in Österreich“; und Gerhard Reitzingers „Das Ohr bei den Menschen und das Herz bei Gott“ lässt uns dem pastoralen Erneuerungsprozess der Diözese St. Pölten gewissermaßen „auf die Finger schauen“.

Wie gesagt – das ist nur ein erster Überblick von interessanten Beiträgen. Es gibt noch anderes zu entdecken, etwa die Domglocken von St. Pölten, die Kreuzfrage oder auch das Thema der katholischen Couleurstudenten. Und vieles mehr. Kurzum: Viele Annäherungen an die Wahrheit - ein Buch, so weit wie das Leben.

Zuletzt noch eine besondere Empfehlung. Niemand liest Grußworte. Das wäre hier ein Fehler. Die zahlreichen Wortmeldungen am Anfang des Buches lassen bei genauer Lektüre eine Vielzahl an herzlichen, persönlichen Zugängen zum Jubilar entdecken.

Weg, Wahrheit Leben

Im Dienste der Verkündigung

Festschrift für Bischof Klaus Küng,

Hrsg. von Josef Kreiml, Thomas H. Stark, Michael Stickelbroeck,

Verlag Friedrich Pustet, Regensburg 2010,

ISBN 978-3-7917-2296-2