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Fastenhirtenwort 2010

Liebe Gläubige!


Einmal mehr stehen wir am Anfang der Fastenzeit, „eine Zeit der Umkehr und der Buße“, wie es im Tagesgebet der heutigen Messe am ersten Fastensonntag heißt.
Das Jahr des Priesters, das Papst Benedikt XVI. in Erinnerung an den 150. Todestag des hl. Pfarrers von Ars vor einem Jahr angekündigt und am darauf folgenden Herz-Jesu-Fest eröffnet hat, regt uns an, gerade im Zusammenhang mit Umkehr und Buße die Aufgabe des Priesters als Vermittler zwischen Gott und den Menschen in den Blick zu nehmen: Er ist dazu bestellt, kraft der empfangenen Vollmacht an die Stelle Christi tretend wirksam zu werden. Durch seine sakramentalen Handlungen wird Christus selbst mit Leib und Blut auf dem Altar und in den Herzen der Gläubigen gegenwärtig. Gemeinsam mit dem hl. Paulus möchte ich Euch, liebe Gläubige, am Beginn der Fastenzeit zurufen: „Lasst Euch mit Gott versöhnen!“ Das zweifelsohne Beeindruckendste am Leben des hl. Pfarrers von Ars ist die Tatsache, dass damals, in einer für den Glauben - sowie heute - schwierigen Zeit, so viele Menschen aus ganz Mitteleuropa nach Ars pilgerten, weil sie unbedingt bei diesem einfachen Landpfarrer beichten wollten.


Ich möchte alle Gläubigen zu einer ganz besonderen Erfahrung einladen: beichten Sie doch in der Fastenzeit! Legen Sie eine gute Osterbeichte ab: aufrichtig vor Gott, vor dem Priester, der Christus vertritt, und vor sich selbst. Eine gute Beichte ist eine große Wohltat für die Seele. In ihr wendet uns Gott sein Erbarmen zu, vergibt, schenkt inneren Frieden, erweckt in unseren Herzen neues Leben, sein Leben.


Nun ist das Verständnis für den Sinn und die Praxis der Beichte vielerorten etwas abhanden gekommen. Viele meinen nicht zu wissen, was sie beichten sollen. Das liegt vielleicht auch ein wenig daran, dass regelmäßige Beichtmöglichkeiten nicht mehr überall angeboten werden. Durch die weitverbreitete Relativierung der Gebote Gottes und der Kirche ist bisweilen überhaupt das Sündenbewusstsein geschwunden. Trotzdem gilt, was der hl. Johannes lehrt: „Wenn wir sagen, dass wir keine Sünde haben, führen wir uns selbst in die Irre, und die Wahrheit ist nicht in uns. Wenn wir unsere Sünden bekennen, ist er treu und gerecht; er vergibt uns die Sünden und reinigt uns von allem Unrecht“ (1 Joh 1,8-9).


Mein Rat lautet: Begnügen Sie sich nicht mit der Teilnahme an einer Bußfeier. Sie kann eine Hilfe sein zu Besinnung und Gewissenserforschung, aber die Sünde ist etwas Persönliches und bedarf – insbesondere, wenn sie Wichtiges betrifft – des persönlichen Bekenntnisses und der individuellen, sakramentalen Lossprechung. Und auch dann, wenn vielleicht nicht schwere Fehler vorliegen, ist es hilfreich, in regelmäßigen Abständen – Ostern ist ein guter Anlass – eine ehrliche Aussprache zu suchen und für die begangenen Fehler die Lossprechung zu erbitten.


Es wird gut sein, wenn wir unsere Beziehung zu Gott, unsere Beziehung zu den Anderen, unsere Einstellungen und Haltungen in der Familie, am Arbeitsplatz und in anderen Bereichen unseres Lebens durchgehen und uns prüfen: Wie bete ich? Bete ich regelmäßig? Suche ich Gott in meinem Herzen, in der Arbeit, in den Anderen? Höre ich auf Gott und sein Rufen? Wie verhalte ich mich den Anderen gegenüber? Welche Sünden kommen häufig bei mir vor? Welches sind die tieferen Ursachen dafür? Was könnte ich tun, um besser zu werden? Vielleicht gibt es einige Dinge, die ich unbedingt beachten sollte?


Nach langer Zeit wieder einmal zu beichten, kann eine ungeheuer befreiende Erfahrung sein. Erst im Bußsakrament kann man sich ohne Angst seiner eigenen Schwäche, seinen Fehlern stellen und echte Befreiung erfahren. Das Wichtigste ist dabei die Reue. Sie ist – wie schon das Konzil von Trient gelehrt hat – „der Seelenschmerz und der Abscheu über die begangene Sünde, verbunden mit dem Vorsatz, fortan nicht zu sündigen.“ Sie setzt Aufrichtigkeit voraus, auch die Bereitschaft zur Änderung. Ihnen allen rate ich: Suchen Sie sich einen Priester, der regelmäßig Beichte hört. Und dann - lassen Sie sich einfach leiten.


Ein Neuanfang lohnt sich, denn „Der Herr ist barmherzig und gnädig, langmütig und reich an Güte“ (Ps 103, 8). Seine Liebe macht lebendig. Probieren Sie es einfach.


Bevor ich zum Schluss komme, möchte ich noch eine Bitte meiner Mitarbeiter erfüllen und Sie an die Fastenaktion „Einfach Leben“ erinnern, die gemeinsame Solidaritätsaktion der Diözese St. Pölten. Sie lädt ein, sich an der Haltung des christlichen Fastens, des einfachen Lebens und des Verzichtens zu beteiligen. Alle Pfarren, die Gruppen der KA (KFB, KMB…), die Religionslehrer/Innen, Pfarrgemeinderäte und andere Gruppen (zB Firmgruppen, Jugendgruppen, Eine-Welt-Kreise …) werden sich aktiv beteiligen, um möglichst vielen benachteiligten Menschen helfen zu können. Ich bitte daher alle um ein eifriges Mittun und danke Ihnen schon im Voraus.


So wünsche ich Euch allen eine gesegnete Fastenzeit, die für eine bewusste Mitfeier der Auferstehung des Herrn bereit macht. Und nicht vergessen – probieren Sie das mit der Beichte.