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"Familie ist Schule des Lebens, des Liebens und des Glaubens"

Ein Plädoyer für die Familie als "Schule des Lebens, des Liebens und des Glaubens" hat der St. Pöltner Diözesanbischof Klaus Küng bei der Österreichischen Pastoraltagung gehalten. Die diesjährige Pastoraltagung zum Thema "Beziehung leben zwischen Ideal und Wirklichkeit" findet noch bis Samstag im Salzburger Bildungshaus St. Virgil statt.
Statement von Bischof Küng bei der Pastoraltagung am 8. Jänner
Im Gespräch mit "Kathpress" unterstrich Küng, dass die Familie auch in der theologischen Reflexion immer mehr ins Zentrum rückt. Ein intaktes Familienleben in Liebe und gegenseitigem Respekt könne als Abbild der Dreifaltigkeit von Vater, Sohn und Heiligem Geist verstanden werden, so der "Familien-Bischof": "Die Familie ist der Ort, an dem Gott buchstäblich zur Welt kommt".


Angesprochen auf die hohe Zahl zerrütteter oder bereits zerbrochener Ehen sagte Bischof Küng, die Kirche lasse Ehepaare in Krisensituationen niemals im Stich. Es gebe zahlreiche Hilfsangebote, die versuchten, den Paaren einen Neustart zu ermöglichen. Wichtig seien dabei stets Aufrichtigkeit und die Einsicht in die eigenen Schwächen. Nur so könne Heilung gelingen.


Wenn jedoch keine solche Heilung möglich sei, so laute der erste Rat der Kirche, dass jeder der Ehepartner für sich versuchen müsse, seine Lebenskrise zu bewältigen. Er könne sich dazu ganz Gott anvertrauen, so Küng: "Gott kann auch auf krummen Linien gerade schreiben."


Zur Frage der Haltung der Kirche zum Problem der wiederverheirateten Geschiedenen sagte Küng, hier sei zunächst intensiv zu prüfen, ob die erste eingegangene Ehe überhaupt gültig gewesen sei. Denn schaue man genauer hin, so zeige sich laut Küng, dass "die Zahl jener Ehen, die unter Druck und nicht wirklich freiwillig eingegangen wurden, relativ hoch ist".


Wer trotz einer ersten gültigen Ehe eine zweite Verbindung eingehe, der stehe weiterhin unter dem Gebot der Kirche, ein christliches Leben zu führen und um Vergebung zu bitten. Auch diesen Menschen werde die Kirche dann zur Seite stehen, so Küng, auch wenn an der Unauflöslichkeit einer einmal gültig eingegangenen Ehe nicht zu rütteln sei.


Außereheliche Beziehungen: Differenzieren


Kirchliche Vorstellungen von Ehe und Familie werden der heutigen Lebensrealität vieler Menschen in manchen Bereichen nicht gerecht. Zu diesem kritischen Befund kam Johannes Ulz, in der Diözese Graz-Seckau für Ehe- und Geschiedenenpastoral verantwortlich, in seinem Referat.


Als Beispiel nannte Ulz die Tatsache, dass viele Menschen heute erst mit ca. 30 Jahren verbindliche Lebensentscheidungen wie eine Eheschließung treffen. Somit werde in den davor liegenden Jahren des Erwachsenseins ein "riesiger Erfahrungsraum" im Hinblick auf Beziehungen unterschiedlichster Art erschlossen, den die Kirche wertschätzen müsse. Bisher habe sie jedoch vielfach gegenüber 15- bis 30-Jährigen viel "Sprach- und Hilflosigkeit" gezeigt.


Würde man an diese Zielgruppe nur mit Fragen wie "Verletzt sie die Grundüberzeugungen der Kirche von Ehe und Familie?" oder "Lebt sie in ständiger Sünde?" in den Blick nehmen, verstärke sich der Glaubwürdigkeitsverlust nur noch, so Ulz. "Es fehlt eine hilfreiche Sexualmoral für intime Beziehungen außerhalb der Ehe", bedauerte der Fachmann für Ehe- und Geschiedenenpastoral.


Scheidung besser als "Lebenssackgasse"


Eine wichtige Veränderung sei auch die zunehmende Widerrufung von Lebensentscheidungen. Derartige Revisionen seien in heutigen Normalbiographien weit verbreitet - auch Scheidungen.
Ulz wies darauf hin, dass sogar sieben Prozent der kirchlichen Brautpaare bereits eine standesamtlich geschlossene Ehe hinter sich hätten. Weiters sei zu beachten, dass die durchschnittliche Ehedauer von durch Todesfälle beendeten Ehen 45 Jahre betrage - so lange wie noch nie in der Menschheitsgeschichte.


Vor diesem Hintergrund plädierte Ulz für eine neue kirchliche Sichtweise gescheiterter Ehen. "Die Änderung einer Lebensentscheidung nach eingehender Prüfung, eine bewusste und aktive Um- und Neuorientierung des Lebens, ist für viele Menschen heute notwendig, um nicht durch eine Lebenskrise in eine 'Lebenssackgasse' zu geraten", so Ulz wörtlich.


Orthodoxe Tradition hilfreich


Die scholastisch geprägte und als Rechtsinstrument verstandene katholische Ehesicht führe in der Praxis dazu, dass "die pastoralen Hände amputiert" sind, bedauerte Ulz. Er empfahl eine Anlehnung an die orthodoxe Tradition, die Trennungen von Ehepartnern und eine neue Bindung als Möglichkeit vorsieht.
Eine Änderung wünscht sich Ulz auch beim Kommunionsempfang für Wiederverheiratete. Denn "niemand hat das Recht zu beurteilen, ob jemand würdig ist, die Kommunion zu empfangen".


Eine "Entlastung" stelle am kirchlichen Eheverständnis dar, dass die Eheleute nicht das "letzte Heil" vom jeweiligen Partner erwarten müssten und dieser für alles Glück verantwortlich gemacht wird. Gläubigen Paaren sei vielmehr bewusst, dass Gott letzter Bezugspunkt eines geglückten Lebens ist.


Barmherzigkeit ist größer als Schuld


In ihren "biblischen Inspirationen" zum Thema Scheitern und Neuanfang erläuterte die Wiener evangelische Theologin Prof. Susanne Heine das neutestamentliche Verständnis der Ehe: Nach dem Epheserbrief des Paulus sei sie "Zeichen für die Verbundenheit Gottes mit seiner Kirche als Leib Christi". Darin liegen laut Heine die Unauflöslichkeit der Ehe und das Scheidungsverbot begründet. Die Radikalität dieser Sichtweise "kann nicht aufgegeben werden zugunsten der Normativität des Faktischen", warnte Heine vor vorschnellen Zugeständnissen an den jeweiligen Zeitgeist.


Andererseits dürfe der Weg zum Glauben "nicht durch Ausschluss unterbrochen werden". Die Begründung dafür, auch Geschiedene in zweiter Ehe uneingeschränkt am kirchlichen Leben teilhaben zu lassen, liege theologisch gesehen im "zentralen Maßstab" des Christlichen: in der rettenden Barmherzigkeit Gottes. "Diese sichtbar zu machen, ist die Aufgabe der Kirchen", erklärte die evangelische Theologin. Sie berief sich dabei auf das Beispiel Jesu, "der, ohne eine vorausgehende Umkehr zu fordern, mit den in Sünde verstrickten Menschen eucharistische Tischgemeinschaft hält".


Im Glauben an Jesus werde neues Leben möglich, so Heine abschließend: "Auch gegenüber der Einsicht in die Schuld einer gebrochenen Treue hat immer das Rettungswerk Gottes das größere Gewicht."


(KAP)