„Es ist nicht die erste Krise“

Die derzeitige Finanz- und Weltwirtschaftskrise sei nur für jene neu, die die Geschichte nicht kennen, meint der Wiener Nationalökonom Dr. Erich Streissler vor der Vereinigung Christlicher Unternehmer der Diözese St. Pölten im Sommerrefektorium des Bistumsgebäudes. Die Ökonomen vergleichen diese Krise mit den bisherigen. Die jüngste Finanz- und Weltwirtschaftskrise sei nicht die erste, sondern bereits die achte derartige Krise, stellte Streissler fest. Bereits 1720 gab es eine erste größere Krise, die vor allem Frankreich und England betraf, sich aber auch auf andere Staaten stark auswirkte. Die Ursache lag damals im Versuch dieser Staaten, sich von den Staatsschulden zu befreien.


Diesmal liegen die Ursachen der Wirtschaftskrise in einer „massenpsychotischen Überschätzung einer an sich guten Finanzsituation“, wies der Experte hin. Die Investitionen in neue Produkte, etwa dem Technologiesektor wurden bei weitem überschätzt. An sich zu erwartende höhere Erträge fielen dann jedoch dem wachsenden Konkurrenzdruck zum Opfer, so Streissler.
Weiters stiegen die nominellen Werte der Aktien, die Zinssätze fielen jedoch ab. Dabei hätten die Händler durch Kauf und Verkauf der Aktien weiterhin hohe Gewinne gemacht. So seien nicht die Aktionäre die Gewinner gewesen, sondern die Manager, wies Streissler hin: nicht die Eigentümer, sondern die Verwalter seien reich geworden.


Kritik äußerte Streissler an der Politik, die „keine langfristige Finanzmarktstrategie“ erkennen lasse, sondern nur kurzfristig plane. Dies hänge, so der Nationalökonom, mit dem demokratischen System zusammen. Zur Sanierung des riesigen Finanzloches sei aber eine langfristige Wirtschaftspolitik nötig, die von der Politik kaum beachtet werde.
Eine langfristige Wachstumspolitik – wenn auch in bescheidenem Rahmen - könne nur durch Investitionen in neue Technologien, vor allem im Umweltbereich, geschehen. Dies werde aber viel Kapital binden, meint Streissler. Die jüngste Wirtschaftskrise habe jedoch von neuen Innovationen auf diesem Sektor abgelenkt.