„Es ist immer der Hund gestorben“

Als „Optimist“ zeigte sich Bischof Klaus Küng in einem Interview mit der Tageszeitung „Der Standard“. Die Krise der Kirche sei zwar „schmerzhaft“, doch entstehe oft „aus großen Schwierigkeiten eine Fruchtbarkeit“. Küng: „Die Kirche war zwar mindestens 30 Mal am Hund, gestorben ist aber immer der Hund.“
Interview im Wortlaut
Größere Authentizität in der Seelsorge und im kirchlichen Leben sind nach Ansicht von Bischof Klaus Küng die richtigen Wege für einen Neuanfang der Kirche. „Wo die Freude des Glaubens hörbar ist, gibt es auch Anziehungskraft.“ Die Kirche müsse nun offensiv auf die Menschen zugehen, so der Bischof gegenüber dem „Standard“. Ein großes Vorbild sei Papst Johannes Paul II. „Er hat eine Art Mobilisierung in der ganzen Welt erreicht“, sagte Küng. Die Evangelisierung sei aber nicht nur eine Aufgabe der Kirchenführung: „Wichtiger ist, dass jeder einzelne Christ sich verantwortlich fühlt“.


Im Zusammenhang mit kirchlichen Reformdiskussionen zeigte sich Bischof Küng davon überzeugt, dass der Zölibat als Voraussetzung für die Priesterweihe etwas „Wertvolles“ sei: „Es gibt kein stärkeres Zeichen für Gott und für die Liebe zur Kirche als den bewussten Verzicht auf Ehe und Familie“, den ein Priester aus freier Wahl auf sich nehme, betonte Küng.


Bischof Küng bejahte gegenüber dem „Standard“ die Frage nach der Existenz von „homosexuellen Netzwerken“ in der Kirche. „Es kommt einfach vor und ich habe da schon große Sorge“. Wörtlich hielt Küng fest: „Wenn ich feststelle, dass so etwas in einem Kloster oder einem Seminar überhand nimmt, kann ich es nur zusperren.“ Auch sei die Aufnahme in ein Seminar unmöglich, „wenn jemand von Jugend auf tief homosexuell geprägt ist.“


Mit Blick auf die kirchliche Sexualmoral meinte Bischof Küng, „dass auch junge Menschen durchaus empfänglich sind für das sind, was zur wirklichen Liebe führt.“ Und mit Bezug auf das Thema Aids verwies Bischof Küng erneut auf seine früheren Aussagen knapp vor dem Welt-Aids-Kongress, wonach es in Einzelfällen „erlaubt oder sogar geboten“ sein könne, zum Schutz ein Kondom zu verwenden.


Küng: Missbrauchsdebatte wird auch benutzt, um Kirche unter Druck zu setzen


Die Diskussion um die Missbrauchsfälle in Österreich sieht Bischof Küng kritisch. „Wir leben in einer so hoch sexualisierten Gesellschaft. Erotik-Messen, kaum Filme ohne sexuellen Inhalt. Das ist ein Aspekt, der viel zu wenig in der Gesellschaft diskutiert wird – auch wenn Missbrauch natürlich viel komplexere Ursachen hat“, sagte er gegenüber dem „Standard“.


Gleichzeitig warnte Küng vor dem Missbrauch mit dem Missbrauch. Es werde versucht, der Kirche alles zuzuschieben, und die Kirche sei derzeit dazu geneigt, sehr viel Schuld auf sich zu nehmen. Missbrauch sei aber kein Problem der Kirche allein. Andere wiederum meinten, so Küng, sie könnten die Missbrauchsdebatte dazu benutzen, die Kirche unter Druck zu setzen, um auf diesem Weg Reformen einzuleiten. Bestrebungen dieser Art kämen auch aus dem Inneren der Kirche.


Bischof Küng unterstützt die von der österreichischen Bischofskonferenz beschlossenen Maßnahmen zur Verhinderung von sexuellem Missbrauch in kirchlichen Einrichtungen. Die Einrichtung der Opferanwaltschaft unter Leitung der ehemaligen steirischen Landeshauptfrau Klasnic sieht er aber nicht uneingeschränkt positiv. Bischof Küng wörtlich: „Ich schätze Frau Klasnic und respektiere auch die Arbeit der Kommission. Ich gebe aber zu bedenken, dass jede zusätzliche Stelle auch die Aufarbeitung der Fälle verlängert. Wir haben bereits in jeder Diözese eine Ombudsstelle und das ist auch gut so. Es braucht nicht für jede Sache fünf Kommissionen.“


Gegenüber Entschädigungszahlungen für Opfer kirchlichen Missbrauchs ist Bischof Küng vorsichtig. Prinzipiell müsse der Täter dafür aufkommen. Küng sieht die Frage im größeren Zusammenhang: „Wir dürfen jetzt nicht so großzügig die Hände aufmachen und sagen, wir zahlen alles. Damit setzen wir andere Länder, wie etwa Deutschland, unter Druck.“


Interview im Wortlaut