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Ein Seelsorger mit Leib und Seele

Ein etwa zwei mal ein Meter großes Gemälde des Wiener Grafikers und Malers Ernst Degasperi über den am 30 Mai 1940 im KZ Buchenwald ermordeten und 1996 selig gesprochenen Tiroler Priester Otto Neururer hat Bischof Klaus Küng im Rahmen eines Gebetsgottesdienstes am 24. Mai in der Wallfahrtskirche von Maria Dreieichen gesegnet.
Vom 9. bis 24. Mai war in der Basilika eine Sonderausstellung über Otto Neururer auf 20 Schautafeln zu sehen. Ernst Degasperi hat dieses Bild eigens für das Jahr des Priesters geschaffen, um das Wirken Otto Neururers als Vorbild für Priester darzustellen. Neururer habe nie von seinem seelsorglichen Wirken abgelassen, weshalb er auch in das Konzentrationslager Buchenwald und schließlich in den Todesbunker kam, wies Degasperi hin. Auf dem Gemälde ist der Todeskampf Neururers dargestellt: an den Füßen an zwei Fleischhaken aufgehängt, die Hände betend über dem Kopf gehalten. “Während rechts im Bild noch die Macht der Finsternis herrscht, der dunkle Stachel aber Neururer nichts mehr anhaben kann, bricht auf der linken Seite machtvoll das Gelb des Lichtes herein und dringt auf das Antlitz Neururers vor”, schildert Degasperi.
Hubert Stolz vom Verein der Freunde der Wallfahrtskirche Götzens bei Innsbruck, wo die Asche Otto Neururers beigesetzt ist, bestätigt: “Neururer war immer und überall wo er gewirkt hat, Seelsorger mit Leib und Seele”. Als bleibendes Zeichen überreichte er eine Reliquienkapsel mit Asche vom verbrannten Leichnam Neururers.


Es fehlt an Umkehr und Sündenbewusstsein


Otto Neururer sei “ein guter, treuer, solider Seelsorger, schlichter Priester und geradliniger Christ” gewesen, sagte Bischof Küng. Er sei Vorbild, auch wenn man heute in einer anderen Zeit lebe, führte er fort. “Wenn es auch keine Verfolgungen gibt, gerät ein Priester und ein Bischof, wenn er konsequent Stellung bezieht, oft in eine schwierige Situation”, wies Bischof Küng hin. Die Gesellschaft versuche alles zu relativieren. “Wenn ein Priester etwa zur Unauflöslichkeit der Ehe steht, bekommt er Probleme”, sagte er.
Die Folge sei, so Küng, dass es an Umkehr fehle und das Sündenbewusstsein schwinde. Man gehe auf eine Zeit zu, “in der die Kontraste immer schärfer werden”. Gerade in dieser Zeit brauche es gute Hirten, wies er hin. Mit Verweis auf das Bild Degasperis sagte er: “Es ist gut, den Blick auf diesen Priester Neururer zu richten und dabei nicht nur die dunklen, sondern auch die hellen Farben zu sehen”.
Das Bild selbst wird in Maria Dreieichen bleiben und künftig im Raum vor der Beichtkapelle zu sehen sein.


Otto Neururer wurde im kleinen Ort Piller in Tirol geboren und wirkte nach seiner Priesterweihe zuerst in Brixen und später als Pfarrer in Götzens. Weil er einer jungen Frau von der Heirat mit einem geschiedenen, aus der Kirche ausgetretenen, fanatischen Nationalsozialisten abriet, wurde er 1938 verhaftet und ins KZ Dachau, später nach Buchenwald gebracht. Nachdem bekannt geworden war, dass er einem Mithäftling die Taufe gespendet hatte, wurde er gefoltert, bis er nach 34-stündigem Todeskampf starb.
Der Künstler Ernst Degasperi wurde 1927 in Meran geboren und kam 1942 nach Wien. 1952 erhielt er das Diplom der Akademie für Angewandte Kunst in Wien. In den Jahren 1963 bis 2004 entstanden 30 Zyklen mit 545 Bildern und vielen Einzelwerke. Das Bild über Otto Neururer hat der Künstler 2009 geschaffen.