Die Ikonenmalerinnen vom Karmel Maria Jeutendorf

„Das Ikonenmalen entspricht unserer karmelitischen Spiritualität“, sagt Schwester Johanna –seit Kurzem Priorin der Karmelitinnen von Maria Jeutendorf. Dennoch ist es der einzige Konvent in Österreich, in dem sich Schwestern mit der Ikonenmalkunst befassen. Und das schon seit sieben Jahren. Eine Ikone aus Maria Jeutendorf ist etwas Besonderes. Erwachsen aus Gebet und Kontemplation, mit tiefem inneren Gespür und künstlerischem Können vermag es mehr als nur ein Bild aus Farbe und Gold zu vermitteln. Ikonen sind „Fenster zum Himmel“ – so sind sie seit Jahrhunderten geschaffen worden – und so sollen sie auch den Menschen von heute den Blick auf das Wesentliche öffnen.
„Die Ikonen prägen unser Leben und verwandeln es“, weist Schwester Johanna hin. „Das Malen der Ikonen unterstützt uns in unserer Ausrichtung auf Jesus Christus. Jedes Bild fordert so Hingabe und Zeit. Und diese Hingabe und Zeit schenken wir Jesus und Maria, die in der Ikone für uns gegenwärtig sind“. Fünf der zwölf Schwestern des Karmels sind als Ikonenmalerinnen tätig. Es sind dies neben der Priorin die Schwestern Christa, Emanuela, Margarita und Pia. „Uns zieht es mehr zu den Christus-Ikonen, aber die Nachfrage geht eher zu den Marien-Ikonen“, muss die Priorin einräumen. Die Schwestern nehmen auch Aufträge an, „aber es dauert etwa vier Monate, bis eine Ikone fertig ist“, weist Priorin Johanna hin. Für eine kleine Ikone benötigt die Ikonenmalerin mit allen Vorarbeiten bis zu vierzig Stunden – und das in Etappen. Für größere Ikonen entsprechend länger.
Es sei eine Freude für die Schwestern, wenn dieses Zeugnis über die Ikonen aus dem Karmel zu einer Hilfe für das Gebet wird. „Immer wieder hören wir, dass mit einer Ikone auch eine besondere Gegenwart Jesu und Mariens ins Haus eingezogen ist“.


Seit sieben Jahren Ikonenwerkstätte


Die Idee einer Ikonenwerkstätte kam von der damaligen Priorin, Schwester Margarita. Für sie war diese Arbeit ein Herzensanliegen. Vor allem nach einem Ikonenmalkurs bei Abt Otto Strohmayer im Stift Lamprecht hat sie ihre Malkunst verfeinert und perfektioniert. Als Ende der 90-er Jahre der Garten um ein Nachbargrundstück erweitert und dort eine Kapelle errichtet wurde, für die sie eine große Ikone mit der Darstellung der Heiligen Familie und der Dreifaltigkeit gemalt hat.
Erst, als vor sieben Jahren drei Schwestern neu in den Karmel eingetreten sind „hatten wir genügend Potential für eine Ikonenmalwerkstätte“, erzählt Schwester Johanna. Zwei Novizinnen begannen unter Anleitung von der Ikonenmalerin Elfriede Köhler, die Ikonenmalkunst zu erlernen. Heute ist dies eine kleine Einnahmequelle für den Karmel.
Die Ikonen werden aus Büchern und Bildbänden gesichtet. „Plötzlich spricht mich eine Ikone an, die ich malen will“, erzählt Schwester Johanna, selbst Ikonenmalerin, wie eine Ikone zustande kommt. Dann beginnt die Handarbeit: Das Bild auf die entsprechende Größe sowie die Konturen und Linie auf Papier bringen, diese werden dann auf ein vorbereitetes Holzbrett gepaust und dann geritzt. Dieses wurde vorher bereits einige Male mit Kreide und Gelatine bestrichen und glatt geschliffen. Nach dem Ritzen folgt die Goldauflage. Erst dann beginnt das Malen.
Eine Ikone lässt keinen „künstlerischen Spielraum“ – sie muss dem Urbild möglichst gleichen. Und dennoch – „vor allem in den Augen- und Gesichtspartien erkennen wir bei unseren Ikonen sofort, wer von uns Schwestern sie gemalt hat“, weist Schwester Johanna auf kleine Nuancen der Ikonenmalerinnen hin. Das Künstlerische an einer Ikone liegt nicht in der freien Gestaltung, sondern an den genauen Farbtönen, am Rahmen und vor allem am „Gespür für das Schöne, für Harmonie und Einheit“. Die Farben werden stets selbst gemischt – meist frisch aus Eidotter, Essig, Wasser und den Farbpigmenten. Diese Farben behalten Jahrhunderte lang ihre Leuchtkraft.


Man muss sich ganz auf die Ikone einlassen


„Als Ikonenmalerin muss ich mich ganz auf die Ikone einlassen“, weist Schwester Johanna hin. „Ich bereite mich vor auf die Beziehung zu jener Person, die ich als Ikone darstelle“ – auf Jesus, Maria, einen Apostel oder Heiligen. Während dieser Zeit nimmt sie die Ikone mit auf ihr Zimmer. „Ich kann nie sagen, wann sie fertig ist, „es geht Schritt für Schritt“. Um an der Ikone weiter zu arbeiten, muss sie mindestens eine Stunde Zeit zur Verfügung haben. „Sobald die Augen gemalt sind, schaut mich Christus, schaut mich die Madonna an“. Dieser erste Blickkontakt sei bei jeder Ikone ein ganz besonderer Moment, erzählt Schwester Johanna begeistert. Immer, wenn sie an der Ikone weitermalt, beginnt diese Tätigkeit mit einem Gebet. So wächst eine tiefe Beziehung zwischen der Malerin und ihrem Werk.
Ob sie sich von einer Ikone trennen kann? „Man braucht eine Zeit, sich zu verabschieden“, sagte sie. „Aber die Freude überwiegt, wenn eine Person ein Bild gefunden hat, mit dem und vor dem sie beten kann“. Nur von einer ganz gewissen Ikone – der Kreuzigung Christi – würde es ihr besonders schwer fallen, sich zu lösen. „Aber auch hier würde die Freude überwiegen, jemandem geholfen zu haben“, versichert sie.


Die Karmelitinnen von Maria Jeutendorf bevorzugen bei ihrer Ikonenmalkunst die russische Schwemmtechnik, die sie von Elfriede Köhler übernommen haben. Sr. Johanna meint: die griechische Art des Malens erscheine in den Konturen oft etwas hart. Hinter all dem Können sieht sie aber die tiefe karmelitische Spiritualität. „Wir werden verwandelt in das, auf das wir schauen“, sagt sie und verweist auf die Gründerin, die heilige Teresa, die ihren Schwestern für die innere Sammlung beim Gebet ein Bild des Herrn empfohlen hat. Denn „Beten ist nichts anderes als die Begegnung mit einem Freund“.


25 Jahre Karmel


Der Karmel wurde 1985 zum 200. Jubiläumsjahr der Diözese gegründet. Der Wunsch nach einem kontemplativen Orden in der Diözese wurde schon 1972 bei der Diözesansynode geäußert, doch dauerte es noch 13 Jahre, bis acht Schwestern in den Karmel einziehen konnten. Dieser wurde mit großartiger Unterstützung der Katholischen Männerbewegung der Diözese errichtet.
Heute gehören 12 Schwestern dem Karmel an, dessen Hauptaufgabe das Gebet ist. Die Schwestern müssen für ihren Lebensunterhalt selbst aufkommen. Dafür betreiben sie eine Hostienbäckerei und die Ikonenmalwerkstätte.
Dieses Jahr feiert der Kamel von Maria Jeutendorf am Sonntag, dem 19. September sein 25-jähriges Bestehen mit einem Festgottesdienst und einer Vesper mit Altbischof Johann Weber.


Näheres über den Karmel Maria Jeutendorf unter http://cms.karmel.at/index.php?/jeutendorf