„Die Gemeinschaft mit den Priestern fördern“

Eine positive Bilanz des Priesterjahres und des bisher größten Priestertreffens in Rom als dessen Abschluss zog Bischof Klaus Küng bei seiner Rückkehr aus dem Vatikan. Aus der Erfahrung der Gemeinschaft mit tausenden Priestern habe er vor allem eines nach Hause mitgenommen: „Ich will die Gemeinschaft mit den Priestern und der Priester untereinander in unserer Diözese fördern.“ Die Tage in Rom hätten die Freude am Priestertum bestärkt sowie „Mut und Zuversicht“ gebracht.
Interview im Wortlaut
Mit Bischof Küng an der Spitze war eine 90-köpfige Delegation zur Abschlussveranstaltung des internationalen Priesterjahres nach Rom gefahren. Allein aus der Diözese St. Pölten waren über 30 Priester dabei. „Insgesamt waren es Mittwoch und Donnerstag vormittags 12.000 Priester, in der Vigil waren es bereits 15.000 und am Freitag sind nochmals 2.000 dazugekommen“, berichtete Küng. Besonders beeindruckend sei der Abschlussgottesdienst am Petersplatz gewesen, bei dem 15.000 Priester mit dem Papst konzelebrierten. Dabei trugen der Papst und alle Priester das gleiche Messgewand: „Das gab ein starkes Gefühl von Einheit.“


Die Probleme der Kirche in den vergangenen Wochen und Monaten seien laut Bischof Küng dabei nicht spürbar gewesen: „Die Stimmung war sehr positiv, ich habe viele fröhliche Gesichter gesehen. Diese Tage waren eine äußere und eine innere Erholung.“ In den Vorträgen und Predigten sei die Situation in Österreich „kein Thema“ gewesen, so Küng: „Wir sind ja auch nicht der Nabel der Welt.“ Jedoch sei er am Rande der Begegnungen von manchen gefragt worden, „was in Österreich los ist“.


Missionarischer Aspekt als zentrales Anliegen


Trotz sehr unterschiedlicher Lebensverhältnisse habe die Kirche in Europa und anderen traditionell christlichen Ländern gemeinsam mit den Missionsländern „als zentrales Anliegen den missionarische Aspekt“, betonte Küng. In den Vorträgen und Predigten seien daher die tieferen Begründungen des Priestertums und seiner Aufgaben im Vordergrund gestanden. Dies sei auch „die adäquate Antwort auf die Herausforderungen, wie sie sowohl für eine weitgehend säkularisierte, entchristlichte als auch für eine noch nicht evangelisierte Gesellschaft charakteristisch sind.“


Die Diözese St. Pölten selbst habe „mehrere große Anstrengungen unternommen“, um das Priesterjahr gut zu nützen, erklärte Küng. So habe es zahlreiche Wallfahrten, Messen und Veranstaltungen dazu gegeben. In den letzten Monaten habe auch eine Gebetskartenaktion versucht, „möglichst viele Menschen in unserer Diözese spirituell mit den Priestern zu verbinden“.
Andererseits gebe es auch „massive Blockaden und blinde Flecken“, kritisierte Küng: „Manche meinen, das Hauptproblem bestehe darin, dass katholische Priester nicht heiraten dürfen.“ Er könne die Diskussion zwar verstehen, es dürfe jedoch nicht übersehen werden, dass es bei Ehe und Familie ähnliche Probleme gebe.


Trotz allem habe das Priesterjahr dazu geführt, dass mehr für die Priester und für Berufungen gebetet werde. Außerdem sei die eucharistische Anbetung stärker verbreitet worden, die Wallfahrten hätten zugenommen. „Es gibt auch einige Interessenten für den Priesterberuf. Wir dürfen nicht locker lassen“, so Küng. Wer Priester werden wolle, brauche ein intensives geistliches Leben, Vertrauen in Gott sowie Menschen, „die ihn stützen und begleiten“. Wichtig sei weiters die Verwurzelung in einer Gemeinschaft Gleichgesinnter, betonte Küng.


Interview im Wortlaut


Weihbischof Leichtfried: Priestertreffen war Horizonterweiterung


Mit dem Priesterjahr sei "etwas Gutes" geschehen, wenn es mitgeholfen habe, "Bewusstsein für das Priestertum zu schaffen und den Dienst des Priesters für das Christsein jedes Christen zu stärken", sagte Weihbischof Anton Leichtfried in einem Gespräch mit "Kathpress". Auf das Weltpriestertreffen in Rom angesprochen, hob Weihbischof Leichtfried das Erleben der Gemeinschaft sowie der persönlichen Reinigung, Erneuerung und Stärkung hervor. "Was für den einzelnen erlebbar ist, sind eine Horizonterweiterung und eine Perspektivenvergrößerung einfach dadurch, dass jeder so viele Priester mit ganz unterschiedlichen Kontexten, Aufgaben und Stilen erlebe", sagte Leichtfried. Es seien Wallfahrtstage mit einem geistlichen und geselligen Programm. Neben Vorträgen, Festmessen und Anbetungszeiten gebe es viele Möglichkeiten des Austausches und der Begegnung. "Was in Rom immer beeindruckend ist, ist die Erfahrung der Weltkirche", so Leichtfried: "Daheim kommt man sich oft als Priester allein vor. Hier erlebt man, ich bin einer von vielen auch sehr unterschiedlichen Priestern in unterschiedlichen Situationen." Das sei eine Überraschung und wohltuende Relativierung.