Ministrantentag 2019
Bischof beim Minitag 2019
Pfarrfestsaison
Weihbischof Anton Leichtfried bei der Karfreitagsliturgie
Familien
Ferien-Kinderlager
Pilgern im Sommer
 
 

Das „Arbeits-Los“ kann jeden treffen

Der "Tag der Arbeitslosen" am 30. April – dem Vortag zum „Tag der Arbeit“ – macht seit vielen Jahren auf das Thema Arbeitslosigkeit aufmerksam. Über die aktuelle Problematik informierten in einem Pressegespräch in St. Pölten die Berufliche Integration der Caritas St. Pölten, die Betriebsseelsorge, die Katholische Arbeiter/innenjugend (KAJ) und die Kath. Arbeitnehmer/innenbewegung (KAB).
„Fast jeder von uns kennt Menschen, die ohne Arbeit sind, oder war selbst von Arbeitslosigkeit betroffen", sagte Rudolf Dörr-Kaltenberger, Leiter der Beruflichen Integration der Caritas St. Pölten. Der hohe Stellenwert von Arbeit in unserer Gesellschaft habe für Menschen, die arbeitslos oder von Arbeitslosigkeit bedroht sind, enorme Auswirkungen.
Am Aktionstag wurde in der St. Pöltener Fußgängerzone von den Mitarbeitern der Beruflichen Integration der Caritas, der KAB und der KAJ „Arbeits-Lose“ verteilt. Der jeweilige Gewinn war ein „Arbeitsplätzchen“ und die Möglichkeit zur Beratung beim Informationsstand. Denn „Arbeitslosigkeit ist mehr denn je auch eine Frage des Loses, das einem das Leben zuweist, und das aus eigener Kraft nur bedingt veränderbar ist“, wie Dörr erklärte. Die Aktion der Beruflichen Integration fand in allen Bezirksstädten statt.


Betriebsseelsorger Sieder: Wirtschaftswachstum ist „Turmbau zu Babel“


Als Rezept gegen Arbeitslosigkeit, werde immer wieder das Ankurbeln des Wirtschaftswachstums genannt, sagte Franz Sieder, Betriebseelsorger in Amstetten und geistlicher Assistent der KAB: „Das kann nicht die einzige Antwort sein, denn Arbeit ist nicht Selbstzweck sondern ist dazu da, die Bedürfnisse der Menschen zu erfüllen.“ Das Wirtschaftswachstum sei ein „Turmbau zu Babel“, der zwangsläufig zusammenbrechen müsse, betonte Sieder.
Der Betriebsseelsorger Sieder trat für eine „radikale Verkürzung der Arbeitszeit auf 30 Wochenstunden“ ein und forderte, die vorhandene Arbeit gerecht aufzuteilen. Alleine der Abbau von Überstunden würde bereits zahlreiche neue Arbeitsplätze schaffen. Sieder: „Es ist unlogisch, dass die einen krank werden wegen zu viel Arbeit, die anderen durch keine oder zu wenig Arbeit.“
So wichtig die Unterstützung und Förderung der Arbeitssuchenden durch kirchliche Einrichtungen sei, gelte es jedoch, nicht nur zu helfen, so Sieder, sondern die „Strukturen der Sünde“ in der Wirtschaft zu verändern. Die Kirche trete für „Gerechtigkeit aufgrund der katholischen Soziallehre“ ein.


Arbeitslosigkeit – Armut – Krankheit


„Arbeitslosigkeit und Armut sind eng miteinander verbunden“, betonte Dörr-Kaltenberger. Diese beiden Faktoren erzeugten zusätzlichen Stress, machten krank, einsam und raubten die Zukunftsperspektiven. Viele Menschen hätten zwar eine Teilzeitarbeit, das Gehalt liege jedoch meist unter der Armutsgrenze.
Das Risiko, von Arbeitslosigkeit betroffen zu sein sei dabei für Menschen mit Behinderungen besonders hoch, so Dörr: „95% der Menschen mit Behinderungen haben maximal einen Lehrabschluss.“ Die Berufliche Integration der Caritas St. Pölten forderte daher mehr Arbeitsplätze für Menschen mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen, mehr Ausbildungsplätze für Menschen mit Behinderungen, eine konstante Förderlandschaft, damit Integration gelingen kann, sowie eine abgesicherte Finanzierung für Einrichtungen, die Beratung und Begleitung für Menschen mit Behinderungen anbieten.


Die Caritas der Diözese St. Pölten bietet durch die Dienste der Beruflichen Integration seit 1996 Menschen mit psychischen Erkrankungen und Lernschwierigkeiten Unterstützung bei ihrer beruflichen Lebensplanung und deren Umsetzung. Auch das „Netzwerk der Solidarität“ der Katholischen Aktion unterstützt Arbeitslose auf der Suche nach Arbeitsplätzen. „Wenn du wegen eines Jobs nicht mehr weiter weißt, dann geh’ zum Netzwerk.“ Dieser Tipp wird sogar vom AMS an Arbeitsuchende weitergegeben. Mit Hilfe des Netzwerkes haben in den vergangenen zwölf Jahren über 1.500 Menschen einen Arbeitsplatz gefunden.


Jugendliche besonders stark von wachsender Arbeitslosigkeit betroffen


Auch für Jugendliche sei die Situation am Arbeitsmarkt „immer noch brisant“, wie Martina Hochedlinger von der KAJ aufzeigte. Die Zahl der jugendlichen Arbeitslosen ist seit Beginn der Wirtschaftskrise um 45% gestiegen – Jugendliche, die eine Lehrstelle suchen, sind dabei noch nicht berücksichtigt. In Österreich klaffe eine Lücke von 1.300 Lehrstellen, so Hochedlinger: „Immer weniger Betriebe bieten Ausbildungsplätze an.“ Deswegen nehmen die betroffenen Jugendlichen „irgendeine Arbeit“ an, meist als Hilfsarbeiter, wodurch sie in der Folge keine Qualifikationen erwerben. „Die Jugendlichen brauchen einen Arbeitsplatz, wo sie Wertschätzung erfahren und ihre Fähigkeiten einsetzen können“, forderte Hochedlinger.


Foto: Franz Sieder, Betriebsseelsorger und geistlicher Assistent der Katholischen Arbeitnehmer/innenbewegung; Martina Hochedlinger, Katholischer Arbeiter/innenjugend; Rudolf Dörr-Kaltenberger, Berufliche Integration Caritas St. Pölten; Leopoldine Kräftner, Netzwerk der Solidarität; Erwin Burghofer, Katholische Arbeitnehmer/innenbewegung (v.l.n.r.)