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Bischof Küng: "Fristenregelung ist und bleibt tiefe Wunde der Gesellschaft"

Die ablehnende Haltung der Kirche zur Fristenregelung hat Bischof Klaus Küng bekräftigt. In einem "Kathpress"-Interview hielt der Bischof - er ist in der Österreichischen Bischofskonferenz für Familienfragen zuständig - wörtlich fest: "Die Fristenregelung ist und bleibt - wie Kardinal König gesagt hat - eine tiefe Wunde in unserer Gesellschaft." Zugleich wies der Bischof Forderungen nach einer von den Krankenkassen bezahlten Abtreibung sowie nach Streichung der Abtreibung aus dem Strafgesetz vehement zurück.
Stellungnahme im Wortlaut
In der Frage der Abtreibung ginge es nicht nur um den Schutz des Lebens von noch nicht geborenen Kindern sondern auch um die Würde der Frau und des Mannes, so Bischof Küng: "Wenn die Kirche mehr gehört würde, gebe es nicht nur viel weniger Abtreibungen sondern auch viel mehr gelungene Beziehungen."


Es fehlten heute nicht nur die Kinder, die in den vergangenen 35 Jahren abgetrieben wurden, sondern es würden auch viele Frauen und Männer unter dem Geschehenen leiden. Jeder Seelsorger wisse "wie sehr Abtreibungen das Gewissen belasten". Auch Ärzte könnten davon erzählen, wie schwer die seelische Verarbeitung solcher Geschehnisse sein kann.


Küng: "Die Kirche wird nie aufhören, daran zu erinnern, dass ab dem Augenblick der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle davon auszugehen ist, dass das ein Mensch ist, der heranwächst, und dass das Gebot Gottes gilt: Du sollst nicht töten."


Gegen falsche Sexualaufklärung


Scharf kritisierte der Bischof auch eine verkürzte Sexualaufklärung, "die nur zwei Gefahren kennt, nämlich Aids und eine unerwünschte Schwangerschaft". Eine solche Aufklärung, wie sie vielfach angeboten und auch an Schulen unterrichtet werde, richte großen Schaden an. Küng: "Sexualität wird verantwortungslos gelebt, Frauen schlucken Hormone, als wäre es ein Aspirin. Auch als Arzt sage ich: Das kann nicht gut gehen."


In der Sexualerziehung müsse es darum gehen, die Fähigkeit zu tragfähigen, dauerhaften Beziehungen zu entwickeln. Geschlechtsverkehr sollte Ausdruck einer gegenseitigen, ganzheitlichen Liebe zwischen Mann und Frau sein, "Ausdruck einer gegenseitigen Ganzhingabe, die auch offen ist für die Frucht einer solchen großen Liebe". Das setze voraus, "dass man sich so gut kennen und lieben gelernt hat, dass man sich binden will", so Küng: "Die Kirche lehrt, dass Geschlechtsverkehr in die Ehe gehört. Man wird zwar heutzutage ausgelacht, wenn man das weiterhin sagt. Wahr ist es trotzdem."


Forderungen nach einer Streichung der Abtreibung aus dem Strafgesetz wies der Bischof zurück. Vielmehr wies er auf bestehende Defizite der derzeitigen gesetzlichen Regelung hin: Durch die Straffreiheit der Abtreibung seien alle Kinder vor der gesetzlich festgelegten Frist, "behinderte" Kinder und solche, deren Mutter noch nicht das 14. Lebensjahr vollendet hat, bis zur Geburt schutzlos.


Bei der Streichung der Abtreibung aus dem Strafgesetz entstünde überdies die Gefahr, dass Ärzte und Krankenpersonal sowie Apotheker unter schweren Druck geraten könnten, wenn sie nicht dazu bereit seien, eine Abtreibung durchzuführen oder die "Abtreibungspille" (Mifegyne) abzugeben. Aber auch für schwangere Frauen, die schon jetzt nicht selten seitens des Partners, manchmal sogar seitens der eigenen Eltern zur Abtreibung gedrängt werden, werde der Druck dann sicher noch größer.


Er halte es dagegen für notwendig, darüber nachzudenken, wann endlich alle sogenannten "flankierende Maßnahmen" umgesetzt werden. Küng sprach sich für die Einführung einer bis zu siebentägigen verpflichtenden Überlegungsfrist vor Durchführung einer Abtreibung aus. Weiters müssten Beratung gefördert und Ärzte verpflichtet werden, darauf hinzuweisen. Auch statistische Erfassungen und Motivforschungen bei Abtreibung müssten endlich umgesetzt werden.


Küng: "Außerdem halte ich es für dringend notwendig, dass alle Verantwortungsträger aus dem Dornröschenschlaf unserer Wohlstands- und Vergnügungsgesellschaft erwachen und seriöse Konzepte entwickeln, die die Familie auf der Grundlage der Ehe zwischen Mann und Frau gezielt fördern, insbesondere kinderreiche Familien mit drei und mehr Kindern."


Belästigungen vermeiden


Zur Diskussion über Schutzzonen vor Krankenhäusern und Kliniken, die Abtreibungen durchführen, meinte der Bischof, er verstehe nicht, warum ein Beratungsangebot in der Nähe einer Abtreibungspraxis nicht statthaft sein soll. Er halte auch nicht die Abbildung eines Embryos für einen Verstoß gegen die guten Sitten. Zugleich bitte er die Lebensschützer, die solche Beratungen anbieten und die auf die Folgen von Abtreibung hinweisen, "alles zu vermeiden, was eine Belästigung sein oder als solche missverstanden werden könnte". Wenn in dieser Beziehung in der Vergangenheit manchmal Grenzen überschritten wurden, "dann vielleicht deshalb, weil es bei einer Abtreibung um das Leben eines Menschen, nämlich des Kindes, geht".