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Bischöfe bekräftigen Nein zu Sparplänen bei Familien

1. Staatshaushalt und Zukunftsthemen
2. Maßnahmen gegen Gewalt und sexuellen Missbrauch
3. Verfolgte Christen im Nahen und Mittleren Osten
4. Solidarität mit Bischof Erwin Kräutler
5. Personalia
Die Presseerklärung im WortlautÖsterreichs Bischöfe haben ihr Nein zur Sanierung des Staatshaushaltes auf Kosten der Familien bekräftigt. Es sei unbestritten, "dass der Staatshaushalt saniert werden muss, damit nicht zukünftigen Generationen eine erdrückende Schuldenlast aufgebürdet wird", heißt es in einer Presseerklärung der Bischofskonferenz zum Abschluss ihrer Herbstvollversammlung im Stift Heiligenkreuz. Fraglich bleibe aber, ob die aktuellen Budgetpläne der Bundesregierung die richtigen Akzente setzen. Kritik wird dabei auch an den geplanten Einsparungen bei den Entwicklungshilfeleistungen geübt.


Die Bischöfe lehnen die geplanten Änderungen im Familienlastenausgleichsgesetz (FLAG) ab und betonen, es bleibe eine Forderung der Kirche, dass die Leistungen von Familien, speziell von kinderreichen, für die Gesellschaft angemessen vergütet werden müssten. "Wenn die Politik gerade bei kinderreichen Familien Leistungen kürzt, setzt sie angesichts der demografischen Entwicklung und Überalterung der Gesellschaft falsche Prioritäten und die Zukunft aufs Spiel. Daher lehnen die Bischöfe den Wegfall des Mehrkinderzuschlags und jede Verschlechterung in diesem Bereich ab", so die Stellungnahme.


Weiters seien alle geplanten finanziellen Schlechterstellungen von Behinderten bzw. von Eltern mit behinderten Kindern "sozial völlig ungerechtfertigt". Abzulehnen sei auch die geplante Herabsetzung der Familienbeihilfe von 26 auf 24 Lebensjahre.


1.142 Personen kontaktierten kirchliche Ombudsstellen


Die kirchlichen Ombudsstellen für Opfer sexuellen Missbrauchs sind seit Jahresbeginn von insgesamt 1.142 Personen kontaktiert worden. Das haben die österreichischen Bischöfe in ihrer Pressemitteilung bekanntgegeben. Nicht wenige dieser Kontakte hätten sich gleichzeitig auch an die von Waltraud Klasnic geleitete Unabhängige Opferschutzanwaltschaft gewendet, bei der bisher 652 Menschen Hilfe suchten. Die Zahl mutmaßlicher Fälle von Missbrauch und bzw. oder Gewalt sei allerdings niedriger als die Gesamtzahl der 1.142 Kontakte: Nach Ausschluss von Mehrfachmeldungen habe sich bis zum jetzigen Zeitpunkt bei 511 Personen der Verdacht des Missbrauchs oder der Gewaltanwendung erhärtet.


"Bei 54 Prozent geht es um sexuellen Missbrauch, 33 Prozent sind Fälle von Gewalt und 13 Prozent sind mutmaßliche Opfer von Gewalt und sexuellem Missbrauch", heißt es in der Mitteilung.


Zeitlich gesehen haben sich laut Bischofskonferenz 50 Prozent aller Fälle vor mehr als 40 Jahren ereignet, 46 Prozent betreffen den Zeitraum von 1971 bis 1992 und bei vier Prozent - also bei 20 von insgesamt 511 Personen - ist eine strafrechtliche Relevanz "sehr wahrscheinlich". Um keinesfalls eine strafrechtliche Relevanz zu übersehen, seien von kirchlicher Seite dennoch 106 Fälle - das sind 20,7 Prozent - zur Anzeige gebracht worden.


Über die von der Bischofskonferenz eingerichtete "Stiftung Opferschutz" wird bereits seit einigen Wochen die freiwillige finanzielle Hilfe der Kirche an die Opfer ausbezahlt; Grundlage sind die bisher 58 von der Unabhängigen Opferschutzkommission unter dem Vorsitz von Waltraud Klasnic positiv entschiedenen Entschädigungszahlungen.


Bischöfe besorgt über Christenverfolgung durch Islamisten


Ihre Sorge über die Verschlechterung der Situation für Christen im Nahen und Mittleren Osten bzw. dort, "wo eine islamistisch motivierte Politik im Vormarsch ist", haben die österreichischen Bischöfe in ihrer Erklärung geäußert. Im einzelnen erwähnen sie dramatische Ereignisse im Irak und in Pakistan.


"Das jüngste blutige Attentat auf Christen, die in einer Kirche in Bagdad zum Gottesdienst versammelt waren, hat einmal mehr die dramatische Situation der Christen im Irak vor Augen geführt. Die Lebensverhältnisse für Christen in den Ländern des Nahen und Mittleren Ostens haben sich so weit verschlechtert, dass es in einigen Ländern bereits um das Überleben christlicher Gemeinden geht", heißt es in der Erklärung der Vollversammlung des Episkopats.


Alternativnobelpreisträger Bischof Kräutler gewürdigt


Die Bischöfe würdigten auch den aus Österreich stammenden Bischof Erwin Kräutler, der für sein Lebenswerk im Dienste der Menschenrechte der indigenen Völker Brasiliens und für seinen unermüdlichen Einsatz für den Schutz des Amazonasgebietes mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet wird. Man freue sich mit Bischof Kräutler, der als Präsident des Indianermissionsrates der Bischofskonferenz Brasiliens (CIMI) "Sprachrohr und Anwalt der Indianer Brasiliens ist".


Wiener Priester Schipka wird Generalsekretär


Die österreichischen Bischöfe haben ihren neuen Generalsekretär bekanntgegeben: Peter Schipka übernimmt das Amt im Frühjahr 2011 vom derzeitigen Generalsekretär der Bischofskonferenz, dem Eisenstädter Diözesanbischof Ägidius Zsfikovics. Der designierte Generalsekretär ist Priester der Erzdiözese Wien und Moderator der Pfarre Rodaun in Liesing. Weiters wurde der Wiener Erzbischof, Kardinal Christoph Schönborn, für eine weitere sechsjährige Amtszeit zum Vorsitzenden der Bischofskonferenz wiedergewählt.


Die Presseerklärung im Wortlaut