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Beziehung leben zwischen Ideal und Wirklichkeit

In diesen Tagen kommen die bestehenden Probleme in Kirche und Gesellschaft recht deutlich zur Sprache. Es ist unübersehbar, dass einige Aussagen des kirchlichen Lehramtes in den letzten Jahrzehnten jedenfalls bei uns nur sehr wenig, bis gar nicht greifen. Nicht nur das. Einige dieser Aussagen lösen Kritik und Widerspruch aus und werden sogar als Hindernis für die Annäherung an die Kirche betrachtet. Wenn ich das jetzt sage, ist das kein Vorwurf.


Es ist wahr: Das Verständnis der Kirche von Ehe und Liebe, auch von Sexualität hat im vergangenen Jahrhundert durch den personalen Ansatz eine große Wandlung und Vertiefung erfahren. Es wurde dadurch ein Denkprozess angestoßen, der viele, das praktische Leben betreffende Auswirkungen mit sich bringt, und ich nehme an, dass dieser Denkprozess noch immer nicht zur Gänze abgeschlossen ist. Die menschliche Liebe als geschöpflicher Abglanz der göttlichen, die Familie mit ihrem hochzeitlichen Geheimnis – die Verschiedenheit von Mann und Frau, die Einheit der beiden im Fleisch und ihre Fruchtbarkeit – als eine Wirklichkeit, die ihre tiefste Erklärung im dreieinigen Gott findet. Das sind neue Wege zur Erschließung dessen, was den tiefsten Sinn des menschlichen Lebens ausmacht.


Zugleich leben wir heute in einer total erotisierten Gesellschaft und sind mit einer Banalisierung und Instrumentalisierung der Sexualität konfrontiert, die in der Geschichte der Menschheit fast ohnegleichen sind. Die Folgen sind entsprechend. Inzwischen haben wir zuwenig Kinder und die Nöte unter den Jugendlichen und im allgemeinen Bereich Beziehungen sind groß. Die Empfänglichkeit für das Religiöse ist nachlassend, auch wenn es zugleich große Sehnsüchte gibt.


Viel wird bei uns getan für Ehevorbereitung, Jugend, Familie, aber es gibt ein paar Knackpunkte, die der Klärung und Verbesserung bedürfen. Das erste ist die Gottesfrage, von ihr nicht zu trennen sind die Beziehungen zu den anderen und zu sich selbst. Es gibt eine Reihe v on Tugenden, die notwendig sind. Dazu gehört auch, ich spreche das unpopuläre Wort einfach aus, die Tugend der Keuschheit, ohne die ein geistliches Leben nicht möglich ist.


Überzeugt bin ich auch: eines ist, dass wir die bleibenden Werte (die Gebote Gottes) hochhalten müssen, etwas anderes – fast ebenso wichtig -, dass wir verkünden müssen: Gott ist ein Vater, der vergibt. Wir müssen sehr nahe bei den Menschen sein, wenn wir ihnen helfen möchten, den Weg zu Gott zu finden.


Im Übrigen haben wir, wie wir gestern gehört haben, weiterhin eine große Zahl von Familien, die intakt sind. Wenn es uns gelingt, ihnen beizustehen, den Glauben in den heutigen Verhältnissen zu leben, dann haben wir ein großes Potential für die Erneuerung der Kirche. Auch unter den Jugendlichen gibt es nicht wenige, die ansprechbar sind, ja ich vermute, dass es sehr viele sind, wenn wir die richtigen Wege finden.


Wenn Sie mich also noch einmal fragen, wie man Beziehungen leben kann zwischen Ideal und Wirklichkeit, antworte ich mit einem Wort Benedikts XVI., das er 2006 bei einer Audienz für den Päpstlichen Rat für die Familie gesagt hat: „In der heutigen Welt, in der so manche fragwürdige Auffassungen vom Menschen, von der Freiheit, von der menschlichen Liebe Verbreitung finden, müssen wir unermüdlich immer wieder die Wahrheit über die Institution der Familie aufzeigen, so wie Gott sie vom Augenblick der Schöpfung an gewollt hat. Bedauerlicherweise steigt die Zahl der Trennungen und Scheidungen, die die Einheit der Familie zerstören und für die Kinder, die unschuldigen Opfer dieser Situationen, nicht wenige Probleme mit sich bringen. Ganz besonders gefährdet ist heute die Stabilität der Familie. Um sie zu bewahren, ist es häufig notwendig, gegen den Strom der vorherrschenden Kultur zu schwimmen, was Geduld, Anstrengung, Opferbereitschaft und unermüdliches Bemühen um gegenseitiges Verstehen erfordert. Aber auch heute ist es den Eheleuten möglich, die Schwierigkeiten zu überwinden und ihrer Berufung treu zu bleiben, indem sie im Gebet und vor allem in der eifrigen Teilnahme an den Sakramenten, vor allem der Eucharistie, den Beistand Gottes suchen. Die Einheit und Festigkeit der Familien hilft der Gesellschaft, wahre menschliche Werte aufzunehmen und sich dem Evangelium zu öffnen.“ Diese Worte scheinen mir das Wesentliche recht gut zusammenzufassen.