Archäologische Überraschung am Domplatz St. Pölten

Mehrere Mauerzüge des spätmittelalterlichen Klosters von St. Pölten wurden bei den archäologischen Grabungsarbeiten am Domplatz in St. Pölten entdeckt. Dies ist umso erstaunlicher, da diese Mauern aus dem Georadarbild nicht ersichtlich waren und man bislang annehmen musste, dass das damalige Kloster aus dem 15. Jahrhundert nicht in den heutigen Domplatz hineinreichte. Nach erstem - vorläufigem - Befund lassen sich bereits zwei Bauphasen feststellen, erklärte Ausgrabungsleiter Dr. Ronald Risy. Wie vermutet, sind bereits knapp unter der Asphaltdecke zahlreiche Bestattungen zutage getreten. Dies auch deshalb, weil im 19. Jahrhundert der gesamte Domplatz mehrmals abgesenkt wurde. Fast 800 Jahre hindurch befand sich auf dem Areal des heutigen Domplatzes der Friedhof der Stadt. Man vermutet 20.000 bis 30.000 Bestattungen. Aus Pietätsgründen werden die Gebeine nach archäologischer und anthropologischer Untersuchung in einem Sammelgrab am städtischen Friedhof wieder beigesetzt.


„Im Masterplan ist die Neugestaltung des Domplatzes ein erklärtes Ziel“, verweist Bürgermeister Mag. Matthias Stadler auf die Stadtentwicklung. Die beabsichtigte Neugestaltung des Platzes setzt eine Erneuerung des Unterbaus und der Einbauten voraus, erklärt Stadler.
Einzigartig sei auch, dass ein historischer Friedhof in dieser Dimension wissenschaftlich begleitet aufgelassen und jeder Fund dokumentiert wird. Die Aufarbeitung der Geschichte des Domplatzes sei „ein wichtiger Faktor für das Image einer Stadt“, sagt der Bürgermeister und erhofft sich auch von der Bevölkerung eine rege Anteilnahme an diesen Grabungen.
So wird die Grabungsstätte nicht durch Planken angeschirmt, sondern durch Gitterzäune abgetrennt. Außerdem finden jeden Freitag um 13 Uhr kostenlose Führungen durch die Ausgrabungen statt, damit die Bevölkerung „die Archäologie als Sichtfenster in die Vergangenheit“ nutzen kann.