"Wunschmedizin" nimmt zu

Immer mehr Menschen tendieren zur „Wunschmedizin“, sich nach bestimmten Schönheitsidealen umgestalten zu lassen, warnte die ehemalige Leiterin der Medizinischen Universität Innsbruck, Dr. Hildegunde Piza bei einem Vortrag des Katholischen Bildungswerkes in der Landeslandwirtschaftskammer Niederösterreich in St. Pölten. Dahinter stehe ein von Medien verbreitetes und nicht mehr realistisches Schönheitsideal, dem immer mehr junge Menschen unterliegen, meint Piza. Bei derartigen Eingriffen, so die Chirurgin, werde die gesamte Befindlichkeit des Menschen nur mehr rein technisch verstanden. Krankheit und Gesundheit verlieren dabei jegliche geistige Dimension. Piza verlangte, dass sich „verantwortungsvolle Ärzte“ mit der Problematik der Wunschmedizin auseinanderzusetzen hätten.


Operative Heileingriffe dienen der Verbesserung von Lebensqualität und der Verhinderung von Schäden, etwa bei zu großer Brust, wies sie auf die positive Zielsetzung derartiger Operationen hin. Auch bei Kindern mit Fehlbildungen an den Händen hatte die Ärztin durch operative Eingriffe geholfen, dass diese mit ihren Gliedmaßen die Welt „begreifen“ konnten. Prominentester Patient von Prof. Piza war das „Bombenopfer“ Theo Kelz, an dem die Chirurgin vor neun Jahren eine beidseitige Hand- und Unterarmtransplantation mit Erfolg durchgeführt hat.
Bei rein ästhetischen Eingriffen jedoch, so Piza, gehe es aber ausschließlich um die Verbesserung einer optischen Erscheinung. Und diese richte sich nur nach dem jeweiligen Zeitgeschmack. So hätten im vergangenen Jahr in England die Operationen für Brustvergrößerungen bei Mädchen unter 18 Jahren gewaltig zugenommen. Die renommierte Ärztin stellte die Frage, ob alle genau abwägen würden, dass die angestrebte Verbesserung auch das vorhandene Operationsrisiko ausgleiche.


Anhand beeindruckender Bilder und Fallbeispielen zeigte die Expertin eindrucksvoll auf, dass derartige Schönheitsoperationen nicht zu unterschätzende Risken in sich bergen. Ein verantwortungsbewusster Arzt dürfe daher nicht jedem Wunsch seiner Klienten entsprechen.


„Das Schönheitsideal ist in unserer Zeit stark von den Medien geprägt“, so Bischof Küng nach dem Vortrag. Es gebe aber „eine von innen her kommende Schönheit, die zu Selbstannahme und zur Hinwendung zum Anderen führt und in Liebe sein Personsein wahrnimmt“, führte er aus und fügte hinzu: „Es erfüllt mich mit Hoffnung und Zuversicht, dass es auch heute wissenschaftlich hochqualifizierte und zugleich von einem hohen ärztlichen Ethos getragene Ärzte wie Frau Prof. Piza gibt.“