„Wo es Unterschiede gibt, dort braucht es Einheit“

Gläubige und Vertreter von vier christlichen Konfessionen feierten und beteten gemeinsam unter dem Motto „... damit die Welt glaubt“ beim traditionellen Ökumenischen Pfingstgottesdienst am Pfingstmontag im Dom von St. Pölten. In den Lesungen, Predigten und Gebeten kam der Wunsch nach Einheit unter allen Christen zum Ausdruck. Einheit bedeute jedoch nicht Gleichheit, betonte Pastor David M. Baptist von der Freien Christengemeinde in seiner Predigt: „Nicht wo Uniformität herrscht, sondern gerade wo es Unterschiede gibt, dort braucht es Einheit.“
Einheit bedeute vor allem, einander nicht als Konkurrenten zu sehen, sondern „in Respekt und Würde miteinander umzugehen“, so der Pastor. Alle Christen sollten vermehrt darauf achten, dass ihr „Reden und Handeln übereinstimmen“, nur dann sei ihr Zeugnis für die Welt glaubwürdig.


Der Heilige Geist, der zu Pfingsten ausgegossen werde, sei die Liebe zwischen dem Vater und dem Sohn, erklärte Dompfarrer Norbert Burmettler. Nur diese Liebe könne auch alle Gläubigen untereinander verbinden. Der Heilige Geist lasse sich zwar nicht „beweisen“, wie Organisator Walter Wenzel von der „Charismatischen Erneuerung“ ausführte, er sei jedoch erfahrbar. Dafür sollten die Christen aller Konfessionen ein „lebendiges Zeugnis sein, damit die Welt glaubt“.


Einheit könne nicht durch das Studium der Theologie gefunden werden, sagte Gilgian Oester, da „Einheit eine Beziehungsfrage“ sei. Dabei gehe es jedoch nicht um Gleichheit, betonte der Kurator der evangelischen Pfarrgemeinde Melk/Scheibbs. Die Vielfalt sei durchaus notwendig, „so wie wir zu verschiedenen Menschen ganz unterschiedliche Beziehungen pflegen“. Auch könne die Einheit in dieser Welt noch nicht vollkommen sein, so Oester: „Wir sind alle noch unterwegs.“


Am Ökumenischen Pfingstgottesdienst nahm auch der Pfarrer der evangelischen Pfarrgemeinde St. Pölten, Daniel Vögele, teil, der den Bußteil leitete. Dr. Nicolae Dura, Bischofsvikar der rumänisch-orthodoxen Kirche war wegen eines Patriarchenbesuches in München verhindert.


Foto: Pfarrer Daniel Vögele, Dompfarrer Norbert Burmettler, Pastor David M. Baptist, Kurator Gilgian Oester (v.l.n.r.)