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Wo der Glaube erwacht, entstehen Werke der Nächstenliebe

„Wo der Same des Glaubens ausgesät wird, entstehen überall Werke der Nächstenliebe“, sagte Bischof Klaus Küng beim Gottesdienst zur jährlichen Elisabethfeier der Caritas im Bildungshaus St. Hippolyt in St. Pölten. Sobald der Glaube erwache, entstehe das Bedürfnis, den Armen zu helfen. Die hl. Elisabeth von Thüringen, die ihr Leben radikal in den Dienst der Armen und Notleidenden stellte, ist Patronin der Caritas.
Bei der Caritas-Arbeit sei es „das Wichtigste, die Quelle zu haben, aus der wir Kraft schöpfen“, betonte Bischof Küng. Die hl. Elisabeth habe eine besondere Beziehung zu dieser Quelle, der heiligen Eucharistie gehabt. Die Mitarbeiter der der Caritas seien „im Großen und Ganzen fröhliche Menschen“, bemerkte Küng: „Wer sich selbst verschenkt, wird erfahren, dass er selbst reich beschenkt wird.“ Da die Liebe „das Entscheidende und Grundlegende“ sei, gelte es mit Blick auf Gott und die Menschen zu tun, „was uns möglich ist“. Dabei gehe uns Gott immer voraus, so Küng, „denn er hat uns zuerst geliebt“.


„Der erste natürliche Wohlfahrtsverband ist die Familie“, erklärte Prof. Dr. Klaus Baumann, Direktor des Bereiches Caritaswissenschaft an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, beim anschließenden Festvortrag. Bei aller Förderung für Pflegeeinrichtungen dürfe nicht vergessen werden, dass zwei Drittel der alten Menschen zu Hause, und davon wiederum zwei Drittel von (meist weiblichen) Familienangehörigen gepflegt werden. Daher dürfe die Unterstützung für diese Familien „nicht vergessen“ werden, wie Baumann betonte.


Der demographische Wandel sei eine der größten Herausforderungen für die Zukunft. So werde sich der Anteil der Hochbetagten bis zum Jahr 2050 verdreifachen, prognostizierte Baumann. Auf diese Entwicklung müsse die Caritas mit der Weiterentwicklung der mobilen Pflegedienste, von Nachbarschaftshilfe und Begegnungszentren reagieren. Baumann betonte jedoch, dass der Aufbau einer gerechten Ordnung von Gesellschaft „nicht Aufgabe der Kirche, sondern der Politik“ sei. Der Beitrag der Kirche sei es, mithilfe der katholischen Soziallehre zu „klären“.


Baumann ging ausführlich auf die Enzyklika „Deus caritas est“ ein, die er mit einem Zitat Papst Benedikts XVI. zusammenfasste: Es gehe nicht um ein kirchliches Profil der Caritas, sondern um ein Caritas-Profil der Kirche. Der Agape, die Gott selbst ist, müsse die Agape der Kirche entsprechen.


Foto: Prl. Mag. Franz Schrittwieser, geistlicher Rektor der Caritas St. Pölten, Dr. Gerhard Reitzinger, geistlicher Leiter der Pastoralen Dienste, Prof. Dr. Klaus Baumann, Weihbischof Dr. Anton Leichtfried, Diözesanbischof DDr. Klaus Küng (v.l.).