Wenn die Hand zum Ohr und Mund wird …

Für einen Zaungast war in dieser Woche fast alles anders. Auch die Geburtstagsfeier für Michael – ohne das sonst beinahe unverzichtbare „Happy Birthday …“ und ohne Beifall-Klatschen. Aber das Geburtstagskind strahlte und schnitt natürlich selbst seine Torte an. Heinz Kellner, Leiter des Blindenapostolates St. Pölten kam mit berührenden Erlebnissen und Eindrücken von der Taubblinden-Freizeit- und Begegnungswoche aus Innsbruck nach Hause. „Großartiges haben vor allem auch die Begleiter geleistet“, zollte Kellner der Gruppe höchstes Lob. Ständig Kontakt halten, den Taubblinden das gesprochene Wort durch Symbole in die Hand zu zeichnen, erfordert Konzentration und Anstrengung.
„Dennoch zogen sich gute Stimmung und eine große Aufgeschlossenheit durch die ganze Woche“, bestätigt Gerlinde Gregori, vom Deutschen Katholischen Blindenwerk. Bei ihr liefen alle Fäden zusammen, von der Programmerstellung bis zur Abwicklung. Keine einfache Sache bei den unterschiedlichen Voraussetzungen der 23 hör-, seh- und mehrfach behinderten Teilnehmer aus Deutschland, der Schweiz und Südtirol sowie ihrer Begleiter. Gregori: „Jeder hatte seine eigene Begleitung, ohne diese wäre so eine Veranstaltung unmöglich.“


Doch wie ist Kommunikation bei so schwierigen Voraussetzungen möglich?
„Taubblinden werden die Erklärungen geformt, durch Zeichen in die Handfläche geschrieben“, sagt Gerlinde Gregori. Das sei mühsam, langwierig und erfordert von allen viel Konzentration.


Zusammenwachsen musste die Gruppe erst gar nicht, denn die meisten Teilnehmer kennen einander von ähnlichen Veranstaltungen, die die katholischen Blindenvereinigungen des deutschen Sprachraums jedes Jahr in einem anderen Land veranstalten. Peter Beiser vom Blindenapostolat Tirol: „Heuer waren wir Österreicher an der Reihe. Und wir haben uns alle Mühe gegeben, Tirol mit seinen besten Seiten vorzustellen.“
Begonnen hatte die Woche mit einem stimmungsvollen Gottesdienst, den Pater Peter Fritzer im Haus Marillac feierte, Manfred Pittracher vom Gehörlosenreferat der Diözese übersetzte in Gebärdensprache.


Besuche im Volkskundemuseum, in der Hofkirche und im Dom, im Glockenmuseum der Firma Grassmayr, im Haller Münzerturm und im Höfemuseum in Kramsach wurden zum Erlebnis, weil überall aufgeschlossene Führer auf die speziellen Bedürfnisse der Gruppe eingingen. In Gebärdensprache übersetzten Karoline Oberauer und Matthias Haslwandter von der Innsbrucker Beratungsstelle für Gehörlose: „Diese Tage waren auch für uns eine Herausforderung. Auch in der Zeichensprache gibt es dialektähnliche Unterschiede.“ Interessant auch der Besuch einer Schützen-Abordnung, die gar nichts gegen die „hautnahe“ Besichtigung ihrer Tracht hatte. Schützenmajor Enzinger: „Greift’s uns nur an.“


Tief beeindruckt war Alfred Natterer vom Seelsorgeamt der Diözese Innsbruck, der die Gruppe beim Stadtrundgang in Hall begleitete und die Grüße von Diözesanbischof Manfred Scheuer überbrachte: „Erstaunlich, wie interessiert sie den Erklärungen folgten und alle Achtung für die Begleiter, Dolmetscher und alle, die durch ihren Beitrag diese Woche zum nachhaltigen Erlebnis gemacht haben.“


(Bericht von Heinz Kellner)