Wallfahrt gegen neue Bedrohungen

Die Gelöbniswallfahrt von 1646 wieder aufleben lassen – das ist das Ziel der „Manker Wallfahrt“ im Gedenkjahr „850 Jahre Stadtrecht für St. Pölten“. Ist auch der damalige Anlass, die Pest, keine Bedrohung mehr, so sind heute andere Belastungen für die Menschen aufgebrochen: Unterdrückung, Terror, Umweltzerstörung und Egoismen, wie Dompfarrer Norbert Burmettler und Bürgermeister Matthias Stadler gleichermaßen betonen. Auf breiter Initiative von Pfarre und Stadt St. Pölten sowie Pfarre und Gemeinde Mank und dem Mostviertel-Tourismus ist der Manker Wallfahrerweg auf einer Strecke von 30 Kilometer wieder neu festgelegt und beschildert worden.
„Es ist an der Zeit, Menschen wieder aufzurütteln und ihre Verantwortung wahrzunehmen“, sagte Bürgermeister Stadler bei der Segnung der Pilger vor dem Rathaus in St. Pölten. Diese Wallfahrt sei ein Zeichen dafür, wies er hin und wünschte allen, diesen Wallfahrtsweg wieder neu zu entdecken, denn „wir sitzen alle in einem Boot und müssen unsere Egoismen überwinden“.
Auch Dompfarrer Norbert Bumettler sieht in der Zunahme der Wallfahrten heute ein Zeichen, dass sich Menschen wieder mehr auf die Suche nach Sinnerfüllung ihres Lebens begeben, „um sich selbst kennen zu lernen und wieder Gott auf die Spur zu kommen“.


Eine erste Wallfahrergruppe von 30 bis 40 Personen brach bereits um fünf Uhr früh nach Mank auf. Weitere Pilger folgten mit dem Bus und trafen in Kälberhart beim steinernen „Schlangenkreuz“ – einer Stiftung der St. Pöltner Bürgerschaft – auf die Fußwallfahrer, um die letzten Kilometer gemeinsam zurückzulegen. In einer festlichen Prozession zogen etwa 150 Pilger in die Pfarrkirche Mank ein, deren Altarbild die St. Pöltner nach dem Pestjahr 1645 beim Maler Balduin Hoyel in Auftrag gegeben hatten.


„Alle haben einen Rucksack mitgenommen“, sagte Dompfarrer Burmettler in seiner Predigt, „gefüllt nicht nur mit Jause und Pullover, sondern auch mit Sorgen und Anliegen; diese wollen wir durch Maria Gott übergeben.“ Burmettler machte darauf aufmerksam, dass beim Gehen eine „wunderbare Gemeinschaft“ entstanden sei: „Die Wallfahrt ist ein Symbol, dass wir unser Leben als Gemeinschaft gestalten.“ Der Entschluss zu solch einem langen und anstrengenden Marsch sei auch ein Willensakt. Genau so sollten wir uns auch im Alltag entschließen, „in der Kirche und in der Gesellschaft etwas zu gestalten“, so der Dompfarrer.
Der Weg sei durch das Hochwasser oft schmutzig und sumpfig gewesen, habe manchmal auch ermüdend auf harten Asphalt geführt: Auch der Lebensweg sei nicht immer „schön“. Es komme jedoch darauf an, nicht stehen, nicht stecken zu bleiben, sonder stets weiter zu gehen, sagte Burmettler. Schließlich brauche der Mensch auf seinem Weg auch Wegweiser. So wie auf dem Wallfahrtsweg die neuen Schilder, benötigte der Mensch zur Orientierung in seinem Leben die Heilige Schrift, betonte Burmettler. Sinn einer Wallfahrt sei es, „den eigenen Lebensweg wieder neu zu entdecken“ und selbst auch „Wegweiser für andere“ zu werden.