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"Waki" gibt AIDS-Waisen in Tanzania Hoffnung

Mit einem mittleren Monatseinkommen von 20 Euro und einer Analphabetenrate von 24 Prozent zählt Tanzania zu den ärmsten Ländern der Welt. Ohne Schulbildung ist der Weg aus der Armut praktisch unmöglich. Viele Kinder sind jedoch AIDS-Waisen und müssen sich um ihre jüngeren Geschwister kümmern. Doch in Ruvuma ganz im Süden des Landes gibt es für manche Kinder Hoffnung, dank gemeinsamer Projekte des Österreichers Friedrich ("Waki") Walterskirchen und der Benediktinerinnen, der "Mütter" der AIDS-Waisen.
Adelina rührt im Kochtopf um. Heute gibt es "Ugali" (Maisbrei) - wie gestern. Und vorgestern. Wie an jedem Tag. Besorgt blickt Adelina in den kleinen, halbleeren Kopftopf. Wird es heute ausreichen, ihre Familie zu versorgen? Ihre Familie, das sind sie und ihre beiden kleinen Geschwister, Gisbert und Cyprian. Adelina selbst ist erst zehn. Ihre Eltern sind vor zwei Jahren gestorben. An AIDS. So wie viele andere Menschen in Mkwera, einem kleinen Dorf im Süden Tanzanias. Seither muss sich Adelina um ihre beiden Brüder kümmern. Bis zur nächsten Regenzeit ist es noch eine lange Zeit, vier Monate, vielleicht fünf. Wenn bis dahin der Regen gänzlich ausbleibt, droht eine Dürre. Und die nächste Hungersnot.


Adelina, Gisbert und Cyprian sind allerdings nicht die einzigen AIDS-Waisen in dem Dorf unweit des Dreiländerecks Tanzania, Malawi und Mocambique. Jeder fünfte Bewohner von Tanzania ist HIV-infiziert. Nur noch 48 Jahre beträgt die durchschnittliche Lebenserwartung der Leute. Kaum jemand in dem ostafrikanischen Land kann sich die teuren Medikamente leisten. So bricht die Krankheit oft schnell aus. Unermesslich ist das Leid für die Betroffenen und die Angehörigen, bis der Tod eintritt. Viele Menschen sterben an AIDS und hinterlassen ihre Kinder, die kaum versorgt sind. Diese sind dann auf sich allein gestellt. Die älteren Kinder kümmern sich um die jüngeren Brüder und Schwestern.


Der Engel der Kinder ist Schwester Lwanga. Einmal in der Woche kommt sie nach Mkwera. Die Benediktinerin sieht nach den Waisenkindern, manche von ihnen sind noch Babies. Schwester Lwanga versorgt die Dorfbewohner mit notwendigen Medikamenten und veranlasst die medizinische Betreuung, wenn bei jemandem die tödliche Immunschwächekrankheit ausbricht. Das ist oft der Fall. Nach Besuchen bei den Familien in Mkwera kehrt sie per Fahrrad zurück nach Kiyogawale; dort gibt es eine kleine Station der Benediktinerinnen von St. Agnes, einem Kloster im wenige Kilometer entfernten Chipole. Das Haus "St. Friedrich" ist jedoch nicht nur ein Wohn- und Gästehaus, sondern dient auch als Schulgebäude. Das Haus der Benediktinerinnen wurde im Vorjahr dank Spenden aus Österreich - vor allem der Fastenaktion der Diözese St. Pölten - fertig gebaut und zu Ehren von Friedrich Walterskirchen benannt, dem Gründer der "Tanzania-Aktion".


Ein Hasenprojekt für AIDS-Waisen


Viele Entwicklungshilfeprojekte konnten durch die "Tanzania-Aktion" verwirklicht werden, die der heute 76-jährige Friedrich Walterskirchen in den frühen sechziger Jahren gegründet hat. Ein erfolgreiches Projekt der letzten Jahre ist "Sungura", eine Initiative für die Waisenkinder. "Sungura" bedeutet auf Suaheli Hase. 120 Hasenpaare für Kinder, deren Eltern an AIDS verstorben sind, organisierte Friedrich Walterskirchen. Die Kinder kümmern sich um die Hasen und züchten sie. Dadurch erhalten sie nicht nur eine spannende und verantwortungsvolle Aufgabe, sondern auch eine Unterstützung, um einen Weg aus der bitteren Armut zu finden. Mittlerweile hat sich der Bestand der Hasen auf 700 erhöht. Einige der Hasen werden auch im Bauernhof von Kiyogawale gezüchtet. Neben der Schule für arme Landmädchen und dem Bauernhof befinden sich auch eine kleine Kirche, eine Krankenstation und eine Bananenplantage in Kiyogawale.


Dank der Schule soll den Jugendlichen, viele von ihnen Waisenkinder aus den Dörfern der Region, eine menschenwürdige Zukunft und die Chance auf einen Weg aus der Armut ermöglicht werden. Die Klassenräume werden allerdings wegen des fehlenden Stromanschlusses derzeit nicht benutzt. Die Spendengelder haben für die Elektrifizierung von "St. Friedrich" noch nicht ausgereicht. Unterdessen werden die Mädchen im alten Wirtschaftsgebäude unterrichtet, wo sich auch ihre Schlafräume befinden. Abends geben nur Petroleumlampen den Schwestern ein wenig Licht. Schwester Lwanga hofft, dass im "Waki-Haus" spätestens nächstes Jahr Stromanschluss vorhanden sein wird.


Die Frage drängt sich auf, warum unter dem wunderbaren tropischen Himmel, auf einem atemberaubend schönen Stück Erde wie dem südlichen Tanzania so viele Menschen leiden müssen. Doch dann vertreibt das fröhliche Lachen einiger Schülerinnen aus dem Hof die trüben Gedanken. Ein Lachen, das wie ein Willkommensruf an den nächsten Tag klingt, den Beginn einer hoffnungsvollen Zukunft.
(KAP)


Spenden: Kto. Nr. Raiffeisenbank Krems 39.180, BLZ: 32397, Kennwort "Tanzania" oder "Sungura".