Stadt und Land mit Ohr und Nase entdeckt

„Eigentlich war jeder Tag ein Höhepunkt“, sagt Hubert Rauber über die Kultur- und Wanderwoche des Blindenapostolats, die kürzlich in Brixen zu Ende gegangen ist. Der 53-jährige Vollblinde aus dem Schwarzwald war schon 26-mal bei Blindenfreizeiten dabei, hat also reiche Erfahrung. Mit seinem Humor und mit seiner Ziehharmonika sorgte er auch diesmal für Stimmung bei den 31 Teilnehmern. Aus verschiedenen österreichischen Bundesländern, aus Bayern, dem Schwarzwald und sogar aus Nordrhein-Westfalen waren sie angereist, um Brixen und seine Umgebung zu entdecken.
Geführt und angeleitet von ihren sehenden Begleitern, erkundeten die blinden bzw. sehbehinderten Gäste Dom, Kreuzgang, das Pharmazie-Museum und die Hofburg in Brixen, wanderten nach Elvas und ins Kloster Neustift, stiegen zur Klosterburg Säben auf und genossen dann das Gass’l-Singen in Klausen. Mühsam – nicht nur nicht wegen der Hitze – waren die Wanderungen durch die Gilfenklamm und zu den Reintalfällen. „Aber solche Unternehmungen sind einfach eine Herausforderung“, sagt Heinz Kellner, Leiter des Blindenapostolats St. Pölten in Niederösterreich, der die Woche organisiert hatte. „Wenn viele von uns auch nichts sehen konnten, Stadt und Land kann man auch durch Riechen, Spüren und vor allem Hören entdecken.“


Kellner weiter: „Dankbar sind wir für die herzliche Aufnahme im Priesterseminar und für die offene Begegnung mit so vielen Menschen.“ Bereits zur Eröffnung ihrer Woche hatte die Gruppe mit ihrem Seelsorger Dr. Gottfried Auer in Milland die Sonntagsmesse mitgefeiert und sich durch eine blinde Lektorin und drei Fürbittensprecher als Mitgestalter in diesen Gottesdienst eingebracht. Beim anschließenden Dorffest entwickelte sich dann so manches aufschlussreiches Gespräch mit Festgästen über die Erwartungen für die Ferienwoche und die Aufgaben des Blindenapostolats.