Seelsorge muss Anliegen aller sein

„Die Wirklichkeit wie sie ist als Ausdruck der Nähe Gottes sehen“, ist für den Grazer Dechant Mag. Alois Kowald, Pfarrer eines Pfarrverbandes mit drei Pfarren und 18.000 Katholiken, Grundlage christlicher Spiritualität. Dies erklärte er in seinen Ausführungen beim Priesterstudientag in St. Pölten über die „Christliche Spiritualität im Pfarrleben“. Nicht nur die schönen Seiten des Lebens seien auf Gott hin zu deuten, sondern auch die schweren Zeiten des Leides seien ein Ausdruck der Gemeinschaft mit Jesus Christus. Denn Gott „umarmt dich mit der Wirklichkeit, in der du lebst, und nicht wie es sein könnte“. In diesem Vertrauen zu leben bedeute immer auch, auf Neues hin aufzubrechen, sagte Kowald.


Priestertum muss dem Priestertum aller dienen


Eine seiner Leitlinien für seine Arbeit sei, dass das Priestertum des Dienstes dem Priestertum der Gläubigen dienen müsse. Es gelte die Gläubigen anzuleiten, „das Leben als Ausdruck der Nähe Gottes zu gestalten“.
In seinem Pfarrverband mit 18.000 Katholiken und einem Team von Mitarbeitern sei einer seiner wichtigsten Aufgaben das Führungsamt, wies Kowald hin. Es gelte dabei, die Menschen selbst zu befähigen, ihre eigene Verantwortung wahrzunehmen und selbst „Seelsorger“ zu werden, „damit sie die seelsorglichen Dimensionen für sich und auch andere wahrnehmen“. Seelsorge dürfe heute nicht nur von „Profis“ geleistet werden, sondern sei Anliegen aller Christen.
Der Weg dorthin seien für Kowald „kleine christliche Gemeinschaften“, wie es sie bereits in Afrika bestehen und in deren Mitte das Bibelteilen steht. In seinem Pfarrverband gebe es derzeit vier solcher Basisgruppen. „Bis 2012 sollen es 30 sein“, sagt der engagierte Seelsorger, denn auch in einer großen Pfarre soll immer ein Christ in Ruf- und Reichweite der Menschen sein.