Rundfunkansprache zum Weihnachtsfest 2009

Liebe Hörerinnen und Hörer! „Nahe ist der Herr“ betet die Kirche in den letzen Tagen vor dem Weihnachtsfest in ihrem Stundengebet. Und schon vom Beginn des Advent an ertönt in den liturgischen Gesängen das hoffnungsvolle Wort: „Über dir, Jerusalem, erstrahlt der Herr, er geht auf über dir gleich der Sonne.“


Ist den Menschen bewusst was Weihnachten für sie persönlich, bedeutet? Alle sind in den Tagen vor dem hohen Fest eifrig beschäftigt: da ist noch vieles zu erledigen, da werden Geschenke gekauft, Vorbereitungen getroffen, aber wie steht es mit dem Nachdenken über den eigentlichen Grund des Festes? Sind das alles nur Bräuche und Gewohnheiten aus früheren Zeiten, die einfach schön sind und die von den Geschäftsleuten und der Tourismusbranche recht gut genützt werden?


Mir hat einmal jemand aus der Wirtschaft nach der Segnung einer Bank, die ich in der vorweihnachtlichen Zeit vorzunehmen hatte, beim Vorbeigehen an einer Krippe gesagt: „Ich bin zwar kein gläubiger Christ, aber ich verstehe, dass dieses Kind Hoffnung gibt“. Er erzählte mir dann, dass er zwar nicht getauft sei, aber sich in letzter Zeit mit Fragen des Glaubens beschäftigt habe.


Wie vielen ist es bewusst, warum es wirklich geht, warum wir Weihnachten feiern? Wie viele machen sich Gedanken?


Die Heilige Schrift sagt uns, dass das Geschehen damals, das Geschehen, dessen wir am Weihnachtsfest gedenken, ein Ereignis war, das bis ans Ende der Zeiten die Welt beeinflusst. „Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters geben. Er wird über das Haus Jakob herrschen, und seine Herrschaft wird kein Ende haben“, so lautete die Botschaft, die der Engel Maria, der Mutter Jesu, gebracht hat.


Er ist in der Verborgenheit einer Höhle, in einem kleinen Dorf namens Bethlehem, zur Welt gekommen. Er hat unter uns gewohnt, er hat für die Wahrheit Zeugnis abgelegt, sein Leben für uns hingegeben. Er hat durch sein Blut Himmel und Erde miteinander versöhnt. Er versöhnt auch uns mit Gott, wenn wir es wollen. Er ist von den Toten auferstanden und lebt. Er bleibt gegenwärtig in der Welt durch die Kirche – in Gottes Wort, das sie verkündet; und in den Heilsgeheimnissen, die sie feiert; auch in den Herzen jener Gläubigen, die ihn tatsächlich aufnehmen. Weihnachten steht daher zur Gegenwart in enger Beziehung.


Ich wünsche Ihnen, liebe Hörerinnen und Hörer, Augen und Ohren für das Kind in der Krippe, vor allem ein weites Herz. Wer ihn Jesus, erkennt und Gottes Liebe erfasst, die ihn uns gebracht hat, und die er uns bringt, der beginnt – trotz aller persönlichen Grenzen und Schwächen – zu lieben, wie Gott liebt. Er wird verändert und er vermag durch die Liebe Christi auch anderen beizustehen, sodass sie sich dem Positiven zuwenden und ebenfalls zu lieben beginnen. Möge Ihnen allen, auch Ihren Angehörigen ein wahres Weihnachtsfest zuteil werden.