Predigt vor dem Kath. Familienverband Österreichs

Lieber Herr Präsident,
liebe Mitglieder des Katholischen Familienverbandes
liebe Brüder und Schwestern!


Das Schutzengelfest ist nicht bloß eine Reminiszenz aus früheren Zeiten, auch nicht bloß Ausdruck eines barocken Glaubensverständnisses. Im Katechismus der katholischen Kirche heißt es: „Bis zur Wiederkunft Christi kommt die geheimnisvolle Hilfe der Engel dem ganzen Leben der Kirche zugute“ (334). Die Überzeugung, dass unser Leben von der Existenz der Engel begleitet und von ihrer Sorge umgeben ist, gehört zum festen Bestandteil unseres Glaubens und der kirchlichen Lehre.


Es hat schon seinen Sinn, wenn Eltern ihre Kinder, die außer Haus gehen, dem Schutzengel anvertrauen oder wenn wir in schwierigen Situationen den Schutzengel bitten, er möge uns beistehen, uns vor Gefahren warnen und uns Gelegenheiten zum Guten erkennen lassen.


Aus diesem Glaubensverständnis heraus freut es mich, wenn der Familienverband heute seine Jahreshauptversammlung abhält, denn ich bin der Überzeugung, dass der Familienverband für seinen Einsatz den Beistand der heiligen Engel gut brauchen kann. Es ist wichtig, dass sich der Katholische Familienverband ohne Furcht hinauswagt in alle Bereiche der Gesellschaft und bei allem notwendigen Verständnis für die Schwierigkeiten entschieden für die Familie auf der Grundlage der Ehe eintritt, weil diese Grundlage für die Kinder ganz wichtig ist, in der Regel auch für die Erwachsenen. Ebenso notwendig ist es, jene Familien besonders zu stärken, die zu mehr Kinder bereit sind und die auch bereit sind, sich diesen Kindern zu widmen.


Jene, die sich bemühen, ihrer Familie, ihrer Ehe trotz Problemen, treu zu bleiben, die sich bemühen durchzuhalten, auch wenn es nicht leicht ist, und jene, die zu einer größeren Zahl von Kindern ja gesagt haben, erfahren derzeit in der Gesellschaft, manchmal auch in der Kirche, nur wenig Rückhalt. Ich erlebe es nicht selten bei Veranstaltungen, in denen von der Vereinbarkeit von Familie und Beruf geredet wird und in denen es wie selbstverständlich scheint, dass man nicht mehr als zwei, höchstens drei Kinder hat, die Frau den Beruf möglichst bald wieder ausübt: Paare, die anders denken, wagen es gar nicht mehr, sich zu Wort zu melden. Sie kommen dann manchmal in der Pause und beginnen ihr Herz zu öffnen. Ich halte es für eine wichtige Aufgabe des Katholischen Familienverbandes, gerade solchen Paaren eine Stimme zu verleihen. Man sollte nicht zögern, junge Familien zu einer größeren Kinderzahl herzhaft zu ermutigen und ihnen Anerkennung entgegenzubringen, wenn sie bereits eine große Familie geworden sind. Und meines Erachtens ist es ebenso eine wichtige Aufgabe des Katholischen Familienverbandes, manchen Paaren zuzurufen: Haltet durch, auch wenn ihr Probleme habt. Sucht Hilfe im Gebet, empfangt die Sakramente, sprecht mit dem Seelsorger, sucht Beratung, arbeitet an euch, aber lasst euch nicht scheiden.


Der Familienverband hat auch die Aufgabe, zur Erziehung zu ermutigen. In letzter Zeit höre ich von Lehrern die Klage, dass ihre Aufgabe immer schwieriger wird, weil die Kinder von zu Hause offenbar keinerlei Erziehung mitbringen. Der Katholische Familienverband ist eine wichtige Plattform für wichtige Anliegen. Nicht jede Familie will die Ganztagsschule; nicht jede Familie will eine brutale Sexualaufklärung, die gewissermaßen „wertfrei“ allen aufgenötigt wird. Nicht jede Familie will Freizeitveranstaltungen, die die physische und psychische Gesundheit ihrer Kinder und Jugendlichen gefährden. Man hört immer wieder von Koma-Trinkern und anderen traurigen Vorfällen.


Viel Mut braucht es, an manchen Schulen die Elternrechte wahrzunehmen, wenn etwas geplant ist, dem man nicht zustimmen kann, oder manches unterlassen wird, was von großer Bedeutung wäre. Viel Mut braucht es, um Allianzen zu bilden, die positive Veränderungen in der Gesellschaftspolitik einleiten und durchzusetzen vermögen. Es ist z.B. ein Unding, wenn heutzutage ein junges Paar mit Kindern von der öffentlichen Hand unter dem Strich mehr Geld erhält, solange es nicht verheiratet ist. Man darf sich nicht wundern, dass sie ihre Hochzeit vor sich herschieben.


Ich wünsche dem Katholischen Familienverband den Beistand von oben und viel Elan, um viele junge Leute zu motivieren und zu sammeln, um gemeinsam einer geistlosen Konsummentalität den Kampf anzusagen und entschlossen die Freiheit, das, was wahre Liebe ist, die Würde des Menschen zu verteidigen. Mögen Euch die heiligen Engel auf allen Wegen behüten und begleiten!