Predigt – Jahresschlussandacht 2009

Liebe Schwestern und Brüder! Noch wenige Stunden, und das Jahr 2009 wird mit großem Lärm, Alkohol und Trubel zu Ende gehen. Das ist sicher für viele ein besonders lustiges Erlebnis; aber ist es das für alle Menschen? Mir scheint manchmal, man macht so viel Lärm um Silvester, weil man ein wenig Angst hat vor dem, was morgen kommt. Und vielleicht möchte man nicht allzu sehr über das nachdenken, was war? Lärm und Alkohol werden da unter Umständen zu einem Betäubungsmittel ...


Nun, wir Christen können Silvester hoffnungsvoll feiern; wir wissen, dass unser Gestern, Heute und Morgen in den Händen Gottes ist. Deshalb versammeln wir uns am Ende des alten und am Beginn des neuen Jahres, um dem Herrn, der „Tag und Jahr geschenkt“ (GL 158), für das Vergangene zu danken und mit ihm, vertrauensvoll, nach vorne zu sehen.


Was hat uns das alte Jahr gebracht? Nach der großen Wirtschaftskrise scheint wieder etwas Hoffnung zu keimen in Europa und auch in unserem Land. In unserer Diözese ist so manches im Gange, das haben Sie vielleicht bemerkt. Und zwar nicht nur daran, dass zum Beispiel die pastoralen Dienste umgezogen sind und sich alle an neue Büros gewöhnen müssen; aber vielleicht ist das ja auch ein passendes Bild dafür, wie wir als Kirche neu werden müssen, um die Menschen der heutigen Zeit zu erreichen. Viel wird sich in den Pfarren ändern müssen, damit alles beim Alten bleiben; damit Gott auch heute noch zu den Menschen kommen kann.


Auch in der Gesellschaft ist viel in Bewegung. So brachte das alte Jahr eine echte Fülle an Kontroversen um Themen, die große gesellschaftspolitische Fragen betreffen; die zum Teil heftigen Diskussionen um Abtreibung, die Pille danach, die Eingetragene Partnerschaft für homosexuelle Paare; aber auch die schärferen Anfragen der säkularisierten Gesellschaft in Form der Kreuzdebatte oder, gerade eben, die Diskussion um Minarette. Hier spüre ich die Anfrage nicht nur an die katholische Kirche, sondern an alle Religionen: was ist eure Rolle in der Gesellschaft von heute? Zugleich muss auch der Staat sich fragen (und sich fragen lassen): „Wie hältst Du’s mit der Religion?“


Es ist ein Zeichen der Hoffnung, dass die Welt bei all diesen Themen noch immer die Stimme der Kirche hört; diese Chance müssen wir nutzen; die Kirche sind wir alle, und ich wünsche mir viele Katholikinnen und Katholiken, die sich einmischen, in Leserbriefen und Diskussionen, wenn diese und andere Themen, wie ich erwarte, auch 2010 in der Öffentlichkeit brennen werden.


Aber schauen wir doch nach vorne. Wer oder was weist den Weg ins neue Jahr hinüber? Wir haben eine große Konstante, die uns von 2009 nach 2010 begleitet, und zwar das Jahr des Priesters. Vielleicht haben Sie sich gefragt: Ich merke noch nicht so viel von diesem Jahr des Priesters; nun, das Neue Jahr wird unsere Diözese noch einmal ganz an die Seite des Priesters, der Priester stellen. In allen Teilen der Diözese werden in den nächsten Monaten Wallfahrten stattfinden, gehalten vom Weihbischof und von mir, mit dem großen Anliegen, Gott um neue Priesterberufe anzuflehen. All diese Wallfahrten gipfeln dann im Juni in einer großen Wallfahrt der Priester gemeinsam mit ihrem Bischof nach Rom. Ich bitte Sie jetzt schon, alle diese Aktivitäten mit Ihrem Gebet zu begleiten.


Ebenfalls im Juni fällt bei uns der Startschuss für eine sehr ermutigende Initiative, die in der Erzdiözese Salzburg mit großem Erfolg seit einigen Jahren durchgeführt wird und dieses Jahr in allen Diözesen Premiere haben wird. Ich spreche von der Woche für das Leben. Eine Woche lang, gipfelnd in einem Gottesdienst im Dom, wird in vielen Pfarren unserer Diözese das Leben von seiner Empfängnis bis zu seinem natürlichen Ende im Fokus stehen, oder griffiger gesagt: „Ja zum Leben, Ja zum Kind, Ja zur Familie“. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf den Kindern und den Menschen mit Behinderungen. In den nächsten Wochen wird ein Schreiben der Bischöfe dazu verlesen werden; danach sind wir auf Ihre tätige Mithilfe angewiesen.


Und weil ich gerade von Ermutigung spreche. Auch 2010 dürfen wir wieder auf eine Zunahme der Wallfahrten hoffen; das Jahr steht nicht wie von ungefähr unter dem Licht des 350-Jahr-Jubiläums der Wallfahrtsbasilika Maria Taferl! Ich lade Sie alle jetzt schon ein, uns alle am 12. September dort zu treffen, wenn wir den Abschluss der Renovierung mit einer Altarweihe feiern. Und nicht nur das: Zugleich werden wir in einem feierlichen Weiheakt unsere Diözese neu der Mutter Gottes anvertrauen, mit dem Anliegen der echten Erneuerung.


Sehen Sie? Das sind doch schon eine ganze Menge Gründe, hoffnungsvoll ins neue Jahr hinüber zu schauen, das in etwas über 7 Stunden da sein wird.


Und damit eine letzte Bitte von Ihrem Bischof: Vor dem Schlafengehen heute ... oder auch, wenn Sie um Mitternacht die Sekunden bis ins Neue Jahr zählen und die Raketen zünden, investieren Sie doch eine halbe Minute. Mehr braucht es nicht, und das muss auch niemand um Sie herum merken, im Trubel.
Danken Sie Gott ganz still und leise für das alte Jahr; schenken Sie ihm das neue. Und bitten Sie besonders für unsere Diözese, um Erneuerung. Und ein wenig für Ihren Bischof.


Ich bin gewiss, wenn das jeder hier im Dom tut, dann kann Gott gar nicht anders, als dieses Jahr zu einem Jahr des ganz großen neuen Aufbruchs zu machen.


Dafür danke ich Ihnen von Herzen.
Maria wird uns mit ihrer Fürsprache beistehen.


St. Pölten, 31. Dezember 2009