Predigt am Hochfest Peter unf Paul im Dom

Liebe Brüder und Schwestern! Als für die noch ganz junge Kirche Gefahr drohte und nach der Enthauptung des Jakobus auch Petrus festgenommen wurde, da betete die Gemeinde inständig für ihn zu Gott (vgl. Lesung). Das scheint mir am heutigen Hochfest der erste und wichtigste Grund unserer Zusammenkunft: Wir wollen gemeinsam inständig zu Gott beten.


Als vor einigen Monaten klar wurde, dass wir dieses Jahr am 29. Juni leider keine Priesterweihe haben werden, fassten wir den Beschluss, trotzdem alle Priester und Gläubige zu einem feierlichen Gottesdienst am Hochfest in den Dom einzuladen. Wir sagten: Wir wollen die Jubilare – vor allem die Goldenen und Silbernen – besonders feiern, wir wollen den Glauben erwecken und uns gegenseitig bestärken.


Inzwischen ist vom Heiligen Vater das Jahr des Priesters ausgerufen und eröffnet worden und wir haben nach neuerlicher Beratung im Konsistorium festgelegt, dass wir am bereits früher beschlossenen Vorhaben einer feierlichen Messe am heutigen Tag festhalten und so gemeinsam das Jahr des Priesters in unserer Diözese einleiten. Dieses Jahr des Priesters kommt uns sehr gelegen und soll ein kräftiger Impuls sein.


Es betrifft nicht nur die Priester; es betrifft die ganze Diözese, nicht nur, weil jetzt allmählich häufiger Pfarrverbände gebildet werden müssen und jedes Mal mehr Gläubige von diesen Veränderungen betroffen sind, sondern weil die Not, die wir erleben, nicht nur mit dem Priestermangel im Zusammenhang steht, sondern tiefer sitzt. Wir brauchen heiligmäßige Priester. Sie sind unersetzlich; wir brauchen aber auch Gläubige, die Christus konsequent nachfolgen, insbesondere christliche Familien. Es ist notwendig, dass wir alle den Ruf Gottes wahrnehmen, der in dieser Stunde, in dieser Zeit an uns gerichtet ist. Dieser Ruf Gottes ergeht an jeden einzelnen gemäß der eigenen spezifischen Berufung. Er ergeht an den Bischof, den Priester, den Diakon, den Religionslehrer, die Religionslehrerin, den Pastoralassistenten, die Pastoralassistentin, Eltern, Kinder, Jugendliche, jeden Berufstätigen, auch jeden alten und kranken Menschen. Möglichst alle sollten mittun, und zwar nicht nur durch die Übernahme verschiedener konkreter Aufgaben und Tätigkeiten, damit die Pfarre irgendwie weiter funktioniert, auch wenn kein Priester mehr dort wohnt. Erforderlich ist das Gebet möglichst vieler, das Bemühen möglichst aller um ein authentisches Christsein und die Sorge jener, deren Glaube lebendig ist, um jene anderen, die den Zugang zu ihm noch nicht gefunden oder ihn verloren haben. Ich wage zu behaupten: Ohne dieses Sich-Öffnen dem Ruf Gottes gegenüber seitens aller, die Ohren, Augen und ein Herz dafür haben, würde es – jedenfalls langfristig – nicht viel nützen, wenn wir noch so viele Priester hätten. Es würde immer wieder nach einigen Jahren zur Reduktion der Priesterzahl kommen und zu einem weiteren Schrumpfen der Kirche.


Am heutigen Hochfest vernehmen wir das Zeugnis des hl. Paulus: „Der Herr stand mir zur Seite und gab mir Kraft.. und so wurde ich dem Rachen des Löwen entrissen. Der Herr wird mich allem Bösen entreißen, er wird mich retten und in sein himmlisches Reich führen“. Und im Evangelium hörten wir das Zeugnis des Petrus, der ausruft: „Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes!“


Es ist klar, dass bei der Lösung der Probleme Christus, der auferstandene Herr, der uns durch das heilige Kreuz erlöst hat, im Vordergrund stehen muss. Das war für Paulus das, was ihn getragen hat, das war so für alle Heiligen; es muss auch für uns so sein. Alle Erneuerungsbestrebungen müssen in diese Richtung gehen und vom Verlangen getragen sein, die Sendung der Kirche zu erfüllen, und sie besteht darin, in der jeweiligen Zeit bis ans Ende der Welt Christus zu vergegenwärtigen. Deshalb kommt es darauf an, dass wir, Priester und alle Gläubige, Ihn im Herzen tragen und Ihn den anderen bringen, wobei dem Priester eine besondere, unersetzliche Dienstfunktion zukommt. Er steht in einem besonderen Dienst Jesu und des Volkes Gottes.


Der Heilige Vater geht in seinem jüngsten Brief an die Priester vom Beispiel des hl. Pfarrers von Ars aus. Er erinnert daran, dass Johannes Maria Vianney seine Arbeit in äußerst schwierigen Verhältnissen getan hat. Sein Bischof hat, als er ihm die Pfarre anvertraute, zu ihm gesagt: „Es gibt in dieser Pfarrei nicht viel Liebe zu Gott: Sie werden sie dort einführen.“


Sein Weg war das Gebet, ein großer Eifer für die Seelen. Sofort nach seiner Ankunft schlug er gewissermaßen seinen Wohnsitz in der Kirche auf, das heißt, sie betrat er schon in aller Früh und sie verließ er erst spätabends, dort konnte man ihn finden; aber er nahm auch Wohnung in der Pfarre. Der Papst schreibt in seinem Brief an die Priester: „Er besuchte systematisch die Kranken und die Familien; er organisierte Volksmissionen und Patronatsfeste; er sammelte und verwaltete Geld für seine caritativen und missionarischen Werke; er verschönerte seine Kirche und stattete sie mit Kirchengerät aus; er kümmerte sich um die Waisenmädchen der „Providence“ (einer von ihm gegründeten Einrichtung) und ihre Erzieherinnen; er kümmerte sich um die Schulausbildung der Kinder; er gründete Bruderschaften und forderte die Laien zur Zusammenarbeit mit ihm auf“(„Brief an die Priester“).


Der Heilige Vater erwartet sich in diesem Jahr der Priester vor allem Impulse der Erneuerung, die damit anfängt, dass wir eine Revision unseres Lebens vornehmen, die Prioritäten neu setzen. Dazu gehört, dass wir dem Gebet einen wichtigen Platz einräumen und bei uns selbst berichtigen, was der Berichtigung bedarf. Vielleicht wäre auch ein wichtiger Schritt, dass wir selbst die Kraft des Bußsakramentes suchen und in Anspruch nehmen.


Der Heilige Vater erinnert in seinem jüngsten Schreiben an die Priester auch an jene andere Aussage des hl.Pfarrers von Ars, der einmal gesagt haben soll: „Das große Unglück für uns Pfarrer besteht darin, dass die Seele abstumpft“. Er meinte damit ein gefährliches Sich-Gewöhnen des Hirten an den Zustand der Sünde oder der Gleichgültigkeit, in der viele seiner Schafe leben.


Damit steht meines Erachtens ein zentrales Anliegen in diesem Jahr der Priester im Zusammenhang.


Wir nähern uns bereits mit Riesenschritten den etwas ruhigeren, hoffentlich auch erholsamen Sommermonaten. Meine Anregung wäre, dass wir alle überlegen: Welche Prioritäten sollte ich besser setzen? Wie kann ich erreichen, dass ich sie einhalte und verteidige? Was kann ich tun, um eine Änderung in der mir anvertrauten Gemeinde herbeizuführen? Es geht dabei nicht darum, immer mehr zu tun und immer schneller zu arbeiten, selbst wenn jemand mehrere Pfarren hat. Es geht vielmehr darum, manchen Dinge den Vorrang zu geben und dass unsere Hirtensorge wirklich zum Tragen kommt. Ein wichtiger Gedanke ist auch: Wer könnte mir helfen? Wer könnte mittun im Sinne eines echten Bemühens, die Menschen Gott, Christus und seiner Erlösung näher zu bringen? Ein konkreter Vorschlag wäre weiters, den Brief des Hl. Vaters an die Priester ruhig und gründlich zu betrachten und Konsequenzen daraus zu ziehen. Im Herbst werden wir dann die Wallfahrt nach Maria Taferl unternehmen und das Projekt der Erneuerung fortsetzen.


Alle Gläubige bitte ich, mitzugehen auf unserem Weg. Ich bitte alle um Gebet, aber auch um die Überlegung: Was könnte ich tun, was könnte ich beitragen, wie könnte ich helfen? Denken Sie aber dabei nicht sofort nur an Organisatorisches oder an liturgische Dienste, die selbstverständlich ihre Bedeutung haben.


Die Fürsprache der Apostel Petrus und Paulus, des hl. Johannes Maria Vianney und vor allem Mariens, der Mutter Jesu und unsere Mutter, mögen uns beistehen.