Pilgerwege auf der GLORIA-Kirchenmesse neu entdeckt

„Die Menschen interessieren sich wieder vermehrt für das Pilgern“, sagt Christine Dittlbacher vom Katholischen Bildungswerk der Diözese Linz, die den Stand der Österreichischen Pilgerwege auf der GLORIA-Kirchemesse in St. Pölten betreut. „Immer mehr Menschen sind auf der Sinnsuche und fragen nach dem Ziel ihres Lebens.“ Pilgern sei eine alte christliche Tradition, Gott in der Schöpfung „mit allen Sinnen“ zu begegnen – zu jeder Jahreszeit, in jeder Stimmung und bei jeder Witterung, erklärt Dittlbacher.
Pilgern sei eine wieder entdeckte Grundhaltung des Glaubens, eine Gebetsform die Zukunft habe, betont Dittlbacher, „weil sie auch von Menschen gewählt wird, die nicht im kirchlichen Kontext beheimatet sind, und dadurch wieder Zugang zur Heilsbotschaft finden“. Auf der Messe werde besonders nach Pilgerwegen in Österreich gefragt, berichtet Dittelbacher. Der Jakobsweg werde zunehmend verkommerzialisiert, und die Reise nach Spanien sei für viele auch zeitlich und finanziell nicht machbar. Daher nutzten viele Interessierte das Angebot “Pilgern vor der Haustüre“, so Dittelbacher: „Die Natur und die Schätze der eigenen Heimat werden wieder entdeckt, auch der hohe Standard in Österreich wird geschätzt.“


Hinter der immer noch wachsenden Beliebtheit des Jakobsweges nach Santiago de Compostela im Nordwesten Spaniens stehe ursprünglich ein starkes Wirtschaftskonzept, erklärt Dittelbacher. Um den Jakobsweg habe sich auch ein gewisser Mythos bebildet, weil dieser einer der ältesten bekannten Pilgerwege Europas sei und damit eine besondere Anziehungskraft auf die Menschen habe. Weiters spiele dabei der Aspekt „zurück zu den Wurzeln“ eine Rolle: „Wo Menschen das Heil früher gesucht und gefunden haben, dort suchen die Menschen auch wieder heute.“


Auch in Österreich bestehen zahlreiche traditionelle Pilgerwege, von denen einige in letzter Zeit reaktiviert und neu ausgeschildert wurden: die „Via Sacra“ nach Mariazell, der Rupertweg, der Wolfgangweg, der Konradweg, und jüngst der „Jakobsweg Oberösterreich Neu“, der von Krumau in Böhmen ausgeht. Ganz neu konzipiert ist der „Weg des Buches“ der evangelischen Kirche, der dem Weg der Verbreitung der Lutherbibel folgt. Eine „Via Nova“ schließlich kombiniert alte und neue Pilgerwege und verbindet so die Tradition mit dem Heute.


In der Diözese Linz gibt es auch eine eigene Ausbildung für Pilgerbegleiter. Dittlbacher: „Viele Pilger wollen nicht alleine unterwegs sein, sondern eine spirituelle Begleitung auf dem Weg mitnehmen.“ Das Angebot sei sehr gut angenommen worden. Der erste Lehrgang – mit drei Teilnehmern aus der Diözese St. Pölten – ist bereits abgeschlossen, ein zweiter hat begonnen.


Pilgerwege