Paulus – Sklave Jesu Christi

Als „Sklave Jesu Christi“ hat Paulus sich und seinen Begleiter Timotheus in den ersten Sätzen des Philipperbriefes bezeichnet. Auch in modernen Sprachen sollte man diesem Originaltext treu bleiben, obwohl dieser Begriff heute anachronistisch klingen mag, meint Univ.-Prof. Dr. Jan Flis bei seinem Vortrag „Paulus – Sklave im Licht des Philipperbriefes“ an der philosophisch-theologischen Hochschule St. Pölten. Paulus habe den Begriff „Sklave“ für sich und seinen Begleiter Timotheus bewusst gewählt, wies Flis hin. Er drückte damit seine innige und tiefe Beziehung zu Jesus Christus aus, dem er mit ganzem Herzen diente. Dies sei auch die Haltung zwischen einem Sklaven und dem Herrn in alten Kulturen. Paulus und Timotheus sind von den eigenen Zielen abgerückt und dienten nur mehr Christus, wies der Bibelwissenschaftler hin.
Die biblischen Schriften stellen sich nicht gegen Sklaven, da diese zur damaligen sozialen Gesellschaftsstruktur gehörten. Im neuen Testament werde das Los des Sklaven zwar als schweres Joch bezeichnet, doch zeigt sich die Bibel nicht an einer Befreiung der Sklaven interessiert. Sehr wohl wird aber gesehen, dass diese sozialen Unterschiede die Einheit zerstören können. Diese Einheit in Christus wird in eine endzeitliche Dimension gerückt, in der es nicht mehr die Unterschiede zwischen „Juden und Griechen, Sklaven und Freie, Mann und Frau“ gebe. Alle seien „einer in Christus“, wie Paulus im Galaterbrief schreibt.


Die Sklaverei selbst, so Flis, lasse sich bereits um 4000 vor Christus bei den Assyrern nachweisen. Doch erst die Griechen haben die Sklaven als soziale Schicht gesehen. Die Entstehung von Freiheit und Sklaverei gingen in der aufstrebenden Polis Hand in Hand. Sklaven waren Besitz ihres Herrn und mussten die Arbeiten verrichten, damit die Bürger die Freiheit erleben konnten. In der römischen Zeit war das Los der Sklaven besonders hart, sodass es immer wieder zu Aufständen kam. Die philosophische Schule der Stoiker riet zu einem guten Umgang mit den Sklaven, da dies ein besonderer Garant für deren Treue sei.