Paulus nicht Erfinder des Christentums,sondern dessen bester Kommunikator

Wer sich mit der Auferstehung Jesu beschäftigt, der muss sich auch mit dem Tod Jesu beschäftigen. Das hat der Apostel Paulus getan, der als „Theologe des Kreuzes“ gilt. Das sagte Prof. Thomas Söding, Inhaber des Lehrstuhls für Neues Testament an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Ruhr-Universität Bochum bei einer Gastvorlesung zum Paulusjahr an der Phil.-Theol. Hochschule St. Pölten.

Paulus hat dem fürchterlichen Ende Jesu klar ins Auge gesehen, er hat den Skandal dieses schändlichen Todes nicht vertuscht. Vielmehr hat er gezeigt, dass das Kreuz im Licht der göttlichen Verheißungen nicht das Scheitern eines gotteslästerlichen Pseudo-Messias ist, sondern das Scheitern aller menschlichen Versuche, sich ein Bild von Gott zu machen. Das Kreuz offenbart die Weisheit Gottes, der dort noch Sinn stiftet, wo der Mensch nur mehr Unsinn erkennen kann. Das Kreuz ist der Anfang einer Geschichte jenseits der Sünde und des Todes.

Paulus ist aber ebenso ein Theologe der Auferstehung oder Auferweckung, denn: ohne Kreuz keine Auferstehung, ohne Auferstehung keine Heilswirkung des Todes Jesu. Sein persönliches Ostererlebnis hatte Paulus vor Damaskus. Hier hat er den Gekreuzigten als Auferstandenen erfahren, auf diese Erfahrung des auferstandenen Jesus hat er sein Apostelsein zurückgeführt und seine Sendung, den Heiden das Evangelium zu bringen.

Diese österliche Erfahrung des Auferstandenen vor Damaskus habe dem Leben des Apostels Paulus den Stempel aufgedrückt, sie wurde zum dauernden Bezugspunkt seiner Theologie. Allerdings nimmt er an den entscheidenden Punkten den Osterglauben der Urgemeinde auf, er knüpft bei dem an, was auch die anderen Apostel verkünden. Das gelte zum Beispiel für das wohl älteste Glaubensbekenntnis der Christenheit, das Paulus im 1. Korintherbrief (15,3-5) überliefert: „Denn vor allem habe ich euch überliefert, was auch ich empfangen habe: Christus ist für unsere Sünden gestorben, gemäß der Schrift, und ist begraben worden. Er ist am dritten Tag auferweckt worden, gemäß der Schrift, und erschien dem Kephas, dann den Zwölf.“ Daher könne Paulus nicht als „Erfinder“ des Christentums bezeichnet werden, wohl aber sei er sein bester Kommunikator, so der Bochumer Bibliker.

J.Wessely

Foto: Ruhr-Universität Bochum