Österreichische „Friedensradler“ erreichen Paulus-Stadt Tarsus

Die ungewöhnliche Pilgerfahrt von rund 20 österreichischen Radfahrern von Wien nach Jerusalem ist bisher gut vorangekommen. Am Ostermontag war die Gruppe in Wien aufgebrochen. Nun befinden sich die „Friedensradler“ in der südlichen Türkei, zwischen Tarsus, dem Geburtsort des Apostels Paulus, und Antakya, dem früheren Antiochien. Aus der Diözese St. Pölten nehmen Sepp Gruber, Gerhard Havlik und Hans Auzinger an der Radpilgerfahrt teil.
Auch nach 2.460 Kilometern seien alle Radler „wohlauf“, schreibt Betriebsseelsorger Sepp Gruber in einem E-Mail, „abgesehen von den zahlreichen Reifenpannen und Kettenrissen und einigen Verkühlungen.“ Das Wetter ist seit Wochen kalt und unbeständig. Trotzdem kann die Pilgergruppe die vorgesehenen Etappen einhalten, so Gruber: „Wir schaffen die gesetzten Ziele locker und schießen manchmal sogar über das Ziel.“


Am kommenden Montag wollen die Radpilger Antakya erreichen, wo sie im „Haus der Begegnung“ der deutschen Pastoralassistentin Barbara Kallasch zu Gast sein werden. Woche für Woche versammeln sich dort orthodoxe, katholische und muslimische Jugendliche zu einem ökumenischen Friedensgebet. Antakya, das antike Antiochien, war das erste Zentrum der frühen Christen, wo Paulus und Petrus wirkten. Die Apostelgeschichte erwähnt, dass die Jünger erstmals in Antiochia „Christen“ genannt wurden.


„Uns Radlern gegenüber sind die Menschen in allen Ländern sehr zuvorkommend und hilfsbereit“, freut sich Gruber. Die Gruppe werde immer wieder per Auto, Fahrrad oder zu Fuß zu ihren Zielen geleitet. Besonders die örtlichen Polizisten seien „entgegenkommend und hilfsbereit“. Sogar zwei Lokalzeitungen in Anatolien haben die „Friedenstadler“ schon interviewt und fotografiert.


Begegnung mit Patriarchen Bartholoamios I.


Der bisherige Höhepunkt der Radpilgerfahrt war die Begegnung mit dem Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel, Bartholomaios I. Dieser hatte die Gruppe am 29. April in Istanbul empfangen und ihnen seine geistige Unterstützung zugesagt. Die Begegnung mit dem Oberhaupt der Orthodoxie sei „besonders eindrucksvoll“ gewesen, berichtet Gruber. Zum Abschluss der Audienz im Phanar habe Bartholomaios die Gruppe gesegnet und jedem Radler noch ein orthodoxes Kreuz mit auf den weiteren Weg gegeben.


Auf der Route kam es weiters zu Treffen mit Friedengruppen in Kroatien und Serbien, sowie mit zahlreichen christlichen Gruppierungen und Gemeinden. In Zlatna Livada waren die Radler zu Gast im bulgarisch-orthodoxen Athanasiuskloster, einem der ältesten Klöster der Orthodoxie aus dem Jahr 346. Weitere beeindruckende Erlebnisse habe es beispielsweise beim orthodoxen Osterfest in Belgrad und dem Besuch der Synagoge in Istanbul gegeben, schreibt Gruber. Ein Höhepunkt sei auch der Besuch in Konya gewesen, wo der islamische Philosoph, Mystiker und Sufi-Dichter Mevlana Celal-ed-din Rumi (1207-1273) wirkte und starb. Er galt und gilt als Integrationsgestalt für Christen, Juden und Muslime.


Hoffnung auf syrische Visa


Zurzeit wartet die Gruppe noch auf syrische Visa, um ihre Fahrt fortsetzen zu können. Alle Bemühungen, die syrischen Behörden von der Unternehmung zu überzeugen, sind bisher jedoch erfolglos verlaufen. Sollten die Friedensradler noch rechtzeitig ihre Visa erhalten und ihren Fahrplan einhalten können, dann ist die Ankunft in Jerusalem für den 20. Mai vorgesehen. Zum Ende der Pilgerfahrt sind schließlich in Israel und den Palästinenser-Gebieten Kontakte mit jüdischen und palästinensischen Friedens- und Menschenrechtsgruppen geplant.


Berichte über die Kontakte
Berichte und Fotos


Foto 1: die Teilnehmer aus St. Pölten, Hans Auzinger, Sepp Gruber und Gerhard Havlik (v.l.n.r., Foto: Walter Buder).
Foto 2:Begegnung mit Patriarchen Bartholoamios I.