Monotheismus heißt auch Toleranz

Gegen Klischeevorstellungen in der Kirchengeschichte hat sich der emeritierte Kirchenhistoriker Dr. Arnold Angenendt bei einem Vortrag im Bildungshaus St Hippoyt in St. Pölten gewandt. Er räumte vor allem mit der Vorstellung über einen angeblichen Zusammenhang von Monotheismus und Gewalt auf. In vieren Köpfen habe sich die Auffassung festgehalten, Monotheismus führe zur Gewalt, weil der Eingottglaube die Ermächtigung zur religiösen Allmacht bedeute. So habe der Ägyptologe Jan Assmann zwischen Primär- und Sekundärreligion unterschieden. Erstere bedeute die Einbettung von Religion in Welt und Volk, die Sekundärreligion sei hingegen verinnerlicht, also „Herzenssache“. Unter dieser Sicht stelle sich der Monotheismus vergeistigt dar, Gott sei transzendent und verlange vom Menschen auch ethische Tugenden.


Diese Vergeistigung der Götter, so Angenendt, habe erhebliche Konsequenzen auf das Gewaltproblem. Ein Grundtext für die Toleranz im Christentum sei aber, so Angenendt, das Gleichnis vom Unkraut und dem Weizen. Auch der Koran erkläre, dass Religion „eine Sache der Freiheit“ sei. Kein Apostat dürfe daher bestraft oder getötet, sondern nur mit Sanktionen belegt werden. Erst später habe sich die Meinung gebildet, dass jeder Ungläubige getötet werden müsse.
Die Christen hingegen, die auf jegliche Gewalt in Religionsfragen verzichten sollten, stimmten jedoch den späteren Kaisergesetzen zu, die den Glaubensabfall mit dem Tod bedrohten, führte Angenendt aus.
Dennoch sei für das erste Jahrtausend in der östlichen Christenheit keine, in der westlichen nur eine einzige Hinrichtung bekannt, nämlich die von Priszillus in Trier. Martin von Tours und Ambrosius von Mailand hätten dagegen aber sofort Protest eingelegt.


Die spätere Inquisition müsse aus heutiger Sicht als modernes Gerichtsverfahren angesehen werden, da sie das damals übliche Gottesurteil ablöste und ein Verfahren mit Ankläger und Verteidiger forderte. Nur bei Geständnis – und nicht aufgrund eines Gottesurteils - sei eine Verurteilung möglich. Dieses Verfahren wurde damals auch gegen die Katharer angewandt. . Es gebe aber keine Berichte, dass dabei die Folter angewandt wurde, sagte Angenendt. Diese wurde erst später eingeführt, um ein Geständnis zu erzwingen. Die Opfer der mittelalterlichen Katharer-Inquisition müssen dennoch auf einige Tausend geschätzt werden, so Angenendt.


Zusammenfassend meinte Angenendt, dass gerade der biblische Monotheismus sowohl jüdischer wie auch christlicher Art den inneren Menschen fordert. Dies bedeute, dass Gott das Erzwungene nicht annehme und es daher auch keinen Sinn habe, Menschen zum wahren Glauben zu zwingen. Dennoch seien auch monotheistische Religionen in der Verfolgung der Abweichler vom Glauben gewalttätig geworden.