Minarette: Küng "für Toleranz, aber die muss gegenseitig sein"

(KAP) Es ist "keine Frage", dass gemäß der Religionsfreiheit auch Muslime die Möglichkeit haben müssen, ihren Glauben in entsprechenden Gotteshäusern ungehindert auszuüben. Das unterstrich Bischof Klaus Küng am Sonntagabend in der ORF-Diskussionssendung "Im Zentrum", in der über das Schweizer "Minarett-Verbot" und dahinterliegende "Ängste vor dem Islam" debattiert wurde. In der Minarettfrage sei er - so Küng - freilich "etwas zurückhaltend", gerade wenn er an die Türkei denke, wo viele in Österreich lebende Muslime ihre Heimat hätten: Dort sei es de facto unmöglich, eine neue Kirche zu errichten. "Ich bin für Toleranz, aber die Toleranz muss gegenseitig sein", betonte der St. Pöltner Bischof.


Mit Küng diskutierten unter dem Titel "Muslime - Moscheen - Minarette: Wer fürchtet sich vor dem Islam?" u.a. der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft (IGGÖ), Anas Schakfeh, der freiheitliche EU-Abgeordnete Andreas Mölzer, die Obfrau der Wiener Grünen, Maria Vassilakou, und Ali Rahimi vom "Verein "Wirtschaft für Integration".


Bischof Küng "kann mit jedem, der seinen Glauben ernst nimmt, gut leben"; er zähle seit Jahren auch Muslime zu seinen Freunden. Dennoch gebe es im Zusammenhang mit Muslimen und deren Integration "Sorgen". Küng nannte als Beispiele die "Parallelgesellschaft" mancher Teile der muslimischen Bevölkerung, die Tatsache, dass zum Christentum konvertierende Muslime mit Repressalien rechnen müssten, aber auch Phänomene wie Zwangsehe oder Ehrenmorde. Küng erzählte auch von einem Vorfall in einem kirchlichen Haus in der Diözese St. Pölten, in das sich eine islamische Gemeinschaft eingemietet habe: Eine arabisch sprechende Studentin habe ihm von einer dort gehaltenen "Hassrede" berichtet, die er als verantwortlicher Bischof nicht akzeptieren könne und für die er im Wiederholungsfall Konsequenzen angekündigt habe.


Probleme wie diese wolle er aber nicht verallgemeinern, sagte Küng. Ihm seien Demokratie und Menschenrechte wichtige Anliegen, er lege Wert auf ein "gutes Miteinander" aller Religionsgemeinschaften. Zwischen Vertretern der Kirche und der Islamischen Glaubensgemeinschaft habe es in Österreich in den letzten Jahren - namentlich seit den Terrorakten des 11. September 2001 - vermehrt Kontakte und "konstruktive Gespräche" gegeben.


Im Blick auf die Schweiz, die er als früherer Bischof von Feldkirch gut kenne, meinte Küng, er halte manche Abstimmungen für problematisch, "weil sie emotionalisieren und die Lösung der Probleme sogar noch erschweren". Symbole hätten "ohne Zweifel ihre Bedeutung". Küng erinnerte an die jüngste Debatte über Schulkreuze, wo von Seiten des Islam Unterstützung gekommen sei, "was ich als sehr gut empfunden habe".


"Wie alle anderen Bürger"


IGGÖ-Präsident Schakfeh unterstrich, die Muslime in Österreich wollten gleich wie alle anderen Bürger behandelt werden. Ob ein Minarett zur Ausübung der Religion notwendig ist oder nicht, sollte von den muslimischen Gläubigen entschieden werden und nicht "von Dritten". "Nicht gelten lassen" wollte Schakfeh die von Bischof Küng genannte Druckausübung auf Konvertiten: Die Austritte von Muslimen würden nur in einer Mappe vermerkt - ohne weitere Konsequenzen.
Menschenrechtsverletzungen wie Zwangsehe oder Genitalverstümmelung seien "unislamisch" und würden von der IGGÖ bekämpft, betonte Schakfeh. Wenn es in anderen - muslimisch dominierten - Ländern Defizite hinsichtlich der Religionsfreiheit gebe, sollte dies von einem Staat mit demokratischer Rechtsordnung wie Österreich nicht zum Maßstab für das eigene politische Agieren genommen werden. Die freie Religionsausübung sei ein "gemeinsames Anliegen".


Moderator Peter Pelinka wies darauf hin, dass es in Österreich vier statt - wie bisher vermutet - drei Minarette gibt: Neben den bekannten in Wien-Floridsdorf, Bad Vöslau (Niederösterreich) und Telfs (Tirol) gebe es seit sechs Jahren ein weiteres in Saalfelden (Salzburg), gegen das "niemand etwas auszusetzen" habe.
(KAP)