„Lebensinseln“ für Menschen in Not

„Notfallseelsorger sind Lebensinseln, wo Menschen in Not und Leid anlegen können“. So charakterisierte der Gründer der Luxemburger Krisenintervention, Prof. Leon Kraus die Tätigkeit der Notfallseelsorger bei der abendlichen Feier zum 5-jährigen Bestehen der ökumenischen Notfallseelsorge in Niederösterreich. Fünf Jahre nach ihrem Start kann die ökumenische Notfallseelsorge in Niederösterreich auf 58 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter blicken. Bei einer abendlichen Feier im Bildungshaus St. Hippolyt wurden zwei neue Seelsorgerinnen, Pastoralassistentin Andrea Krieger aus St. Peter/Au und Anette Sandner aus Herzogenburg durch Weihbischof Dr. Anton Leichtfried und den Direktor der Pastoralen Dienste Dr. Sepp Winklmayr für ihren Dienst beauftragt. Weihbischof Dr. Anton Leichtfried sprach dabei allen Notfallseelsorgern seinen Dank aus, dass sie „bleiben und weiterhelfen, gerade auch dann, wenn die Blitzlichter der Sensation verschwunden sind“. Dr. Sepp Winklmayr dankte den Initiatoren Pastoralassistent Stefan Mayerhofer und der evangelischen Pfarrerin Birgit Schiller für ihre Aufbauarbeit.


In einem Rückblick brachten Stefan Mayerhofer und Pfarrerin Birgit Schiller die wesentlichen Schritte in Erinnerung. Vor zehn Jahren fanden nach der Gasexplosion eines Wohnhauses in Wilhelmsburg die ersten Gespräche zum Aufbau einer Notfallseelsorge in Niederösterreich statt. Eine Arbeitsgruppe wurde gebildet und Ausbildungsabende durchgeführt. Am 1. April 2004 wurde der Tullner Pastoralassistent Stefan Mayerhofer als Koordinator für die Notfallseelsorge beauftragt. Heuer konnte bereits der dritte Ausbildungslehrgang abgeschlossen werden, womit nun 58 Notfallseelsorgerinnen und Notfallseelsorger in Niederösterreich im Einsatz sind.


Prof. Leon Kraus aus Luxemburger, Gründer und Leitungsmitglied der Krisenintervention in Luxemburg, Notfallseelsorger und verantwortlicher Seelsorger für den Zivilschutz und die Freiwilligen Feuerwehren Luxemburgs, sprach in seinem Hauptreferat und in sehr sensibler Weise über die Begleitung von Angehörigen in plötzlichen Todesfällen bei Katastrophen und Unfällen.
Es brauche Solidarität, denn ein Mensch vermag nie allein ein plötzliches Elend aushalten, sagte er. Hilfe müsse heute Teamarbeit sein, unterstrich der Experte und ergänzte: trotz Freiwilligkeit müsse dieser Dienst am Menschen auch professionell ausgerichtet sein. Bei allen Einsätzen der Notfallseelsorger sei aber der Glaube das Rückgrat, unterstrich Kraus. Notfallseelsorger seien keine Tröster, sondern versuchen aufzuzeigen, dass auch der Tod zum Leben gehört: „Leid mindern, heißt oft auch schweigen und Leid aushalten“. Zusammenfassend meint Leon Kraus: „Notfallseelsorge heißt, in der Nähe des Menschen bleiben, wenn Schmerz, Leid und Tod drohen“. Die Notfallseelsorger sollen „Lebensinseln sein, wo Menschen anlegen können“.