Landesausstellung im Pfarrhof von Raabs

Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll präsentierte bei einer Pressekonferenz den Lindenhof, den Pfarrhof von Oberndorf bei Raabs, als einen der drei Ausstellungsorte der heurigen Niederösterreichischen Landesausstellung in Horn, Raabs und Telc. Pröll würdigte die Kooperation zwischen Land und Diözese bei der Renovierung des Lindenhofs.
Anlass zum Thema der Ausstellung „Österreich. Tschechien – geteilt.getrennt.vereint.“ sei der Fall des „Eisernen Vorhangs“ vor genau 20 Jahren, erklärte Landeshauptmann Pröll. Der Ausstellungsschwerpunkt in Raabs an der Thaya solle „die Geschichte der Grenze wachrufen und erlebbar machen“, so Pröll: „Raabs ist ein symbolträchtiger Ort, da hier die deutsche und die tschechische Thaya zusammenfließen.“ Es müsse „alles darangesetzt werden, die jüngere Geschichte erlebbar zu machen“, betonte Pröll, sonst sei das Reden vom Lernen aus der Geschichte „Schall und Rauch“.


Der Lindenhof ist ein kirchliches Gebäude, das aus Pfarrhof, Meierhof und Schüttkasten besteht, die für die Landesausstellung renoviert und zu einem Veranstaltungszentrum ausgebaut wurden. Ein Teil des Lindenhofs wird weiterhin von der Pfarre verwendet. „Der Pfarrhof hatte immer schon eine große Bedeutung für die ganze Region“, sagte Mag. Hermann Dikowitsch, Koordinator der NÖ Landesaustellungen, „Raabs war lange Zeit die größte Pfarre im Waldviertel.“ Nun sei der Lindenhof jedoch vom Verfall bedroht gewesen.


Unbekannte Fresken endteckt


Im Zuge der Renovierungsarbeiten kamen bislang unbekannte Fresken aus dem 17. Jahrhundert zum Vorschein: Wandmalereien im so genannten Kaminzimmer im Obergeschoss des Westtraktes zeigen Don Qichotte im Kampf gegen die Mauren vor Ceuta. Das ungewöhnliche spanische Thema geht möglicherweise auf den Pfarrherrn Johann Jakob Freiherr von Hoffmann und Lichtenstein zurück, der Gesandter des Kaisers am spanischen Hof war. Die Wände des ehemaligen Sommer-Speisesaales östlich vom Stiegenhaus sind zur Gänze mit Veduten, Stadt- und Landschaftsansichten, aus der Zeit um 1810 bedeckt, die unter Pfarrer Anton Gruber entstanden und die spätbarocke Ausmalung aus der Zeit um 1760 überlagern.


Landeshauptmann Pröll und P. Robert Bösner vom Stift Altenburg präsentierten ein wichtiges Ausstellungsstück, einen Reliquienschrein des Heiligen Nepomuk aus der nahen Wallfahrtskirche Maria Dreieichen. Johannes Nepomuk wurde 1393 im Zuge von Auseinandersetzungen mit König Wenzel IV. in der Moldau ertränkt. Der Märtyrer gilt seither sowohl in Tschechien als auch in Österreich als „Brückenheiliger“. Der Wallfahrtsort wird deswegen auch von zahlreichen tschechischen Pilgern aufgesucht.


Die Niederösterreichische Landesausstellung ist von 18. April bis 1. November geöffnet. Mit einer Eintrittskarte um € 8,-- können alle drei Ausstellungsorte – Horn, Raabs und Telc – besucht werden.


Foto:KR P. Robert Bösner von Maria Dreieichen, Reliquienschrein des hl. Nepomuk, Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll, Mag. Rudolf Mayer, Bürgermeister von Raabs, Mag. Hermann Dikowitsch, Koordinator der NÖ Landesaustellungen


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