Küng: „Menschliches Leben darf nicht verzweckt werden“

„Menschliches Leben darf auch in seinem Anfangsstadium nicht verzweckt werden“, betonte „Familien-Bischof“ Klaus Küng in einer Stellungnahme zum Mehrheitsvotum der „Bioethikkommission beim Bundeskanzleramt“ zur embryonalen Stammzellenforschung. Aus der ethischen Überzeugung, dass menschliches Leben vom ersten Augenblick seiner Existenz an schützenswert ist, ergebe sich ein „klares Nein zur embryonalen Stammzellenforschung“. Der Beschluss, der eine Stichtagsregelung zum Import von embryonalen Stammzellen vorsieht, sei als „politischer Kompromiss“ zu sehen.
Bischof Küng, der in der Österreichischen Bischofskonferenz für bioethische Fragen zuständig ist, erinnerte an die Stellungnahme der Frühjahrsvollversammlung im März 2008. Damals hätten die Bischöfe daran erinnert, dass im Bereich der Stammzellenforschung mit dem Nachweis pluripotenter Stammzellen, die direkt aus Zellen geborener Menschen gewonnen werden können (induzierte pluripotente Stammzellen/iPS), eine völlig neue Situation entstanden sei. Ein Rückgriff auf embryonale Stammzellen – zu deren Gewinnung menschliches Leben getötet werden muss – sei mit den Erfordernissen der Forschung nicht mehr begründbar. „Diese Stellungnahme der Österreichischen Bischofskonferenz gilt auch jetzt“, so Bischof Küng.


Die österreichischen Bischöfe hätten im Vorjahr festgestellt, dass die Tötung menschlicher Embryonen zur Gewinnung embryonaler Stammzellen mit der Menschenwürde und dem von der Staatengemeinschaft anerkannten und geschützten Menschenrecht auf Leben unvereinbar sei. „Daran halten wir uns auch nach dem Mehrheitsvotum der Bioethikkommission“, betonte der St. Pöltner Bischof. Die Verantwortlichen in Staat, Wissenschaft und Industrie sollten alles daran setzen, im Interesse der Patienten die heute schon erfolgreichen Therapien mit ethisch unproblematischen adulten Stammzellen weiter auszubauen sowie die Rolle der österreichischen Grundlagenforschung im Bereich der induzierten pluripotenten Stammzellen zu stärken.


Bischof Küng erinnerte im „Kathpress“-Gespräch auch daran, dass der neue Mehrheitsbeschluss der Bioethikkommission wieder auf die Fragwürdigkeit des Wegs der In-vitro-Fertilisation verweise: „Bei allem Verständnis für den berechtigten Kinderwunsch muss man sagen, dass die ‚Produktion’ von ‚überzähligen’ Embryonen und die Frage nach ihrer ‚Verwendbarkeit’ zeigt, dass der Weg der In-vitro-Fertilisation von Anfang fragwürdig war und bleibt“.