Kirchliche "KOO": Kopenhagen ist "verpasste historische Chance"

Die kirchlichen Entwicklungs-Organisationen haben das Scheitern des UN-Klimagipfels in Kopenhagen mit großer Enttäuschung aufgenommen. "Das Ergebnis ist niederschmetternd, beschämend und eine verpasste historische Chance", hielt die "Koordinierungsstelle der Österreichischen Bischofskonferenz für Internationale Entwicklung und Mission" (KOO) am Samstag in einer Aussendung fest. Die Konferenz habe ihr Ziel deutlich verfehlt. Wörtlich sprach die KOO von der "Schande in Kopenhagen".
Der KOO-Vorsitzende, der Linzer Bischof Ludwig Schwarz, befürchtet dramatische Konsequenzen für Menschen in Entwicklungsländern und forderte eine moralische Runderneuerung der internationalen Politik. Nicht kurzfristiges Eigeninteresse sondern das nachhaltige, globale Allgemeinwohl sollten politische Entscheidungen anleiten, sagte Schwarz: "Nur so ist diese globale Krise zu lösen". Und: "Wenn wir aufgrund von politischem Kalkül unsere Schöpfung nicht schützen, werden wir über kurz oder lang alle zu Verlierern".


Die Koordinatorin der Kampagne "Klima fair bessern", Josefa Molitor-Ruckenbauer, bedauerte, dass es die Staats- und Regierungschefs in Kopenhagen trotz bereits spürbarer Konsequenzen des Klimawandels nicht geschafft hätten, konkrete Lösungen auf den Tisch zu legen. Die bloße Anerkennung des Ziels, die Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen, aber keine konkreten Maßnahmen zu treffen, reiche nicht aus, so Molitor-Ruckenbauer. "Die derzeitigen Verpflichtungen der Industrieländer führen zu einer Erderwärmung von drei Grad Celsius. Ein Grad Unterschied mag nicht nach viel klingen, für viele Menschen in Entwicklungsländern bedeutet das aber eine Entscheidung über Leben und Tod".


Kritik an reichen Staaten


KOO-Geschäftsführer Heinz Hödl übte vor allem Kritik an den reichen Staaten, die kein "faires, gerechtes und ambitioniertes Abkommen" zustande gebracht hätten. "Für die Ärmsten der Armen sind die Resultate der Verhandlungen eine große Enttäuschung", sagte Hödl. "Das Überleben ganzer Gesellschaften steht auf dem Spiel und die reichen Länder feilschen wie auf einem Viehmarkt", kritisierte der kirchliche Entwicklungsexperte die Tatsache, dass Industrie- und Schwellenländer zu keinen größeren Zugeständnisse bereit waren. Die Weltklimapolitik brauche den politischen Willen aller Staaten für verbindliche Ziele und eine Kontrolle eines multilateralen Regelwerkes, erinnerte Hödl.
(kap)