Kirchen haben St. Pölten mitgeprägt

Eng verbunden mit Christentum und Kirche ist auch die Stadtentwicklung St. Pöltens. Nicht nur, dass vor 850 Jahren der Passauer Bischof St. Pölten das Stadtrecht verlieh, auch in den Jahrhunderten davor und danach haben Christentum und Kirche wesentlichen Einfluss genommen. Ein Symposium mit dem Ökumenischen Arbeitskreis NÖ West im Rathaus St. Pölten gab tieferen Einblick in diese Entwicklung. Die lange Geschichte der Stadt bewegt sich zwischen Sternstunden und Katastrophen, wies Bürgermeister Matthias Stadler hin. Von Zeugnissen aus römischer Zeit bis in die Gegenwart haben Christentum und Kirchen das Leben und die Entwicklung der Stadt mitgestaltet. Superintendent Paul Weiland, Vorsitzender des Ökumenischen Arbeitskreises NÖ West, sieht in dieser Tagung eine Rückbesinnung, die eigenen Wurzeln bewusst zu machen, um die Gegenwart zu gestalten und das Fundament für eine friedliche Zukunft zu legen. Diese Geschichte, habe auch „getrennt und verletzt“, sagte er mit Hinweis auf das Schicksal der Protestanten. Heute lebe die Stadt jedoch im und vom Miteinander der Unterschiede, wobei den Kirchen ein wichtiger Anteil zukomme.


Funde aus römischer Zeit


Ronald Risy vom Archäologischen Institut wies auf die wenigen Zeugnisse christlichen Lebens im einstigen St. Pöltens, damals Aelium Caetium, hin. Durch die strategisch wichtige Lage könnte schon 70 nach Christus Carnuntum mit dem Christentum in Berührung gekommen sein, meint er. Ein sicheres Zeugnis hingegen liefern die Berichte vom sogenannten „Regenwunder“, einem historisch sicheren Ereignis, das von allen Religionen, so auch vom Kirchenlehrer Tertullian als Wunder bezeichnet wurde. Römische Funde aus jener Zeit befinden sich in und um die Stadt, vor allem auch in Pottenbrunn und Radlberg. Spätere Zeugnisse vom Christentum in Noricum gaben die Heiligen Florian und Severin.


Einfluss von Stuift und Bistum


Heidemarie Specht vom Diözesanarchiv warf in ihren Ausführungen einen Blick auf das Werden der Stadt unter den verschiedenen Berührungspunkten und Gegensätzen im Laufe der Jahrhunderte. So habe das ursprüngliche Kloster und spätere Chorherrenstift wesentlichen Anteil in der Entwicklung gehabt wie auch das Bistum Passau, das 976 zum ersten Mal als Besitzer urkundlich erwähnt wurde. Das Kloster hielt im Wesentlichen den nördlichen Teil, die Bischöfe von Passau hingegen den südlichen Teil der Stadt in ihrem Besitz, wobei die Marktrechte beim Kloster lagen. Erst durch die Habsburger kam es zum Ende der Passauer Stadtherrschaft. Erst unter Josef II. wurde das Gebiet vom Bistum Passau abgetrennt und als eigene Diözese errichtet.


Reformation und Wiederbesiedlung


Auf die bewegte Geschichte der protestantischen Kirche ging der evangelische Kirchenhistoriker Gustav Reingrabner ein. Der einst blühenden protestantischen Kirche mit zahlreichen Anhängern im 16. Jahrhundert folgte die Gegenreformation, die bemüht war, die Erinnerungen an jene Zeit des Protestantismus zu unterdrücken und vergessen zu lassen. So war auch die im 19. Jahrhundert wieder entstehende evangelische Kirche wesentlich anders als die im 16. und 17. Jahrhundert.
Erst die Industrialisierung des 19. Jahrhunderts brachte wieder Protestanten nach St. Pölten. Um 1891 wurde die heutige evangelische Kirche erbaut, 1892 geweiht und 1900 die Pfarrgemeinde AB und HB gegründet. Seit 1998 ist St. Pölten der Sitz der Superintendentur.
„Evangelische in St. Pölten“ war nicht nur eine Epoche, sondern hat eine große Bedeutung für die Stadt, ihre Entwicklung und ihre Bewohner, schloss Reingrabner seine Ausführungen.