Kirche kann auf das Naturrecht nicht verzichten

Ohne das klassisch christliche Naturrecht und seiner Anwendung werde die Kirche nicht auskommen, stellte der Wiener Sozialethiker und emeritierte Professor für Ethik und Sozialwissenschaften an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien, Univ. Prof. Dr. Rudolf Weiler bei der Präsentation seines neuesten Buches „Naturrecht in Anwendung – Vorlesungen im Gedenken an Johannes Messner“ am 17. November in der Aula der Philosophisch-Theologischen Hochschule in St. Pölten fest. Johannes Messner habe in Anlehnung an Thomas von Aquin ein neues Naturrecht entwickelt, bei dem er vor allem die konkrete Lebenswirklichkeit mit einbezog. Bei Messner als dem Gründer der „Wiener Schule der Naturrechtsethik“ seien die Grundwerte in der Natur des Menschen erfahrbar. Das Naturrecht und seine Bezüge verändern und entwickeln sich weiter, erklärte Weiler. Es sei heute aber Aufgabe, einen neuen Zugang zu diesem klassisch-christlichen Naturrecht zu finden und verstehbar zu machen.
Weiler verwies in seinen Ausführungen auf Papst Benedikt XVI., der besonders in seiner Enzyklika „Caritas in Veritate“ immer wieder auf das Naturrecht hinweise.
Rudolf Weiler gründete 1991 die Johann Messner-Gesellschaft, der er bis vor Kurzem auch als Obmann vorstand.


Der St. Pöltner Moraltheologe und Ethiker Dr. Josef Spindelböck unterstrich, dass Johannes Messner die Verbindung von Grundsätzlichem mit Konkretem im Naturrecht gelungen sei und bestätigte den breiten Zusammenhang in Bezug auf das Naturrecht in der Ezyklika „Caritas in Veritate“ mit dem neuesten Werk von Prof. Weiler.


Das umfangreiche Werk, das Rudolf Weiler mit Herbert Schambeck herausgegeben hat, umfasst auf 450 Seiten vor allem Vorlesungen des Herausgebers im Gedenken an Johannes Messner, die der Autor vor allem in St. Pölten und Heiligenkreuz gehalten hat. Ergänzend enthält das Werk Abhandlungen über Sportethik und über das „Institut für Friedensforschung“ an der Katholisch-Theologischen Fakultät Wien sowie seine Festrede vom 10. April 2008 über Johannes Messner.


Johannes Messner


Der 1891 in Schwaz in Tirol geborene Johannes Messner wurde 1914 zum Priester geweiht und habilitierte sich 1927 mit einer Studie zur Grundlegung einer systematischen Wirtschaftethik an der Theologischen Fakultät Salzburg. 1935 berief ihn die Universität Wien als Außerordentlichen Professor für Ethik und Sozialwissenschaften.
Messner ist durch sein erstes großes Werk "Die Soziale Frage" bekannt geworden. Er entwickelte darin eine umfassende Sozialkritik und betonte die Bedeutung einer christlichen Sozialreform für die Lösung der sozialen Frage. In der NS-Zeit floh Messner nach England. 1949 erschien sein Hauptwerk "Das Naturrecht". Ab 1949 nahm Messner wieder seine Lehrtätigkeit in Wien auf. 1962 wurde er emeritiert. Er starb am 12. Februar 1984 in Wien.