Kein Verständnis für „Wirtschafts-Zocker“

Scharf ins Gericht geht Prof. Dr. Claus Hipp, Gesellschafter der Hipp-Nahrungsmittelbetriebe mit den Verursachern der jüngsten Finanz- und Wirtschaftskrise in einem Vortrag über „Ethik im Wirtschaftsleben“ vor Unternehmern im Stift Melk. „Ich habe keinerlei Verständnis, dass jene, die gezockt haben, mit Steuergeldern auch noch finanziert werden“, sagte er in Hinblick auf einige aktuelle Maßnahmen. Die Ursachen der Krise liegen in Fehlspekulationen, die vor allem durch Habgier und Größenwahn entstanden seien, wies Hipp hin. „Sie dürfen aber nicht zu Lasten der Normalverbraucher gehen“, unterstrich er und verwies auf die aktuelle „Verschrottungsprämie“, die nur der Autobranche helfe, „andere Branchen aber dadurch schlechtere Zahlen“ schreiben. „Durch diese Maßnahme werde das Geld nicht mehr, sondern nur umgeleitet“, sagte Hipp. Für ihn sei es auch in einer sozialen Marktwirtschaft „normal“, so Hipp, „dass jene, die nicht umsichtig und klug gewirtschaftet haben, wieder vom Markt verschwinden“. Andere würden dann an deren Stelle treten.


Hipp kritisierte weiters die zunehmende „Überregulierung“, die die Wirtschaft heute sehr belaste. „Die 85.000 Vorschriften, die ein Unternehmer zu berücksichtigen hat, können kaum mehr überblickt werden“, wies er hin. So sei auch deren Einhaltung nicht sehr erstrebenswert, wies der bayerische Unternehmer hin. Hipp, der voll auf biologische Produkte setzt, sich gegen die „grüne Gentechnik“ ausspricht und soziale Projekte fördert, „dies aber nicht für Werbezwecken missbraucht“, wie er sagt, setzt im Wirtschaftsleben auf ethische Orientierung.
Es bedürfe heute umso mehr einer Besinnung auf grundlegende Werte, unterstrich Hipp und verwies auf Pestalozzi, der „Haupt, Hand und Herz“ als Orientierung genannt habe. Sie bedeuten, so Hipp, Grundwissen, Geschicklichkeit und Kreativität sowie “anständigen Umgang“ miteinander. Dazu zähle er Tugenden wie klug, gerecht und tapfer sein sowie Maß zu halten. „Unsere Wirtschaft lebt zwar davon, dass man immer mehr möchte. Es gibt aber ein Maß, das über das Normale hinausgeht“, warnte er.
Im betrieblichen Alltag müssen oft rasche Entscheidungen getroffen werden, so Hipp. So habe er für sein Unternehmen eine Ethik-Charta erstellt, die langfristig einerseits Erfolg sichern als auch die Qualität halten und für Konsumenten leistbare Preise garantieren soll.